Wenn man sich über die Postmoderne informieren möchte und dies auf wissenschaftlichem Niveau, kommt man an Welschs Buch nicht vorbei. Es ist die umfassendste und gründlichste Darstellung der Postmoderne-Problematik. Jedoch verkürzt Welsch diese auf die Explikation und Weiterentwicklung des "präzisen Postmodernismus", der die theoretische Konzeption des postmodernen Denkens verkörpert. Gegen diesen setzt Welsch den "diffusen Postmodernismus" als unreflektierte, unkritische Auffassung der Freiheit des Stils in Kunst, Architektur, Literatu, Medien etc. Dieser diffuse Postmodernismus der Beliebigkeit wird von Welsch nicht weiter dargestellt. Doch ist dies keinesfalls ein Manko des Buches, da diese Form von missverstandener Postmoderne in Feuilletons und in den Medien gepflegt wird und dort am richtigen Ort ist.
Welschs Buch zielt auf eine Revision moderner Traditionen und modernen Denkens ab und formt eine radikalisierte Moderne, also eine auf das kritische und aufklärerische Potenzial beschnittene Moderne, die Welsch "postmoderne Moderne" nennt. Er macht klar, dass es sich bei der Postmoderne keineswegs um eine Epoche handelt, sondern um eine revidierte Form der Vernunft.
Mankos des Buches sind die großzügige Zitierweise, das unkritische Umgehen mit Lyotard und der starke Akzent auf der Architektur. Seitenweise stellt Welsch Theorien, Aufsätze etc. von Wissenschaftlern vor, ohne diese als sinngemäße Zitate inkl. Literaturangabe kenntlich zu machen. Lyotard ist der große Held über weite Teile des Buches, obgleich dessen Postmoderne-Konzepte von Welsch doch bedeutend modifiziert wird. Und die Auseinandersetzung mit der Architektur zerreißt das Buch, und man weiß nicht, ob es bei Welschs Konzept der "postmodernen Moderne" ein ästhetisches Konzept ist oder eine Modellierung einer Denkform.
Dennoch, gemeinsam mit Welschs hervorragender Textsammlung inkl. ausführlicher Bibliographie zur Postmoderne-Diskussion in "Wege aus der Moderne" ist dies ein Standardwerk zur Postmoderne.