Im Fußball würde man sagen: Lottmann geht dorthin, wo es wehtut. Im Alleingang versuchte er in den 90er Jahren die
Deutsche Einheit zu vollenden. Danach, als beinahe 50-Jähriger, stürzte er sich - ohne Scheu vor der Blamage - in die Niederungen des Nachtlebens, um
Die Jugend von heute zu verstehen. Und es sollte noch tiefer gehen:
Der Geldkomplex beschrieb brutalstmöglich komisch seine Verelendung inmitten in einer Überflussgesellschaft. Sein aktueller Selbstversuch hat ihn unter Ärzte, genauer gesagt: unter Therapeuten, geführt (inkl. eines Selbstfindungs-Abstechers nach Indien). Das Ganze ist wie immer Joachim Lottmann / Johannes Lohmer (sein Alter Ego) pur: ein einziger Redeflash der Art "Und dann ist das passiert, und dann ist das noch passiert, und dann ist das noch passiert, und..." Leider dauert es diesmal etwas länger, um sich von Lottmanns Laberfluss treiben zu lassen. Doch plötzlich, im 4. Teil (ab Seite 189), läuft er zu Hochform auf, haut einem die Lebensweisheiten nur so um die Ohren. Und mit einem Mal merkt man: Die ganze Schwätzerei - das Sich-Verlieren-in-banalen-Episödchen - hat System: Lottmann lullt uns Leser ein, wiegt uns in Sicherheit, um dann umso wirkungsvoller aufzutrumpfen. Wir sollten diesen "wirklich bösen" Mann (Rainald Goetz) nicht unterschätzen.