Auch, wer als weißer Deutscher im akademischen Klinikbereich tätig ist, macht diese oder ähnliche Dinge durch und kennt die Abläufe, Intrigen und gegenseitigen Diskriminierungen, die Oji hier beschreibt, aber fälschlicher Weise als gegen nicht gebürtige Deutsche - und hier speziell gegen Schwarze - gerichtete Akte von "Rassismus" auffasst! Weit gefehlt! Denn Insider, wie ich, haben vielfach(!) selbst erfahren und beobachtet, wie kompliziert, unverständlich und brutal die karrierefördernden oder -hemmenden Beziehungsstrukturen und Hierarchien der Akademiker in diesem Bereich ausgelebt werden - und zwar überall und gegen Jeden, egal ob schwarz oder weiß, deutsch oder nichtdeutsch! Sicher hörte Oji auch manchen Spruch in bezug auf seine Hautfarbe und musste dies rassistisch werten, doch die Verletzungen Weißer untereinander stehen diesen in nichts nach!
So empfinde ich - als deutsche Klinik-Insiderin und Westafrikakennerin mit Igbo Ehemann (Akademiker) - Ojis Lamenti als ungerechtfertigt und übertrieben selbstbejammernd und die Rezensionen hier z. T. wieder als "typisch deutsch": Zu gerne werfen wir Schmutz auf unser eigenes Nest und ziehen uns alle Schuhe an, die man uns anziehen möchte!
Ich rate Jedem, mal längere Zeit das Leben in Afrika zu testen! Was man hier noch nicht kannte in punkto "Rassismus", kann man dort lernen! Die Formen des dort alltäglich gelebten, brutalen Rassismus sind unverhohlen, ernst gemeint und werden in teilweise noch viel extremeren Formen ausgelebt, als das, was man da von Oji zu lesen bekommt. Das ist zwar keine Rechtfertigung für ausgelebte Diskriminierung per se - doch kann ich es nicht leiden, wenn man - wie Oji schon im Titel des Buches - ein ganzes Volk verunglimpft ( .."DIE" Deutschen...!!!), dazu auch noch das, wo man sich freiwillig (!) aufhielt, um alle Möglichkeiten in ANSPRUCH zu nehmen!
Aber ALLE (und damit meine ich ALLE) AfrikanerInnen, die mir in 30 Jahren bisher begegnet sind - und ich kenne sehr! viele - haben/hatten die ausgeprägte Neigung, IMMER und für ALLES Anderen die Schuld zu geben. Deshalb finde ich dieses Buch nicht hilfreich, um einen realitätskonformen Eindruck zu vermitteln.
Wir alle haben in unseren Lebenläufen mit vielerlei Hürden und Hindernissen zu tun und umzugehen. Wenn wir immer allen Frust in Bücher "kübeln" und mit dem Finger auf die Anderen zeigen würden, die natürlich(!) immer(!) und allein(!) die Schuldigen sind, frage ich mich, was der Gehalt solcher Bücher sein soll. Ich finde so etwas überflüssig!