Gisa Klönnes zweiter Kriminalroman "Unter dem Eis" spielt im Hochsommer. Und vielleicht kann man überhaupt nur darum diese ungeheuer kalte und beklemmende Geschichte aushalten! Gisa Klönne hat einen jener seltenen Kriminalromane geschrieben, in denen alles stimmt -- wahrhaft eine Perle in einem großen Haufen Mist!
Sie verbindet geschickt verschiedene Handlungsstränge und tut das, was jeder gute Kriminalroman tun sollte: Ihre Geschichte öffnet den Blick für ein Alltagsproblem unserer Wohlstandsgesellschaft. Ohne falsches Betroffenheits-Pathos, dafür umso sensibler schildert sie in diesem Roman die Nöte eines jugendlichen Mobbingopfers, dessen einziger Freund und quasi dessen persönliches Schutzschild verschwunden ist.
Judith Krieger, die Kriminalkommissarin, die nach ihrem Misserfolg im ersten Krimi nun eine Auszeit genommen hat, hat jedoch ein anderes Problem: Ein alter Schulfreund bittet sie, eine verschwundene, frühere Schulkameradin zu suchen. Und Judith hat noch etwas an Charlotte gut zu machen, denn auch sie war ein Mobbingopfer. Die Spuren, die sie verfolgt, führen in die Einsamkeit Kanadas. Währenddessen versucht sich ihr Kollege Manni Korzilius zu rehabilitieren. Johnny bleibt verschwunden und nur sein Dackel taucht vierzig Kilometer vor Köln, in Frimmersdorf, grausam zu Tode gekommen, wieder auf. Und Tim, Johnnys Freund, bekommt nun die ganze Härte seiner ihn quälenden Mitschüler zu spüren...
Spannend, sehr nah an den handelnden Figuren und sprachlich überzeugend, spinnt Gisa Klönne ein vielschichtiges Netz. Der Leser tappt lange im Dunkeln und bekommt schließlich ein schlüssiges und doch überraschendes Ende präsentiert, dass tragisch und versöhnlich zugleich ist.
Ein wirklich starker Kriminalroman mit aktuellen Bezügen und traurigen Wahrheiten!