Mina Hepsen entführt uns in ihrem Debüt-Roman "Unsterblich wie die Nacht" nach London in das Jahr 1871 und lässt uns am gesellschaftlichen Leben der aristokratischen Vampire dort teilhaben.
Dort lebt die junge russische Adelige Angelica Shelton Belanow mit ihrem jüngeren Bruder Mikhail, um hier ihren Platz in der herrschaftlichen Hautevolee zu finden und Ausschau nach einem passenden Ehemann zu halten, um den anstehenden finanziellen Ruin abzuwehren, von dem ihr Bruder noch nicht den Hauch einer Ahnung hat.
Aber Angelica fühlt sich in London völlig fehl am Platz, sehnt sie sich doch nach Ruhe, um ihrer Leidenschaft nach Büchern und der Musik zu frönen und dem zu entfliehen, was in riesigen Menschenmengen nur schwer zu ertragen ist.
Ihre Gabe, Gedanken lesen zu können!
Doch eines Abends entdeckt sie, dass sie nicht die Einzige ist, die mit dieser außergewöhnlichen Fähigkeit ausgestattet ist, nein, ein gewisser Prinz Alexander Kourakin kann nicht nur gedanklich mit ihr kommunizieren sondern ebenso, wie Angelica auch, in die Köpfe anderer Leute eindringen, um deren Gedanken und Gefühle zu hören.
Die beiden fühlen sich von Beginn an zueinander hingezogen und Alexander lehrt sie gar, wie sie fremde Gedanken ausblenden kann, um die so sehnlichst gewünschte Stille ausleben zu können.
Was Angelica zu Beginn nicht ahnt, ist, dass es sich bei Alexander um einen mächtigen Vampir handelt, der mit seinen Leuten auf der Suche nach einem abtrünnigen Blutsauger ist, der gegen deren bestehenden Gesetze verstößt und damit die so gefürchteten Vampirjäger auf den Plan ruft...
Vorab sollte man wissen, dass diese Lektüre wenig mit der momentan gängigen Vampirliteratur a la Kenyon, Ward und Adrian gemein hat und seine Erwartungen in dieser Beziehung nicht zu hoch schrauben sollte, denn die Untoten hier sind doch deutlich einfacher gestrickt und bestechen eher durch Harmlosigkeit und Schlichtheit.
Alexanders Darstellung als nettes und sympathisches Oberhaupt eines Vampir-Clans ist der Autorin
durchaus gelungen, zudem er auch noch als Menschenfreund überzeugt und bei dieser Spezies auch gerne das ein oder andere Mal als Lebensretter fungiert aber insgesamt fehlen ihm und seiner Sippschaft doch so ein bisschen Ecken und Kanten und auch so die durchdringende und nachhaltige Präsenz dieser Gattung.
Mit Angelica stellt die Autorin als Jungfer in Nöten den perfekten Gegenpart unserem Helden an die Seite und die beiden geben ein mehr als sympathisches und liebenswertes Paar ab und man verfolgt doch mit einer gewissen Spannung, wie es mit den beiden Gedankenlesern weitergeht.
Man fühlt sich im Großen und Ganzen wirklich gut und angenehm unterhalten ohne dass die Autorin hier ihre Romanfiguren tiefgründig und facettenreich herausgearbeitet hat und die Handlung auch eher gleichmäßig ohne große Höhen und Tiefen verläuft. Das Ganze besticht doch eher durch Gradlinigkeit und Schnörkellosigkeit. Was der ganzen Geschichte aber durchaus nicht schlecht bekommt und auf jeden Fall seinen Reiz hat.
Leser, die nicht so sehr auf düstere und finstere Romanhelden stehen und mit sich selbst zu ausgiebig hadern, werden hier voll auf ihre Kosten kommen.
Nicht dass Mina Hepsen ihrem Hauptprotagonisten so gar kein Leid mit auf den Weg gegeben hat, aber das intensive und spürbare Mitleiden und Mitfühlen wird hier etwas kurzgehalten und der Schwerpunkt liegt dann doch eher auf der Entwicklung der Liebesbeziehung unseres Heldenpaares.
Meiner Empfindung nach haben wir es hier auch eher mit einem historischen Liebesroman mit einigen paranormalen Elementen zu tun, als mit einem reinen Vampir-Roman a la Black Dagger.
Die Autorin versteht es aber sehr wohl, den Leser mit ihrem locker-flockigen Schreibstil zu packen und in die Geschichte hineinzuziehen und mit ihrer spritzigen und schwungvollen Art und Weise zu überzeugen.
Also alles in allem ein durchaus gelungener und leichter Lesestoff für zwischendurch, der auch neugierig auf die Fortsetzung macht!