Fast 60 Jahre ist dieser Thriller bereits alt, aber das Buch wirkt wie eben erst geschrieben. Bei anderen Autoren merkt man sonst an Details wie Autos oder Telefonen das Alter von Geschichten. Aber Autor Ross MacDonald konzentriert sich auf seine Figuren und auf seine Geschichte - und so ist sein Thriller frisch und jung geblieben, auch die Sprache!
Im Mittelpunkt steht der Privatdetektiv Lew Archer. Er wird engagiert, einen anonymen Briefschreiber zu entlarven. Während seiner Ermittlungen wird er immer mehr in eine Geschichte hineingezogen, die weit in die Vergangenheit reicht. Der Vergleich mit einem Eisberg fällt einem ein, bei dem der größte Teil zunächst unsichtbar unter Wasser liegt. So ist es mit dieser Story: die ganzen Ausmaße werden aus der Sicht Lew Archers erzählt - und erst nach und nach sichtbar.
Ross MacDonald erspart seinen Figuren kaum etwas, vor allem seine Hauptfigur, Detektiv Lew Archer, muss bei seinen Ermittlungen eine Menge Schmerzen aushalten. Es gibt unzählige überraschende, aber glaubwürdige (!) Wendungen, durch die man die Geschichte gespannt verfolgt. Dazu kommen so gut skizzierte Beschreibungen seiner Figuren, dass man von jeder Figur ein Bild im Kopf hat: z.B. "winzige Fingernägel schimmerten wie Glimmersplitter an den Spitzen seiner weißen, dicken Finger. Die Finger krochen durch seine rötlichen Locken".
Genial und teilweise witzig sind auch die Dialoge. Der Gegner hat Archer in seiner Gewalt. Archer hört ihm zu und sagt schließlich: "Ihre Erinnerungen faszinieren mich. Darf ich mir Notizen machen?"
1975 ist dieser Thriller mit Paul Newman in der Hauptfigur verfilmt worden (
Unter Wasser stirbt man nicht). Neben einem weiteren Spielfilm ('Harper') und einer 6-teiligen Miniserie sind das (seltsamerweise) die einzigen Verfilmungen von Werken MacDonalds.
Am Ehesten ist dieser Thriller vergleichbar mit den Travis McGee-Büchern von John D. MacDonald (u.a.
Rotbuch Taschenbücher, Leidenschaft in Rot,
Abschied in Dunkelblau. oder
Alptraum in Pink.. Um eine Verwechslung mit John D. MacDonald zu vermeiden, hatte Ross MacDonald sein Pseudonym gewechselt: von Kenneth Millar, wie er eigentlich hieß, zu John MacDonald und eben zu Ross MacDonald.
Dashiell Hammett und Raymond Chandler sind zwei weitere Autoren, deren Werke Ähnlichkeit mit dem Stil Ross MacDonalds haben. James Ellroy nennt ihn eines seiner Vorbilder.
Ich werde jedenfalls auch die anderen Lew Archer-Romane kaufen, so lange sie noch lieferbar sind!