Aus der Amazon.de-Redaktion
Nach dem großen Erfolg von Stephen Lundins
Fish! machen nun B.J. Gallagher und Warren H. Schmidt allen unzufriedenen Berufstätigen mit
Unter Pinguinen Mut. Knochentrockene Ratgeber über Führungsstile gibt es viele. Sie sind sicher informationsgeladen, aber nicht so eingängig wie diese schöne und lehhreiche Fabel mit den vielen Schlagworten und den hübschen Schwarzweiß-Zeichnungen.
Unter Pinguinen entführt den Leser in die Welt der unterkühlten Pinguine, in der alles seine Ordnung hat und exotische Vögel es schwer haben. Die Autoren kritisieren starre, unflexible, stark hierarchische Systeme. Allerdings auf die sanfte Tour, die nicht verletzt. Arbeitnehmer, die unter dem Zwang zur Konformität leiden, könnten ihren Vorgesetzten dieses Buch schenken. Wem das zu riskant ist, nimmt die Ratschläge im hinteren Teil des Bandes an und verwertet sie für sich. Denn bei aller Komik über die Gleichmacherei der Pinguine, auch in jedem Paradiesvogel steckt ein klitzekleiner Pinguin. Insofern wird nicht polarisiert -- der Pinguin ist schlecht, der Pfau gut --, sondern realistisch nach Fehlern beider Parteien und deren Konditionierung gesucht. So werden beide Seiten -- Pinguinpartei und bunte Vogelfraktion -- sich angesprochen fühlen.
Auch wer immer am selben Platz sitzt und ähnliche Wiederholungen vornimmt, hat bereits ein Pinguin-Element verinnerlicht. Jeder Leser kann mithilfe eines Fragenkatalogs überprüfen, ob er Gefahr läuft, sich zu einem ganzen Pinguin zu entwickeln. Denn zu viel Konformismus behindert die Innovationsfreundlichkeit eines Unternehmens. Veränderungen sind zwar oft schwierig und unwägbar und sorgen für Verunsicherung, bergen aber auch große Chancen. Insofern ist das Buch vor allem ein Plädoyer für mehr Offenheit, Vielfalt, Freiheit, Akzeptanz und Kreativität am Arbeitsplatz. --Corinna S. Heyn
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Was ist eigentlich mit diesen Wirtschaftsbüchern los? Dass es eine Gegenbewegung gegen die dicken, fast unlesbaren Wälzer geben musste, war klar. Sie durchackern zu müssen hatte höchstens für Masochisten seinen Reiz. Doch inzwischen kennt der Markt kein Halten mehr. Wirtschaftsbücher werden immer unterhaltsamer. Immer schmalziger. Und immer kürzer. Mit
Unter Pinguinen ist ein vorläufiger Höhepunkt erreicht. Es ist eine Fabel mit Comic-Elementen, ein Bilderbuch für Manager. Liegt das an der Aufmerksamkeitsspanne moderner Führungskräfte, die mit MTV aufgewachsen sind? Kann man nach einem harten Arbeitstag einfach nichts anderes mehr verkraften? Oder lieben Akademiker einfach nur Cartoons?
Nach dem ersten Schock muss man zugeben: Das Buch ist nett. Es hat Charme und gelegentlich hintergründigen Witz. Und natürlich eine Botschaft. Es erzählt von der Spannung zwischen Individualität und Konformität in rigiden Unternehmensstrukturen.
Die Story: Perry der Pfau, in seinem eigenen Land ein höchst erfolgreiches Tier, beginnt im Pinguinland zu arbeiten. Dort herrschen strenge Sitten, und jeder, der sich nicht benimmt wie Pinguine es tun und schon immer getan haben, hat schlechte Karten. Und natürlich ist es auch kein Vorteil, nicht wie ein Pinguin auszusehen. Perry bekommt also Probleme. Er erregt Anstoß, und seine Leistungen werden nicht mehr wirklich geschätzt. Offiziell sind neue Ideen zwar willkommen, aber im Grunde sind sie unbequem und unerwünscht. Der arme Pfau versucht sich anzupassen. Aber er stößt schnell an die Grenzen, denn er will noch er selbst bleiben. Schließlich gibt er auf und verlässt die ungastlichen Gefilde. Eine traurige Geschichte, und scharfe Kritik an der Unternehmenskultur vieler großer Unternehmen.
Gallagher und Schmidt belassen es aber nicht bei der Fabel. Denn aus ihr kann man noch keine Anhaltspunkte ziehen, wie man es besser machen könnte, sondern höchstens ein Stück Selbsterkenntnis - das ist vielleicht die Hauptfunktion des Textes. Dennoch ist es gut, dass die Autoren im Nachwort unter dem Titel "Erste Hilfe für gefiederte Freunde" noch ein paar konkrete Hilfestellungen nachliefern. Denn das Leben im Pinguinland muss ganz und gar nicht frostig sein. Effektive Zusammenarbeit in der Vielfalt - das ist das Zauberwort. Neben der spielerischen Selbsterkenntnis hat Unter Pinguinen natürlich auch einen anderen Vorteil: Sein Titel ist so neutral formuliert, dass man es Mitarbeitern oder Chefs zwecks Lerneffekt in die Hand drücken kann, ohne dass denen gleich der Hals anschwillt. Sie werden höchstens beim ersten Blick ins Buch die Augenbrauen hochziehen. Aber wie gesagt: nur beim ersten Blick.
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