"Unter Haien" sei ein spannender und guter Thriller, zeigt sich die Autorin im Vorwort überzeugt. Wie schön, dass sie das erwähnt, beim Lesen hätte ich es nicht bemerkt. Handlung, Personen und Sprache sind für eine Bestseller-Autorin schlichtweg schwach. Das Buch bleibt weit hinter den hohen Erwartungen zurück, die Verfasserin und Verlag wecken.
Die Handlung in dieser unrealistischen Geschichte ist nicht stimmig. Unerwartete Wendungen wirken eher unausgegoren als dass sie wirkliche Spannung erzeugen. Die unglaubwürdigen, schwarz-weiß gezeichneten Personen lassen kaum ein Klischee aus. Recht gerne macht die eine oder andere eine Läuterung durch, so ganz plausibel sind diese 180-Grad-Wendungen allerdings nicht. Immer wenn Verhaltensweisen besonders unschlüssig sind, trägt die Autorin eine gehörige Portion sprachliches Schmalz zusätzlich auf. Die an Groschenromane erinnernde Sprache ist schon ärgerlich. Wobei manche Passagen so schwülstig, banal oder larmoyant geraten sind, dass sie schon fast wieder einer Satire nahekommen.
Die toughe Heldin ist natürlich bildschön, blond (wie die Autorin), passionierte Reiterin (wie die Autorin), extrem erfolgreich, hoch intelligent, höchst beliebt und verehrt und scheint zudem fast ohne Schlaf auszukommen: Neben einer 80-Stunden-Woche hat sie Zeit für Wochenenden auf dem Land, Feiern, Spontanreisen, wechselnde Liebhaber und muss - so wie sie sich in manchen Szenen präsentiert - ausgiebig an ihrer Fitness arbeiten. Selbst in schlechtester körperlicher Verfassung kann sie sich an einem Oberlicht hochziehen, an das sie gerade so mit den Fingerspitzen heranreicht - Respekt. Bei all der Aufregung klopft ihr Herz mal "aufgeregt", mal macht es "einen glücklichen, wilden Satz", dann wieder "kriecht Angst wie Eis durch ihre Adern", bis es dem genervten Leser die Zehennägel aufrollt.