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Unten rum: Die Scham ist nicht vorbei [Taschenbuch]

Claudia Haarmann
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Autorenkommentar

Dr. Ulrike Brandenburg, Sexualwissenschaftlerin, Verfasserin des Vorworts: „Dieses Buch ist Märchen, Frauenbiografie und Wissenschaft zugleich. In außerordentlicher Weise gelingt es der Autorin, den Bogen zwischen aktuellem Wissenschaftsstand über weibliche Sexualität, höchst intimen Frauengeschichten und alten kulturhistorischen Schätzen zu schlagen.“ -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiert .

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Claudia Haarmann, Jahrgang 1951, arbeitete nach Studium und Journalistenausbildung lange bei Hörfunk und Fernsehen. Mittlerweile ist sie ist als Kommunikationstrainerin und Lehrbeauftragte tätig. In ihrer psychotherapeutischen Praxis berät sie Menschen, die ihre Möglichkeiten ausschöpfen und ihrem Leben eine neue Richtung geben wollen.
Claudia Haarmann ist Mutter eines Sohnes und lebt in Essen.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Das ist der Waschlappen für oben – und der ist für unten rum!“ Aha, für ‚unten rum’. Ohne, dass ich meine Mutter fragen muss, weiß ich bereits mit vier Jahren: ‚Unten rum’ ist eine besondere Zone. Aber ab wo fängt das ‚Unten rum’ an? Ab dem Bauchnabel? Oder noch tiefer? Ich habe keine Ahnung, und fragen mag ich nicht. Normalerweise fängt bei mir ‚unten rum’ ab den Knien an, die sind immer dreckig und haben meist eine dicke Kruste zum Knibbeln. Auf jeden Fall ist ‚unten rum’ so schmutzig, dass es für oben rum gefährlich ist. Ich darf also die Waschlappen auf keinen Fall verwechseln. Das ist mir klar, auch ohne dass meine Mutter es sagt. Die Erwachsenen beschäftigt das Thema schwer: „Hast du dich auch ‚unten rum’ gewaschen?“ „Jaa-aa!“

Und Sie? Zu welcher Fraktion gehört Ihre Familie? Die, die ‚unten rum’ sagen – oder hat ihre Familie diese Region ‚da unten’ genannt? Und wie nennen Sie selbst diesen Teil des Körpers?

In den letzten Monaten habe ich unzählige Gespräche mit Frauen und Männern geführt, und immer wenn ich fragte: „Wie nennt ihr sie?“, gab es eine kleine Schrecksekunde. „Ja, was sag ich eigentlich? Muschi?“ Manche registrierten fast erstaunt: „Hm, nee, eigentlich hab ich kein richtiges Wort dafür – wenn, dann ‚da unten’.“ Wenige meiner Gesprächspartnerinnen nennen sie Rose. Oder auch Yoni – das stammt aus dem Sanskrit und bedeutet ‚heiliger Ort’.
Emma, eine Frau aus dem Ruhrgebiet, beantwortet die Frage pragmatisch: „Wenn ich mit meinem Mann darüber rede, sage ich Vagina. Ich sag ja auch Fuß zu meinem Fuß – und nicht Schnuckel.“ Selbst bei den gebräuchlichen Namensnennungen gibt es mancherorts noch Irritationen, wenn eine Frau mit 24 Jahren denkt, dass Möse eine seltene Fischart sei. Es scheint, als seien wir in dieser Angelegenheit noch nicht wirklich weitergekommen.

Eine handfeste Beziehungsstörung?
Die Vagina. Was weiß ich eigentlich, was wissen wir über sie? Klar: Wir kennen den Liebesakt, wir wissen mal mehr, mal weniger über Orgasmus und Lust, kennen den Vorgang von Zeugung und Geburt. Die meisten Frauen haben Erfahrung damit, wie sich der Solotanz der Lust anfühlt. Manch eine schaut sie auch an – wenn auch nur, um zu sehen, ob der geheime Ort von einem Pilz gerötet ist. Einige wenige schauen sogar in die Vagina hinein. Sie deuten über die Farbe der Schleimhäute, ob es die fruchtbaren Tage sind oder nicht. Aber wirklich anschauen? So wie wir eine Blume anschauen, die wir schön finden, ein Foto, das wir mögen, oder einen Menschen, den wir lieben?

Eine ‚handfeste Beziehungsstörung’ nennt es eine 35-Jährige, und mir scheint, da ist etwas dran. In vielen Gesprächen mit Frauen zwischen 20 und 70 Jahren ist mir deutlich geworden, wie vorsichtig, schambesetzt, manchmal fast ängstlich oder nicht zur Kenntnis nehmend das Verhältnis zu diesem Ort ist. Dieser zarte Ort, der Wohlgefühl, Freude, Lust und Aufgeschlossenheit genauso kennt wie Trauer, Schmerz und Zurückgezogenheit. Der dankbar sein kann und verzweifelt. Dieser weiblichste Teil in uns bleibt bis heute überwiegend namenlos. Nur wenige Frauen haben einen vertrauten, freundlichen oder gar liebevollen Kontakt mit diesem Bereich ihres Körpers. Die Scham ist nicht vorbei.

Der moderne Mensch ist frei und lebt erfüllten Sex. Oder?
Das ist doch erstaunlich. Denn wir leben in einer Zeit, von der gesagt wird: Mehr Freiheit gab es nie! Alles ist heute möglich. Leder, Lack und Peitsche, Sex auf der Parkbank – alles darf sein. Aber wie viel Lust, Leidenschaft und Körperlichkeit, wie viel dieser sexuellen Freiheit können wir wirklich zulassen? Was ist das überhaupt – sexuelle Freiheit? Ist es der Orgasmus? Der One-Night-Stand? Der Besuch in einem Swingerclub? Sind es Sado-Maso-Techniken oder Sex in der Öffentlichkeit?
Vertraut man sich in dieser Frage den Medien an, könnte man meinen: Genau da ist sie zu finden, die Freiheit. Der moderne Mensch ist heiß, überaus aktiv, lebt erfüllten Sex. Gerade Frauen, so heißt es, seien heute frei, enthemmt und selbstbewusst wie nie zuvor. Die Grenzerfahrung, das ist das neue Lebensgefühl. Pornos, Spielzeuge aller Art, Abenteuer im Internet gehören dazu. Aus prominentem Munde hören wir: „Ein Hauch von Perversion ist der Garant andauernder normaler Sexualisierung in Paarbeziehungen“. Volkmar Sigusch muss es wissen, ist er doch einer der Sex-Päpste in Deutschland, und er fügt im Stern hinzu: „Ungewöhnliche ‚schmutzige’ Fantasien und Praktiken sind die Lava, die in die Adern gegossen werden muss, soll die Erregung immer wieder entflammen.“ Klingt gut – oder? Aber wo sind Frauen und Männer mit dem Thema im wirklichen Leben?

„Meine Ehe läuft ohne diese Ekstase. Bei mir gibt es kein Gloria Viktoria, kein Reden wie bei Sex and the City. Wir hatten lange Zeit Probleme damit, dass es überhaupt befriedigend läuft. Manchmal war es wie ein Ringen im Bett, bei dem entweder mein Mann oder ich oder wir beide die Verlierer waren“, höre ich eine 41-Jährige sagen.

Reichen 40 Jahre sexueller Befreiung aus, um uns nach Jahrtausenden sexueller Unterdrückung zu neuen Menschen zu machen? Ist es der Kick, der sexuelle Erfüllung bringt. Ist die Grenzerfahrung Zeichen für ein befreites Leben? Und geht es uns um freien Sex – oder um Freiheit in der Liebe? Mein einfacher Menschenverstand sagt mir: Du gehst an die Grenze, um etwas zu fühlen. Etwas, was du normalerweise nicht fühlen kannst, wonach du aber suchst. Erst durch den Kick, durch das Besondere, spürst du dich. An der Grenze findest du, wonach du dich sehnst. Du fühlst deinen Körper, deine Lebendigkeit, deine Lust. Aber was liegt diesseits der Grenze? Was erleben wir, wenn wir einfach nur sind, ganz normal?

„Kennen Sie denn eine, die keine Probleme hat?“
Zum Friseur geht man, wenn man mal jemanden zum Reden braucht. Manchmal auch, wenn einem die Haare zu Berge stehen. Als meine Friseurin erfährt, dass ich über weibliche Sexualität nachdenke, redet sie: „Kennen Sie denn eine, die keine Probleme hat?“ Dann schöpft sie aus ihrem Informationspool: Es gibt Frauen, die keine Lust auf Sex haben, andere, die gerne wollen – aber ihre Partner sagen nein. Frauen, die sich viel mehr wünschen, aber nicht darüber reden können, die von sich annehmen, nicht orgasmusfähig zu sein, weil sie beim Geschlechtsverkehr nicht zum Höhepunkt kommen, die im Bett so tun ‚als ob’, die beim Sex Schmerzen haben … ich war lange beim Friseur.

Und die Wissenschaft folgt ihren Aussagen. Bei meiner Recherche stoße ich immer wieder auf eine Zahl: Weit über 40 Prozent der Frauen leiden, so heißt es in groß angelegten Befragungen, unter sexuellen ‚Störungen’ oder ‚Dysfunktionen’. „Ich habe einfach keine Lust!“, steht dabei an erster Stelle. Das scheint mir durchaus glaubhaft, denn wer von uns kennt nicht die Phasen, in denen es mit dem Sex eher schlechter als besser läuft. Wer hat keine Freundin, die sich seit Jahren einfach ausgeklinkt hat aus dem Leben mit der Lust. Schwierig dabei sind die Begriffe ‚Störung’ oder ‚Dysfunktion’. Was – oder wer – ist da gestört? Und im Vergleich zu welcher Normalität? Und es stellt sich immer auch die Frage: Wessen Interesse steht bei diesen Studien im Hintergrund? Wird mit dem Begriff der ‚sexuellen Störung’ womöglich ein neues Krankheitsbild geschaffen, mit dem die Pharmakonzerne ihr Feld bestellen? Aber ganz gleich wie hoch die Zahl der Betroffenen ist, auf eines machen diese Studien aufmerksam: Viel zu viele Frauen leben nicht das, was sie sich wünschen.

97 Mal tun es die Deutschen im Schnitt pro Jahr. Sagt die Statistik. 96 Mal bedeutet achtmal im Monat, zweimal die Woche – das zusätzliche eine Mal liegt sicherlich im Wonnemonat Mai. Vermutlich haben viele Frauen eher das Gefühl, die Statistik nach unten zu drücken, als sie zu heben. Übrigens ist die Quelle dieser Statistik eine Untersuchung der Firma Durex, sie stellt Kondome her.

Enthemmt und immer lustvoll?
Unser Körper spricht eine andere Sprache

Der wilde, lustvolle, häufige Sex, von dem so viel die... -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiert .

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