Reinhard Erös war vor seiner Ruhestandsversetzung Militärarzt bei der Bundeswehr und hat besonders die Lage und die Situation am Hindukusch damals mitbekommen. Diese Erfahrungen haben ihm große Dienste geleistet für das umfangreiche Hilfsprojekt in Afghanistan, von dem er in dem vorliegenden Buch berichtet.
Die Verbundenheit der Familie Erös mit dem Gebiet um den Kyber-Pass hat Tradition. Schon vor zwanzig Jahren behandelte der damalige Militärarzt während des sowjetisch-afghanischen Krieges während eines unbezahlten Urlaubs Tausende von Menschen, während seine Frau in Peschawar eine Schule für Flüchtlingskinder aufbaute. Daraus entstanden Beziehungen und nach dem 11. September 2001 baute Reinhard Erös, nun im Ruhestand ein freier und unabhängiger Mann zusammen mit seiner ganzen Familie ein beispielloses Hilfsprojekt auf, durch das innerhalb weniger Jahre über 25 moderne "Friedensschulen" errichtet werden konnten, die für Erös den Gegensatz und die einzige Alternative darstellen zu den primitiven Koranschulen der Islamisten, die immer nur weiteren Terror züchten.
Mutter - Kind - Kliniken, Waisenhäuser und Schulen, in denen die Menschen lernen mit Computern umzugehen, sind weitere Projekte seiner Familieninitiative, die den Menschen helfen will, ihren Weg ins 21. Jahrhundert zu finden ohne Terror.
Erös scheut dabei nicht Kontakte zu "Taliban, Warlords und Drogenbaronen", ja im Gegenteil, er berichtet in dem vorliegenden Buch immer wieder davon, mit welchem Respekt und welcher Wertschätzung er von diesen Führern behandelt wird.
Seine "Kinderhilfe Afghanistan" arbeitet nicht nur im Norden wie etwa die Bundeswehr, sondern auch und gerade im umkämpften Süden. Bildung, Bildung, Bildung, ist ihre Maxime, denn, so Erös, mit entsprechender Bildung sind die Kinder nicht so anfällig für radikale Thesen und Aktionen. Er hat also eine langfristige Perspektive, die, anders als etwa die afghanische Regierung, der dezentralen und stammesmäßig organisierten Struktur des Landes Rechnung trägt. Erös lässt in seinem Buch gerade diese Menschen in den Dörfern zu Wort kommen und nicht die Spitzenpolitiker und die Eliten in Kabul. Die Fokussierung auch der internationalen Gemeinschaft auf Kabul kritisiert er auch scharf. "Das tut sie nicht nur politisch, das tut sie auch wirtschaftlich. Und das ist falsch. Seit Beginn der neuen Zeit in Afghanistan, also seit dem Sturz der Taliban im Winter 2001/2002 flossen über 95% der Gelder für den Wiederaufbau Afghanistans ausschließlich nach Kabul. Aber die meisten Menschen leben nicht in Kabul, sondern in den Dörfern."
So wie Reinhard Erös bei seinen zahllosen Vorträgen in Deutschland von seinen Projekten erzählt, mit plastischer und lebhafter Sprache ohne Punkt und Komma, so hat er auch sein Buch geschrieben. Er berichtet über Erlebnisse und Begebenheiten, legt aber keine wirkliche Analyse der Lage in Afghanistan vor. Das sei auch nicht seine Sache, hat er einmal gesagt. Er ist parteiisch, und so schreibt er auch. Parteiisch für die Menschen in Afghanistan. Er berichtet etwa, dass die Schulen die er mit afghanischen Unternehmern und Arbeitnehmern gebaut und eingerichtet hat, auch vor Angriffen der Taliban verschont blieben. "Es ist für diese Schulen ein Schutz, dass die Menschen diese als ihre Schulen verstehen", daran, so Erös, vergreifen sich die Taliban - Kämpfer nicht. Er kritisiert mit scharfen Worten die ausschließliche Konzentration des Westens auf das Militär. "Und selbst wenn ich die Gelder für den zivilen Aufbau mir anschaue, z. Bsp. die deutschen Gelder, die das Entwicklungshilfeministerium oder das Außenministerium nach Afghanistan transferiert hat, dann stelle ich fest, dass von den Geldern, die dorthin gegangen sind, 70-80% nirgends angekommen sind, außer in den Taschen korrupter Politiker."
Erös trinkt "mit den Teufeln Tee"; er spricht mit den Taliban und den Warlords und er plädiert vehement dafür, jeden verfügbaren Dollar oder Euro in den zivilen Wiederaufbau zu stecken, denn das Land und seine Menschen sind ein großes Kapital, das nur aktiviert werden muss.
Und, so seine conclusio, nur kleine Organisationen wie seine können das gut, besser und schneller als die schwerfälligen staatlich organisierten Hilfen.
Viel Werbung also birgt das Buch für die eigene Sache, verständlich, aber auch erstaunliche Einsichten auf die andere Seite der Medaille. So einfach, wie wir uns hier im friedlichen Europa die Lage dort vorgestellt haben, ist die Sache eben nicht. Dennoch befremdete mich beim Lesen zeitweise die Vorstellung, wie Erös da friedlich beim Tee mit Terroristen und Mördern zusammensitzt und für seine Projekte wirbt. Vielleicht geht ja die wirkliche Veränderung nur so, dass man die böse Sache mit Gutem von innen her aufweicht. Hat nicht Jesus von Nazareth Ähnliches gepredigt?
Das Buch ist eine hervorragende Ergänzung und auch Berichtigung der offiziellen Berichterstattung über ein Land, dass viele schon verloren geben und das Barack Obama zum zentralen Projekt seiner Präsidentschaft gemacht hat. Ob er von der Arbeit von Reinhard Erös etwas weiß? Oder wird auch er nur auf militärische Gewalt setzen?