Nachdem ich vor geraumer Zeit
Mann im Dunkel - meine erste literarische Berührung mit Paul Auster - von meiner Buchhändlerin empfohlen bekam, war für mich nach Beendigung der Lektüre klar, dass ich es hier mit einem sehr interessanten Autoren zu tun habe. Darum fiel mir der Entschluss den neuesten Paul Auster Roman "Unsichtbar" käuflich zu erwerben, nicht sonderlich schwer.
Paul Auster erzählt auf diesen 316 Seiten in erster Linie aus dem Leben des Adam Walker.
Warum in erster Linie?
Der Roman ist in insgesamt vier Abschnitte von jeweils 70-80 Seiten gegliedert, bei dem der erste Part das verhängnisvolle Treffen von Adam Walker und Rudolf Born im Jahre 1967 schildert. Adam Walker ist zu diesem Zeitpunkt ein Literatur-Student und schreibt nebenbei Gedichte - natürlich träumt er davon, ein berühmter und gefeierter Dichter zu werden. Auf einer Party trifft er dann auf diesen reichen, etwas exzentrisch wirkenden Franzosen, der ihm das Angebot macht, mit ihm zusammen eine Kultur-Literatur-Zeitschrift zu gründen: Born stiftet die finanziellen Mittel und Adam Walker schreibt die Beiträge.
Sämtliche Ideen und Pläne werden von Adam unfreiwillig über Bord geworfen, als sich Rudolf Born von einer gefährlichen und erschreckenden Seite zeigt.
Diese oben angedeutete menschliche Facette Borns ergießt sich in einer brutalen Tat, die die Ausgangslage für sämtliche der nachfolgenden Kapitel darstellt.
Das Aufeinandertreffen von Walker und Born wird in der Perspektive des Ich-Erzählers Adam Walker geschildert, im zweiten Kapitel wechselt Auster die Erzählstruktur und ein Du-Erzähler führt den Leser durch das Geschehen. Im darauffolgenden Abschnitt tritt der Er-Erzähler auf, um im vierten Part wieder vom Ich-Erzähler - nicht derselbe wie in Kapitel 1 - abgelöst zu werden.
Paul Auster erzählt das Leben von Adam also aus vielen verschiedenen Blickwinkeln, so dass sich ein detaillierter Charakter entwickelt. Nach ungefähr der Hälfte des Buches macht Auster seinem Ruf alle Ehre und schmeißt wieder sämtliches bestehendes Personal raus und lässt zum Großteil neue Personen die Bühne betreten.
Der Autor bietet in den einzelnen Kapitel unterschiedliche Möglichkeiten der Erzählweise - mal werden Briefe und Tagebücher der Personen abgedruckt, Telefonate wiedergegeben oder Manuskriptbestandteile präsentiert. Das alles ist in einer solch mitreißenden und tollen Sprache geschrieben, dass das Lesen eine reine Freude war.
Paul Auster bombardiert den Leser mit vielen kulturellen und literarischen Querverweisen, was den Lesefluss aber in keinster Weise einschränkt.
Der Titel des Buches lädt - neben vielen anderen Anspielungen Austers - ebenfalls zur Spekulation ein. Abgesehen von einem einzigen Satz im zweiten Abschnitt wird kein weiteres Mal auf die Unsichtbarkeit hingewiesen.
Tauchen auch Sie in einen Roman ein, der Sie mit skurrilen Charakteren, verstörenden Momenten und interessanten - vielleicht autobiografischen ? - Erlebnissen eines Schriftstellers einfangen wird.
Auster ist und bleibt ein großartiger, hintergründiger Autor! Wer natürlich lediglich einfache Unterhaltung erwartet, wird von ihm höchst enttäuscht sein.