Das erste Buch, was ich von Kehlmann las, und es wird nicht das letzte sein. Sind Kurzgeschichten eigentlich noch in? Sie sind auf jeden Fall sehr lesenswert. Sie gehen unter die Haut, weil Kehlmann es versteht einen beim Lesen zur Person des Helden werden zu lassen. Es sind eigentlich keine Helden, es sind einfache Menschen. Gescheiterte Existenzen, armselige Arbeiter, Angestellte und Malocher - Menschen ohne Perspektiven, die sich ihre eigenen Bilder, ihre eigenen Welten schaffen. Und sich dann in diesen finden wollen und dann doch nur verlieren. Die Geschichten sind tragisch, wir betrachten Verlierer und Verlorene. Aber ihr (Er-)Leben ist absolut lesenswert, nicht nur weil Kehlmann auf wunderbare Art und Weise Menschliches zu beschreiben vermag, sondern weil er es dabei schafft Gerüche und Temperaturen buchstäblich fühlbar zu machen. Man fühlt bei "Unter der Sonne" die Hitze heißer Sommertage, spürt im "Schnee" den Schnee im Gesicht. Trotz der traurigen Gestalten sind es einfach faszinierende Bilder, die wie in einem Film an einem vorüberziehen. Es bißchen meint man bisweilen Roald Dahl oder Wolfgang Borcherts zu lesen, aber das schadet nichts. Kehlmann schafft eben solche pointierten Bilder, die auch mit ihrem Sarkasmus, schwarzen Humor und der Aussichtslosigkeit an große Namen erinnern.