Im Bezug auf eine gewaltige Pseudowissenschaftliche Gemeinde brennt es mir als erstes auf der Seele zu einem kleinen Rundumschlag auszuholen. Wer diesen Teil gerne überspringen möchte, kann sich direkt dem zweiten Abschnitt zuwenden, wo ich schließlich auch noch über das Buch sprechen werde. ;-)
Lange habe ich mich durch Bücherlisten gewühlt um ein Werk zu finden, das meinen Ansprüchen gerecht wird: eine Beschreibung von Seele, Jenseits, etc. aus REIN wissenschaftlichen Gesichtspunkten. Anfangs dachte ich, dass das ja nicht so schwierig sein könnte, da es einen ganzen Haufen von Mathematikern, Physikern, Chemikern und Medizinern gibt, die sich diesem Thema angenommen haben. Nun ja, ich habe inzwischen eine ganze Reihe dazu gelesen und kann es immer noch nicht fassen mit welch haarsträubenden Erklärungen diese so-genannten Wissenschaftler ein Netz aus Widersprüchen aufbauen, was offensichtlich 90% der Leser ohne weiteres Hinterfragen schlucken. Es werden dort Experimente aufgeführt, die weder reproduzierbar sind, noch in einem Rahmen ausgeführt wurden, der keine äußeren Einflüsse zulässt. Das ist unwissenschaftlich! Merkwürdigerweise schließen sich die dortigen Beobachtungen, die daraus gezogenen Schlussfolgerungen und die erbrachten Erklärungen teilweise gegenseitig aus! Niemand scheint es zu bemerken. Der eigene Seelenfrieden scheint im Vordergrund zu stehen. Jeder liest und glaubt das, was er hören will, so dass es ihm anschließend besser geht. Nicht falsch verstehen: Ich will niemanden kritisieren, der dieses Mittel zum Zweck braucht, damit es ihm besser geht! Mich stört lediglich das Wort WISSENSCHAFTLICH das bei solchen Büchern sowohl im Klappentext des Autors, als auch in den Kundenrezensionen zu finden ist. Hier geht es um ESOTERIK - nichts anderes. Wenn jemand ein Kochbuch über die Mittelfränkische Küche verkauft, jeder Kunde schreibt wie toll er doch die dortigen Speisen findet, ich mich darauf verlasse und am Ende ein Büchlein über Arabische Nachspeisen in den Händen halte, dann ist das ein ums andere Mal frustrierend! So. Genug zu diesem Thema.
Wie eben bereits beschrieben (führ die, die bis zum Ende durchgehalten haben), ging es mir darum ein wissenschaftlich fundiertes Buch über ein mögliches Jenseits zu lesen. Die bisher vorhanden Kundenrezensionen zu "Unsterbliches Bewusstsein" ließen jedoch kaum erkennen, ob dieses Werk dem Anspruch "wissenschaftlich" zu sein, gerecht wird. Eine Rezension (Die von FS - bitte ignorieren sie diese oberflächliche Analyse) war sogar unbrauchbar - im Nachhinein muss ich sogar sagen: vollkommen unbrauchbar!
Zurück zum Thema. Ich bin Mathematiker, als solcher auch an der Universität beschäftigt und habe wissenschaftliche Publikationen in internationalen Fachzeitschriften vorzuweisen. Das erwähne ich keinesfalls um mir selbst auf die Schulter zu klopfen. Nein, damit will ich einfach nur zum Ausdruck bringen, dass ich im Stande bin zu entscheiden wann und wo irgendwo wissenschaftlich gearbeitet wurde und wo nicht. Eine solche Rezension hätte mir persönlich SEHR geholfen. Natürlich kann man von keinem, in einem solchen Rahmen (für die breite Öffentlichkeit zugänglich und verständlich) verfassten Sachbuch jemals erwarten, dass es wissenschaftlich ist - dafür gibt es berechtigterweise andere Medien. Aber man kann einen anderen Gradmesser zu Rate ziehen, nämlich den, dass die vorgestellten Theorien in sich schlüssig und widerspruchsfrei sind - zumindest auf dem ersten Blick. Damit erwarte ich nicht, dass sie einer ernsthaften, wissenschaftlichen Untersuchung standhalten müssen, sondern lediglich, dass sie nicht bei dem kleinsten Windhauch in sich zusammenbrechen und zumindest das Potential haben, zu einer richtigen wissenschaftlichen Arbeit ausgebaut zu werden. Wie ein Bauplan - wenn der schon fehlerhaft ist, dann im Allgemeinen auch das, was man daraus errichtet hat.
Mein Gradmesser ist also definiert: die Inhalte des Buches sollen auf den ersten Blick widerspruchsfrei sein und an keiner Stelle darf etwas auftauchen, was theoretisch verhindern würde, dass man das Ganze später auch zu etwas Wissenschaftlichem ausbauen kann.
Um es kurz zu machen: diesem Anspruch wird das Buch leider nur begrenzt gerecht. Immerhin aber besser, als alle anderen Werke, dich ich bisher zu diesem Thema gelesen habe.
Zunächst einmal werden bekannte Phänomene aus der Physik auf einfach verständliche Weise rekapituliert. Soweit kann man kaum einen Fehler machen. Stück für Stück zieht der Autor daraus seine Schlüsse, um eine Theorie aufzubauen, die die Existenz eines Bewusstsein erklären und "beweisen" soll, welches außerhalb unserer Raumzeit existiert. Dieses "Außerhalb der Raumzeit" wird später zum Jenseits umdefiniert und es wird erklärt warum die Theorie nur den Schluss zulässt, dass das Bewusstsein nach dem physischen Tod in diesem Jenseits weiter existiert. Allerdings wird nicht gesagt in welchem Sinne. Wenn nämlich Sedlacek seine Argumentation konsequent zum Ende führen würde, dann käme man eher zu dem Schluss es gäbe eine Fusion der eigenen Seele mit einem Brei aus Information/Energie (das Rasiermesser Kriterium ;-)). Das Individuum geht also verloren. Nicht gerade das, was der gemeine Esoteriker hören will!
Durchatmen liebe Leser, natürlich kann man weder das eine, noch das andere sagen. Es war nur eine persönliche Schlussfolgerungen - und sie war unwissenschaftlich. Auch wenn viele darin möglicherweise ein Fünkchen Logik erkennen konnte.
Mit diesem Einwurf wollte ich lediglich ein Beispiel für die Art der Argumentation bringen, wie man sie in diesem Buch vorfinden wird. Es KÖNNTE sein, dass immer die richtigen Schlussfolgerungen getroffen werden, zumindest erscheinen sie logisch, aber es gibt keinen Grund warum man nun gerade diese Folgerung treffen müsste. In den meisten Fällen stimme ich mit den Argumenten des Autors überein, manchmal habe ich aber auch gegenteilige Ansichten. Wer hätte dann Recht? Wer beurteilt das Ganze neutral von außen? Das geht einfach nicht. So finde ich persönlich - jeder einzelne mag es anders sehen - es unsinnig, dass man aus der Relativitätstheorie + Existenz des Jenseits (inklusive dort gespeicherter Informationen) schließt, dass trotzdem nur die Vergangenheit determiniert ist! Die Zukunft ist und bleibt variabel. Völliger Fehlschluss! Sogar auf Basis der von Sedlacek errichteten Theorie. Entweder sind sowohl Vergangenheit und Zukunft veränderbar (wie Hawking es vertritt) oder beides ist statisch und damit alles determiniert. Aber bitte nicht Vergangenheit und Zukunft als zwei separate Dinge betrachten, wenn man nur ein paar Zeilen zuvor herausgehoben hat, dass die Zeit nach der Relativitätstheorie ganz vom Beobachter abhängig ist und sich quasi gar nicht von den 3 Raumdimensionen unterscheidet. Wer oder was bestimmt denn einen "momentanen Zeitpunkt"? Offensichtlich geht das ja nicht und dementsprechend bricht auch jede Definition von Vergangenheit und Zukunft in sich zusammen. Solche Beispiele könnte ich einige aufführen!
Stattdessen will ich aber lieber noch zwei andere Punkte (ganz kurz) ansprechen:
1. Das was in diesem Buch als 'mathematisches Modell' verkauft werden soll ist etwa so repräsentativ wie eine Zeichnung eines Fünfjährigen von zwei Kreisen. Tut mir leid, aber das muss so hart gesagt werden. Nur weil man mathematische Ausdrücke wie 'topologischer Raum' verwendet, heißt das nicht, dass sich plötzlich alles, wie von Zauberhand zu etwas Wissenschaftlichem(?) zusammenfügt. Davon abgesehen war die Definition falsch. Diesen Teil hätte man sich getrost sparen können.
2. Dieser Punkt spielt nur eine sehr untergeordnete Rolle, trotzdem will ich mich dazu äußern: dieses Buch wurde als Roman angelegt und wäre als solcher eine Katastrophe sondergleichen. Sprachlich nur auf mäßigem Niveau, stören mich vor allem die völlig unrealistischen Dialoge, sowie die noch Weitaus unrealistischere Rahmenhandlung! NIEMALS würden sich Professoren so miteinander unterhalten / diskutieren. Niemals würde sich jemand - außer Studenten - zu einer solchen Veranstaltung einfinden. Zufälligerweise werden immer genau die richtigen Fragen aus dem Auditorium gestellt, so dass die Diskussion stets in die Richtung gleitet, die sich der Herr am Rednerpult vorgestellt hat. Fordert er einen seinen Kollegen zu einer Erklärung oder einem Kommentar auf, so fällt dieser immer so aus, wie Professor Allman es nicht besser in die Karten hätte spielen können. Videos, Bilder und Zitate zu beliebigen Einwürfen sind immer parat (natürlich aus dem Internet!). Ich habe jedes einzelne der dort erwähnten Videos vergeblich bei youtube gesucht! Also als Autor von Romanen ist er (zumindest wenn man "Unsterbliches Bewusstsein" als Grundlage nimmt) ungeeignet.
So, jetzt hab ich bereits ewig viel geschrieben und vermutlich haben es sowieso nur Wenige bis hier her geschafft. Ich denke mein Standpunkt ist klar geworden. Ich möchte nur noch einmal sagen, dass ich das Buch trotz aller Kritik interessant fand. Viele Argumente sind schlüssig und man könnte sie in dieser Form wirklich ziehen. Das Grundkonzept ist jedenfalls nichts, was man ohne Weiteres als unlogische Theorie bei Seite schieben könnte. Jeder Einzelne wird darin ein paar Fünkchen Wahrheit erkennen können und manchmal sind diese schon ausreichend.
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