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5.0 von 5 Sternen
Präzise Blicke auf die menschliche (Innen-)Welt, 28. März 2006
Rezension bezieht sich auf: Unter der Sonne. (Taschenbuch)
Das erste Buch, was ich von Kehlmann las, und es wird nicht das letzte sein. Sind Kurzgeschichten eigentlich noch in? Sie sind auf jeden Fall sehr lesenswert. Sie gehen unter die Haut, weil Kehlmann es versteht einen beim Lesen zur Person des Helden werden zu lassen. Es sind eigentlich keine Helden, es sind einfache Menschen. Gescheiterte Existenzen, armselige Arbeiter, Angestellte und Malocher - Menschen ohne Perspektiven, die sich ihre eigenen Bilder, ihre eigenen Welten schaffen. Und sich dann in diesen finden wollen und dann doch nur verlieren. Die Geschichten sind tragisch, wir betrachten Verlierer und Verlorene. Aber ihr (Er-)Leben ist absolut lesenswert, nicht nur weil Kehlmann auf wunderbare Art und Weise Menschliches zu beschreiben vermag, sondern weil er es dabei schafft Gerüche und Temperaturen buchstäblich fühlbar zu machen. Man fühlt bei "Unter der Sonne" die Hitze heißer Sommertage, spürt im "Schnee" den Schnee im Gesicht. Trotz der traurigen Gestalten sind es einfach faszinierende Bilder, die wie in einem Film an einem vorüberziehen. Es bißchen meint man bisweilen Roald Dahl oder Wolfgang Borcherts zu lesen, aber das schadet nichts. Kehlmann schafft eben solche pointierten Bilder, die auch mit ihrem Sarkasmus, schwarzen Humor und der Aussichtslosigkeit an große Namen erinnern.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
traurige Würde, 4. November 2009
Diese acht Erzählungen haben mir gut gefallen. Kehlmann beschreibt unprätentiös und gleichzeitig einfühlsam die eigentlich banalen Erkenntnisse und Erlebnisse von nicht besonders glücklichen Menschen. Als Leser findet man sich schnell in diesen Miniwelten zurecht und kann (bzw. muss) die Position des Beschriebenen einnehmen. Nicht immer wird das den Leser glücklich machen, aber darum geht es ja gerade nicht. Es ist eher das Ziel dieser Sammlung, auch die traurigen Helden in ihrer Würde erfahrbar zu machen. Und das ist Daniel Kehlmann, wie ich finde, wirklich sehr gut gelungen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Vierfaches Hörvergnügen, 10. April 2010
Daniel Kehlmann wird als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Gegenwartsautoren bezeichnet. Kehlmann hat eine Reihe von Literaturpreisen erhalten, seine "Vermessung der Welt" wurde in über 40 Sprachen übersetzt. Da liegt die Messlatte bei jedem neuen Werk naturgemäß hoch - und mancher Autor ist an ihr gescheitert.
Der Erzählband "Unter der Sonne" stammt bereits aus dem Jahre 1998 und ist Kehlmanns zweite literarische Veröffentlichung. Die FAZ schrieb seinerzeit nach dem Erscheinen: "Der eigentliche Prüfstein für einen gut gestarteten Schriftsteller pflegt sein zweiter Roman zu sein."
Damals, gerade 22 Jahre, doch unverkennbar schon hier in literarischen Miniaturen sein "Sujet" abgründiger Geschichten und seine stets subtile Ironie. Man spürt bereits in diesem frühen Werk die Fingerübungen für das, was dann später in Romanform erscheinen wird. Leichte Parallelen und Anlehnungen sind erkennbar ("Unter der Sonne" - "Ich und Kaminski"). Komik und Katastrophe liegen oft dicht beieinander.
Was Kehlmann wohltuend von manch anderem Jungautoren unterscheidet, ist nicht nur sein unverkennbarer Erzählstil, sondern vor allem auch sein profunder Hintergrund, der es ihm erlaubt, seine Texte auf unterhaltsamste Weise auch philosophisch mitklingen zu lassen.
Ein schöne Idee des HörbuchHamburg Verlags, zumindest vier der Erzählungen nun von vier Sprechern inklusive Autor gekürzt lesen zu lassen:
- Unter der Sonne - Burghart Klaußner
- Kritik - Ulrich Pleitgen
- Töten - Matthias Brandt
- Schnee - Daniel Kehlmann
Am besten gefallen mir "Unter der Sonne" als Annäherungen eines Literaturwissenschaftlers an den von ihm bewunderten Großschriftsteller Bonvard und "Kritik", in dem Schauspieler Wagenbach im Flugzeug von einem Mitreisenden nach Strich und Faden als Künstler dekonstruiert wird.
Fazit: Ein in jeder Hinsicht großes literarisches Hörvergnügen.
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