"What is lost? What is over?" Nicht jede Realität können Betroffene auch akzeptieren.
Jeder, der schon einmal einen wichtigen Menschen verloren hat, kennt dieses Gefühl: Bei allem, was man tut, ist er/sie noch da. Er/sie sitzt auf seinem/ihrem gewohnten Platz, man denkt bei allem, was man tut, an seine/ihre Meinung dazu, man beeilt sich, obwohl schon lange niemand mehr darauf wartet. Im Bett liegt man immer noch hart an der Kante auf der "eigenen" Seite.
Über diese virtuelle Existenz eines geliebten Menschen, den man verloren hat, hat François Ozon 2001 einen ruhigen, einfühlsamen Film gedreht.
INHALT
Marie (Charlotte Rampling, 55) wacht am Strand aus einem Nickerchen auf, aber ihr Mann Jean (Bruno Cremer, 72) ist verschwunden. Er wird trotz intensiven Bemühungen nicht gefunden, und Marie kehrt in ihr gewohntes Leben als Englisch-Dozentin in Paris zurück. Doch Jean ist noch bei ihr. Sie sieht ihn, sie spricht mit ihm, sie lebt mit ihm - die Freunde machen sich Sorgen.
Irgendwann scheint sie selbst Initiative ergreifen zu wollen, beginnt eine Affäre mit einem anderen Mann - doch er ist mit Jean nicht zu vergleichen, wie sie findet. Als eine Leiche gefunden wird, die auf Jeans Beschreibung passen könnte, muss Marie die Entscheidung treffen, ob sie sich den Tod ihres Mannes eingesteht ...
Doch natürlich ist mit einer solchen Entscheidung auch die existenzielle Frage verbunden, ob man das Leben mit der Erinnerung beendet oder die Kraft und den den Willen besitzt, eine neue Phase zu beginnen.
Ein beklemmender, aber auch berührender Film in der besten Tradition des französichen Kinos über ein Thema, das wohl jeden von uns betrifft. Die Konzentration auf ein einziges Thema, die Ruhe, mit der die Ereignisse und die Entwicklung Maries gezeigt werden, tun dem Ergebnis wohl.
Vermutlich geht es vielen so, dass sie sich am Ende fragen: "War das nun alles?" Diese Frage beschäftigt ja auch die Dozentin in ihrem bevorzugten Gedicht: "What is lost? What is over?" Es ist die Frage, die am Ende des Lebens steht - wenn nichts bleibt außer der Unvergänglichkeit der eigenen Liebe.
TECHNIK & AUSSTATTUNG
Der SD-Transfer im Originalformat 1,85:1 bietet ein ordentliches Bild und einen guten Ton, kann aber natürlich am relativ starken Rauschen und der Körnigkeit des empfindlichen Filmmaterials nichts ändern - insbesondere, da teilweise auf 16 mm gedreht worden ist. Das ist angesichts der sorgfältigen und kongenialen Kamera ausgesprochen schade.
An Extras bietet die DVD drei Kurzfilme: "Mes parents un jour d`été", "Les doights dans la ventre" und "Photo de famille".
jury 3* A0601 14.8.2011e 12A