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Unter dem Sternbild der Trauer
 
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Unter dem Sternbild der Trauer [Taschenbuch]

Juri Rytcheu , Charlotte Kossuth , Leonhard Kossuth
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 248 Seiten
  • Verlag: Unionsverlag; Auflage: 2., Aufl. (1. Februar 1997)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3293200850
  • ISBN-13: 978-3293200852
  • Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 11,6 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 575.939 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Dicht am Polarstern glitzern im Sternbild der Trauer jene Sterne, die aus den Seelen der Toten hervorgegangen sind. Dort sieht der Schamane Analko auch seinen Sohn Atun, der ein Opfer der Umwälzungen geworden ist, die über die Bewohner der Wrangel-Insel hereingebrochen sind.
Den Stoff zu diesem Roman schöpfte Juri Rytchëu aus zwei Quellen: den Erzählungen seiner Stammesgenossen und aus den Akten eines damals Aufsehen erregenden Moskauer Prozesses.

Über den Autor

Juri Rytchëu wurde 1930 als Sohn eines Jägers in der Siedlung Uëlen auf der Tschuktschenhalbinsel im äußersten Nordosten Sibiriens geboren. Der erste Schriftsteller dieses Volkes mit zwölftausend Menschen wurde mit seinen Romanen und Erzählungen zu einem berufenen Zeugen einer bedrohten Kultur und eines vergessenen Volkes. Juri Rytchëu starb 2008 in St. Petersburg.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Es ist ein Buch aus der Ferne, aus gar nicht so ferner Zeit. Schauplatz ist die Wrangel-Insel im äußersten Nordosten Sibiriens zur Stalinzeit. 1934 bricht eine sowjetische Forschergruppe zu diesem Außenposten des Sowjetreiches auf, um auch in dieser Region die Segnungen von Zivilisation und Bolschewismus nahezubringen. Nur ist diese Eiswüste keineswegs unbewohnt, sondern die Ureinwohner, die Tschuktschen, leben dort in ihrer eigenen Kultur und Werteordnung, Werte, die mit den Utopien der Stalinisten nur schwer in Einklang zu bringen sind.
Dies ist der Hintergrund von Juri Rytcheus Erzählung, dem ersten Schriftstelle dieses Eskimovolkes von 12000 Menschen, der über seinen eigenen Kulturkreis hinaus Bekanntheit erlangt hat. Rytcheus Kunstgriff bei "Unter dem Sternenbild der Trauer" besteht in der gelungenen Verschmelzung tatsächlicher Begebenheiten und einer erdachten Erzählhandlung, die später nicht mehr zu trennen sind. Rytcheu bezieht seine Quellen sowohl aus den Akten eines seinerzeit aufsehenerregenden Moskauer Prozesses des Jahres 1936 als auch aus den Legenden der Tschuktschen selbst.
Für sie bedeutet die Ankunft des neuen Expeditionsleiter Sementschuk und seiner Crew insofern eine einschneidende Änderung, als der neue "Herr der Insel", anders als seine beiden Vorgänger, ignorant, voreingenommen und überheblich seinen Dienst versieht und die Eskimos eher der Tierwelt Sibiriens als der Menschheit zuschlägt, insbesondere diejenigen, die den bolschewistischen Vorstellungen skeptisch oder ablehnend gegenüberstehen. So finden der Schamane Analko und sein Sohn Atun, im Einklang mit der Natur und ihren Traditionen lebend, keine Basis für ein Miteinander mit Stationschef Sementschuk, der sich mehr und mehr wie ein kleiner Zar aufführt und mit seinen eigensüchtigen Entscheidungen bald die Existenz der Ureinwohner zu bedrohen beginnt. In diese geladene Atmospähre gerät der jüdische Expeditionsarzt Wulfson, der seine Arbeit im Expeditionsteam als wissenschaftlichen Forschungsauftrag begreift und der tschuktschischen Kultur zumindest Interesse entgegenbringt, wenngleich er vieles für atavistisch hält und aus ganzer Überzeugung ablehnt. So wird der Doktor zu einem doppelten Außenseiter, dem die Tschuktschen mit Misstrauen, die Russen mit Ablehnung begegnen. Vollkommen unfreiwillig und ohne es überhaupt zu bemerken wird er als tragische Figur zum Katalysator eskalierender Ereignisse.
Analko sieht das Unheil, das über die Insel hereinbrechen wird, voraus, doch er hat weder die Macht noch die Mittel, an diesem Schicksal etwas zu ändern. Nicht zuletzt sein eigener Sohn Atun, der im Spannungsfeld zwischen Tradition und Materialismus zerbrechen wird, wird zum Opfer des Zusammenpralls zweier Kulturen, die letztlich unvereinbar bleiben. Unmittelbar neben dem Polarstern funkelt das Sternenbild der Trauer, in dem jeder Stern aus der Seele eines Toten entstanden ist. Analko wird dort den Stern seines Sohnes sehen, lange bevor über dessen Schicksal tatsächlich letzte Klarheit besteht.
Juri Rytcheu hat mit "Unter dem Sternenbild der Trauer"; zum einen ein bemerkenswertes Buch über sein Volk geschrieben, das uns Westeuropäern fremd und unbekannt ist, zum anderen bietet er eine prägnante Momentaufnahme der Stalinzeit aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Dabei folgt er dem Fluss einer Erzählung, ohne zu moralisieren oder Position für die eine oder andere Seite zu beziehen. Dennoch durchziehen seine Erzählung eine tiefe Traurigkeit und das Gefühl eines unwiederbringlichen Verlustes. Indem er beim Leser diese Stimmungen weckt, ohne sie mit Worten offensichtlich zu benennen, erweist sich der 1930 als Sohn eines Jägers in der Siedlung Uelen auf der Tschuktschenhalbinsel geborene Rytcheu als Meister seines Faches und zugleich als Stimme einer vom Untergang bedrohten und in Vergessenheit geratenen Kultur.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Arktische Legende 9. Dezember 2007
Der Schriftsteller Juri Rytcheu, auf der Tschuktschenhalbinsel in Sibirien als Sohn eines Jägers geboren, wuchs noch mit den alten Bräuchen seines Küsten-und Nomadenvolkes auf. Mit 16 Jahren ging er zum Studium der Philologie ins weit entfernte Leningrad. Rytcheu wurde zum populären Sowjetautor, dessen Werke wie "Teryky", "Traum im Nebel" oder "Wenn die Wale ziehen" in viele Sprachen übersetzt wurden. In seinen Büchern berichtet er vom Zusammenprall seines Volkes mit der "Zivilisation" und den verheerenden Folgen für das Leben der Urbevölkerung.

Den Stoff für seinen Roman "Unter dem Sternbild der Trauer" hat Rytcheu den Akten eines Moskauer Prozesses (1936) und den Erzählungen seiner Stammesgenossen entnommen.

Der Russe Sementschuk übernimmt 1934 die Leitung der Polarstation. Schnell stellt sich heraus, daß er unfähig ist - ein Karrierist und Angstbeißer, der mit aufgesetztem Machtgehabe von seiner Unsicherheit und Inkompetenz ablenken will. Der Biologe Wakulenko, ein versoffener Rassist, dem Walrosse wichtiger sind als Menschen, bestärkt ihn in seiner inhumanen Amtsführung. Die Eskimos haben sich in eine gefährliche Abhängigkeit von den Russen begeben, für die sie arbeiten.

Als Sementschuk verhindert, daß sie rehtzeitig auf Walroßfang ausfahren können, ist die Katastrophe programmiert. Sie müssen eine arge Hungersnot erleiden, zumal ihnen von den Russen trotz wohlgefüllter Lebensmittellager keine Nahrung überlassen wird. Einzig der jüdische Stationsarzt Dr. Wulfson und seine Frau leisten Widerstand gegen die Machenschaften von Sementschuk und Wakulenko. Da der Arzt jedoch das Mißtrauen der Ureinwohner nicht überwinden kann, nimmt das tragische Geschehen seinen Lauf. Es endet mit Mord, Selbstmord, Hinrichtungen...

Es lohnt sehr, Rytcheu für sich zu entdecken. Nicht nur die zahlreichen Informationen über Sitten, Gebräuche, Denk-, Fühl- und Lebensweise der fast vergessenen Völker aus dem hohen Nordosten sind ein Gewinn. Besonders einprägsam ist Rytcheus besonnener, ruhiger Sprachton bei aller Spannung des Stoffes.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Intrigen in der Arktis 12. September 2002
Von "maisi"
Das auf einer wahren Begebenheit basierende Buch war sehr kurzweilig zu lesen. Das Thema hat mich an "Land jenseits der Stimmen" erinnert. Eine Expedition, ein russisches Forscherteam lässt sich 1934 auf der Wrangel-Insel im hohen Nordosten Sibiriens in der Nachbarschaft von Eskimos und Tschuktschen nieder. Die Auswirkungen sind verheerend - jedenfalls unter dem neuen Expeditionsleiter Sementschuk, der die Inuit im Tiefsten seines Herzens verachtet und keinesfalls meint, dass man von ihrer Lebensweise lernen kann - und dies, obwohl offiziell alle Sowjet-Bürger seit 17 Jahren völlig "gleich" gestellt sind ... Außerdem gerät die Polarstation unter seiner unwürdigen Leitung aus den Fugen, die Arbeit wird vernachlässigt, die Disziplin lässt zu wünschen übrig. Die Inuit werden zur entscheidenden Jagdzeit aus reiner Unwissenheit und Herrschaftssucht an der Jagd gehindert und müssen aufgrund dessen im darauffolgenden Winter fast verhungern.
Der Außenseiter Dr. Wulfson vertritt noch die liberalsten Ansichten und wagt so manchen Widerspruch, obwohl auch er den Schamanismus der Inuit nicht ernst nimmt und das langfristige Ziel sein muss, die Eingeborenen "zu erziehen". Er jedenfalls ist Jude und den Expeditionsleitern aufgrund seiner Aufmüpfigkeit ein Dorn im Auge. Der Chef der Truppe deutet einem Mitarbeiter an, den Doktor, der selber kein erfahrener Hundeschlittenfahrer ist, doch auf einer Schlittenfahrt "zu verlieren". Dadurch kommt dieser in der Folge tatsächlich ums Leben, auch wenn ihn letztlich der junge Schamane Atun umgebracht hat, der im Laufe der Zeit einen unbändigen Zorn gegen die weißen Machthaber entwickelt und letztlich auf den Doktor projeziert hat.
Am Ende kommt es zu einem Aufsehen erregenden Prozess in Moskau, dessen Ausgang hier nicht verraten werden soll...
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