Sowohl Zeit und Ort der Handlung dieses Buchs weckten sehr mein Interesse und aufgrund der beiden positiven Rezensionen (wohl wissend, dass ich das Buch eventuell doch anders beurteilen würde) habe ich es gekauft. Romane und Krimis aus den 20er und 30er Jahre in Berlin haben ja eine gewisse Konjunktur und interessieren auch mich sehr, aber dieses Buch bleibt weit hinter einigen anderen belletristischen Büchern, die ich aus eben dieser Zeit gelesen habe, weit zurück.
Zwar sind die Beschreibungen des Adlons und Berlins ganz gut, aber wenn man etwas über die sehr interessante Geschichte des Adlons wissen möchte, sollte man "Hotel Adlon" von Hedda Adlon lesen. Nach ein paar Seiten des vorliegenden Buchs war mir klar, dass das Wissen des Autors über das Adlon weitgehend aus dieser Quelle stammt, was sich dadurch bestätigt, dass die am Ende des Buchs aufgeführte Passage von Hedda Adlon genau aus dem von mir genannten Buch stammt.
Nun handelt es sich bei dem hier rezensierten Buch ja nicht um ein Sachbuch sondern um einen Krimi. Auch wenn es um kriminelle Machenschaften geht, plätschert die Handlung so seicht, spannungsarm und teilweise nicht nachvollziehbar oder unrealistisch daher, dass ich eigentlich keinen Krimi entdecken kann. Nebenbei wird eine ebenso spannungsarme Beziehungsgeschichte eingeflochten. Der ganze Handlungsstrang wirkt sehr blutleer. Dies gilt auch für Beschreibung Berlins in diesen turbulenten Zeiten. Will man einen wirklich spannenden Krimi aus dieser Zeit lesen, der genau diese Schwächen alle nicht hat, empfehle ich die Bücher von Volker Kutscher mit dem Kommissar Gereon Rath.
Anhand des Buches rast Ebertowski quasi durch die historischen Hintergründe in den letzten Jahren der Weimarer Republik und der Herrschaft der Nationalsozialisten. Zwar ist alles historisch korrekt, aber es wirkt doch sehr aufgesetzt und nach dem Motto, erkläre ich mal dem Laien was damals geschah. Ich finde es gar nicht schlecht, historische Hintergründe durch einen Roman/Krimi zu vermitteln und ich lese Romane/Krimis, die das bieten eigentlich gerne, aber bei diesem Buch hat es mich nicht überzeugt. Es werden einige Ereignisse oder Personen rausgepickt und plakativ dargestellt, um Sachverhalte aus der Zeit zu verdeutlichen, was meiner Meinung nach nicht gelingt. Zudem ist die Sprache des Buchs zwar gut, aber hat eher Sachbuchcharakter und fesselt nicht.
Nach meiner Kritik scheinen drei Sterne eigentlich zu viel, aber auch wenn mich das Buch nicht überzeugt hat, kann ich mir schon vorstellen, dass es Lesern mit anderen Ansprüchen und Vorkenntnissen besser gefällt als mir. In einer der Vorrezensionen wurde angeführt, dass der Rezensentin der historische Hintergrund sehr gut gefallen hätte. Möchte man die allgemeinen Schulkenntnisse auffrischen und etwas erweitern, einen kleinen Einblick in die Zeit bekommen, dann ist das Buch aus dieser Perspektive vermutlich besser zu beurteilen. Mich hat das Buch zwar nicht gefesselt, aber ich habe es doch bis zum Schluss durchgelesen und empfand einen gewissen Unterhaltungswert, was vielleicht drei Sterne rechtfertigt.