"Unter dem Zwillingsstern" ist die Geschichte einer Freundschaft von zwei Seelenverwandten in einer turbulenten Epoche. Carla und Robert, gleichermaßen hochbegabt und frühreif, sind seit ihrer Kindheit eng befreundet und teilen den Enthusiasmus für Film und Theater. Die Schilderung ihrer Karrieren im Deutschland der Weimarer Republik, der NS-Zeit und in der amerikanischen Emigration, ist sowohl eine unterhaltsame Film- und Theatergeschichte wie auch ein Porträt dieser Epoche insgesamt. Die beiden Protagonisten sind interessante, ungewöhnliche Charaktere. Historisch interessierten Lesern wird auffallen, dass sie deutlich nach dem Vorbild von Elisabeth I von England und Orson Welles modelliert sind. Diese ungewöhnliche Prämisse funktioniert erstaunlich gut; man merkt, dass es Tanja Kinkel Spaß gemacht hat, auf diese Weise zwei ihrer Lieblingsgestalten in Beziehung zu bringen. Darüber hinaus ist dieses Experiment besonders für die Orson-Welles-Figur Robert eine reizvolle Spekulation darüber, wie er sich entwickelt hätte, wenn er im Deutschland der Weimarer Republik und der NS-Zeit gelebt hätte. Auch die Nebenfiguren sind in ihrer Psychologie überzeugende Charaktere, und es gibt auch einige "Gastauftritte" historischer Persönlichkeiten. Noch mehr als bei den anderen Büchern der Autorin besticht die Intensität der Recherche. Die Fülle der Information, die man beim Lesen "nebenbei" erhält, ist wirklich erstaunlich. Insgesamt ist "Unter dem Zwillingsstern" ein sehr lesenswerter Roman, bei dem man gut unterhalten wird und gleichzeitig einen sachkundigen Einblick in die Film- und Theaterwelt der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erhält.