Gebraucht kaufen
Gebraucht - Gut Informationen anzeigen
Preis: EUR 3,79

oder
Loggen Sie sich ein, um 1-Click® einzuschalten.
 
   
Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Unsere Zeit zu leben
 
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Unsere Zeit zu leben [Gebundene Ausgabe]

Jorge C. Oliva Espinosa , Jorge C. Oliva Espinosa


Erhältlich bei diesen Anbietern.



Produktinformation


Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Zeugnis eines Enttäuschten

Ein kubanisches Fresko von Jorge C. Oliva Espinosa

«Ich kann nicht aufhören, mich zu erinnern», sagt Joaquín Ortega, die Hauptfigur im Roman «Unsere Zeit zu leben». Man geht fehl in der Annahme, dass der Satz auch den Autor meint, der mit seinem Helden die Initialen teilt. Der Name des Verfassers, Jorge C. Oliva Espinosa, ist allerdings ein Pseudonym, hinter dem sich ein Kubaner englischer Herkunft namens Douglas Rudd verbirgt. Der 1932 geborene Rudd beteiligte sich in den fünfziger Jahren am Aufstand gegen den Diktator Fulgencio Batista, 1961 kämpfte er in der Schweinebucht gegen exilkubanische Invasoren und wurde dafür mit dem Orden eines Nationalen Helden ausgezeichnet. Später bildete der hochdekorierte Militärpilot Flieger des Vietcong aus. Nach seiner Rückkehr aus Vietnam überwarf sich Rudd mit der kubanischen Nomenklatura und wurde aus der Luftwaffe entlassen. 1990 brachten ihn regimekritische Äusserungen ins Gefängnis, im folgenden Jahr wurde er entlassen. Rudd emigrierte in die USA, wo er 1992 starb. Sein umfangreicher Roman «Unsere Zeit zu leben», der knapp ein halbes Jahrhundert kubanischer Vergangenheit abdeckt, ist 1998 in Spanien im Original erschienen. Als Rudds Sohn 1999 Kuba verliess, konnte das Pseudonym gelüftet werden.

«Unsere Zeit zu leben» gehört zur stetig wachsenden Zahl jener Romane und Erzählungen, die ein überwiegend negatives Bild der Revolution zeichnen. «In meinem Garten grasen die Helden» (1981) von Heberto Padilla ist ein frühes Beispiel dieser Untergattung der kubanischen Literatur. Beträchtliches Aufsehen erregt haben neben den Romanen «Die Initialen der Erde» (1987) und «Die verlorenen Worte» (1992) von Jesús Díaz auch «Das tägliche Nichts» (1995) der damals blutjungen Zoé Valdés. Eliseo Albertos «Bericht gegen mich selbst» (1996) zeichnet sich durch Scharfsinn und wohltuenden Verzicht auf Polemik und Larmoyanz aus.

Diese Bücher wie nun auch «Unsere Zeit zu leben» sind Zeugnisse von Enttäuschten. Díaz wie Valdés, Alberto wie Oliva Espinosa waren einst Castro-Getreue, nicht selten in privilegierter Position. Der Gang der Ereignisse, insbesondere die «Spezialperiode», als nach 1989 die Milliardensubventionen der einstigen Sowjetunion versiegten und die Schwächen des kubanischen Modells immer deutlicher zutage traten, haben diesen Schriftstellern die letzten Hoffnungen auf eine Wende zum Besseren genommen.

Espinosas Protagonist gehört in den fünfziger Jahren zu den studentischen Terrorkommandos. Nach dem Triumph der Revolution wird Joaquín Ortega Ingenieur, später Dozent an der Universität von Havanna. Er ist einer der zahllosen Begeisterten, die 1959 bei Castros Machtübernahme ein goldenes Zeitalter für Kuba heraufziehen sehen. Er vertraut nicht so sehr der Ideologie als dem Charisma des Máximo Líder. Die hochtrabenden Parolen der Parteiführung nimmt er lange für bare Münze, die Arroganz der Macht rechtfertigt er mit ihrem proklamierten Einsatz für das Gemeinwohl.

Ortegas Zuversicht wird erst erschüttert, als er erkennen muss, dass die Durchhaltelosungen, die dem darbenden Volk verabreicht werden, und der feudale Lebensstil der Parteibonzen und ihres Anhangs sich immer mehr auseinanderbewegen und dass Korruption und Massenarmut, Inkompetenz und Kriminalisierung jeder abweichenden Meinung überhandnehmen. Ortega geht weder in Opposition, noch emigriert er (im Gegensatz zum Autor); seine Reaktion ist der Rückzug ins Private. Mehr bleibt nicht von seinem gutgläubigen Streben nach einer besseren Gesellschaftsordnung und dem «neuen Menschen», den Che Guevara verkündete. Der Bitterkeit entkommt Ortega durch die Liebe.

Das Buch ist im Präsens und in der Ich-Form gehalten, wobei Ortegas Monolog mit denjenigen seiner Freunde alterniert. Das schafft Unmittelbarkeit, aber auch eine gewisse Schwerfälligkeit. Um die Sprunghaftigkeit des Erinnerungsprozesses zu verdeutlichen, verzichtet der Autor auf chronologisches Erzählen. Immerhin ermöglichen Jahreszahlen eine zeitliche Orientierung. Doch nicht jeder Leser ist mit Eckdaten und Schlüsselereignissen der jüngeren kubanischen Geschichte vertraut, da hätte der Verlag mit Anmerkungen und Erläuterungen hilfreich eingreifen können. «Unsere Zeit zu leben» hat reportagemässige Züge und liest sich streckenweise ebenso als Zeitdokument und Memoirenwerk wie als Fiktion. Der fiktionale Aspekt kommt insbesondere in jenen Passagen zum Tragen, in denen der Autor den Widerhall der öffentlichen Ereignisse im Innenleben seiner Figuren zeigt. Es ist diese gefühlsmässige Wirklichkeit, das Eintauchen in fremdes Bewusstsein, die dem Buch den imaginativen Raum verleihen, der einen Roman ausmacht.

Georg Sütterlin

Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Neue Zürcher Zeitung, 13.04.2000
Georg Sütterlin geht in seiner Rezension zunächst recht ausführlich darauf ein, dass der Autor sich in Gesellschaft zahlreicher anderer kubanischer Schriftstellern befindet, die ebenfalls von Castro enttäuscht sind. Das werde auch in diesem Roman deutlich, zumal die politischen Überzeugungen des Protagonisten Ortega ins Wanken geraten, als er den Widerspruch erkennt, der in dem luxuriösen Lebensstil der Parteioberen und der Armut der Bevölkerung besteht. Die Stärken des Romans liegen nach Ansicht des Rezensenten dabei vor allem in der Fähigkeit des Autors, sich in "fremdes Bewusstsein" hineinzudenken, was er für die Gattung eines Romans für unabdingbar hält. Denn ansonsten habe dieses Buch viele Züge einer Reportage und eines Zeitdokuments, wobei eine fehlende Chronologie in der Erzählung seiner Meinung nach nicht unproblematisch ist. Denn Leser, die in der kubanischen Geschichte nicht sattelfest sind, werden, wie Sütterlin meint, bisweilen Schwierigkeiten mit der zeitlichen Abfolge haben. Zusätzliche Anmerkungen und Hilfestellungen des Verlags wären in dieser Hinsicht hilfreich gewesen, findet der Rezensent.

© Perlentaucher Medien GmbH

Tags

 (Was ist das?)
Bei einem Tag handelt es sich um ein Schlagwort, das zum Produkt passt.
Tags erleichtern allen Kunden die Suche und die Sortierung ihrer Lieblingsprodukte.
 

Eine digitale Version dieses Buchs im Kindle-Shop verkaufen

Wenn Sie ein Verleger oder Autor sind und die digitalen Rechte an einem Buch haben, können Sie die digitale Version des Buchs in unserem Kindle-Shop verkaufen. Weitere Informationen

Kundenrezensionen

Noch keine Kundenrezensionen vorhanden.
5 Sterne
4 Sterne
3 Sterne
2 Sterne
1 Sterne

Kunden diskutieren

Das Forum zu diesem Produkt
Diskussion Antworten Jüngster Beitrag
Noch keine Diskussionen

Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen
Neue Diskussion starten
Thema:
Erster Beitrag:
Eingabe des Log-ins
 

Kundendiskussionen durchsuchen
Alle Amazon-Diskussionen durchsuchen
   


Lieblingslisten


Ähnliche Artikel finden


Anhand des Sachgebietes nach ähnlichen Produkten suchen:






Das bedeutet, jeder Titel/Artikel muss zu Sachgebiet 1 UND zu Sachgebiet 2 UND... gehören.

Ihr Kommentar