Ein doppelter Genuss: Karel Zemans >Auf dem Kometen< und >Das Gestohlene Luftschiff<
Zwei getrennte DVD, die aber direkt in Folge von ICESTORM produziert und auf den Markt gebracht wurden. Da die Features und die Qualität der Filme gleichartig sind, habe ich mich entschlossen die Beurteilungen zusammenzufassen.
Das DVD-Angebot muss von Verne-Freunden, Film-Nostalgikern und Freunden von Karel Zeman generell mit dem Stoffseufzer: >ENDLICH< begrüßt werden. Lange haben wir darauf gewartet. Als ich die beiden Filme in der Hand hielt, fielen sofort die liebevoll gestalteten Cover auf und das in beiden Hüllen befindliche identische, gut bebilderte, Booklet (Eigentlich noch ein Argument mehr, eine Doppel-DVD anzubieten) Die gedruckte Biographie Karel Zemans ist eine würdige Homage an den Künstler.
Zur Filmqualität und der Ausstattung: Der positiven Einschätzung der Filmqualität, die ich schon an mehreren Stellen gelesen habe, kann ich nicht zustimmen. Ich vermute, dass die Vorlage des Filmes eine schon länger gelaufende Masterkopie eines Verleihers gewesen sein muss. Fast durchgängig im Film sind senkrechte Schlieren von alter Vorführtechnik (ich dachte erst es ist ein Gestaltungselement), Kratzer und vielfach auftretende Flecken (Beschichtungsfehler im ehemaligen Filmmaterial) deutlich zu sehen. Offensichtlich hat der Herausgeber nur eine Auffrischung einer alten Kopie vorgenommen, digital remastert wurde nicht. Meine digitalisierten Fernsehmitschnitte haben keine wesentlich schlechteren Bilder in der Darstellung.
Die Freude am Film überwiegt trotzdem bei mir, da die beschriebene Filmqualität durchaus auch als Patina des bewusst antiquierten Filmes gelten kann.
Die Ausstattung ist nicht eben üppig: In der Luftschiff-Verfilmung ist das Kapitelauswahlmenü nicht mal mit Bildern ausgestattet, eine schriftliche Kapitellistung muss ausreichen. Als Bonusmaterial auf beiden DVD wird eine Jules-Verne-Kurzbiographie angeboten, die leider nicht exakt recherchiert ist. Legenden aus seinem Leben die schon vor 20 Jahren widerlegt wurden, haben wieder Einzug gehalten. Als weitere Ausstattung wird nur noch Eigenwerbung von ICESTORM angeboten ... eigentlich nicht das, was man von Bonusmaterial erwartet.
Auf dem Kometen
Karel Zeman, bekannt geworden durch seine phantasievoll umgesetzten Animationen, schuf bereits in den 50er Jahren Realfilme, in denen er umfangreiche Tricksequenzen einbaute. Durch Mischung des Realfilmes mit animierten, an Buchillustrationen des ausgehenden 19. Jahrhunderts (Holzstichtechnik) erinnernden Objekten, oder eingeblendeten Hintergrundbildern, schafft er es, eine eigenartig reizvolle Umgebung zu schaffen. So lernen wir im damaligen Französisch-Afrika den französischen Kolonialoffizier Servadac kennen, der unsterblich in die schöne Angelica verliebt ist. Diese Geschichte wird in die eigentliche Roman-Story mit eingebaut, denn wie bei vielen Verfilmungen hat auch hier der Drehbuchautor den akuten Frauenmangel in den Werken Vernes ausgeglichen. Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist das Auftreffen eines Kometen auf die Erde, das Herausbrechen eines Stückchens Landmasse und die darauf folgende Odyssee durch den Weltraum. Allerdings ist es nicht ganz so einsam auf dem neuen Trabanten wie im Originalbuch. Im Film gibt es diverse Komplikationen zwischen bewaffneten Vertretern der einzelnen Nationen. Und dann taucht da auch wieder Angelica auf...
Das Gestohlene Luftschiff
Auch in diesem Film wurde recht großzügig mit dem Buch Jules Vernes umgegangen. Die Geschichte geht schon etwas sonderbar los: Nicht ein abgetriebenes Schiff entführt die Neuseeländischen Kinder, sondern ein Luftschiff auf einem Vergnügungspark wird aufgrund eines Dummen-Jungen-Streichs den fünf Kindern zum Verhängnis. Gestartet wird übrigens in Prag. Die Reise führt die Kinder auf eine einsame Insel, auf der wiederum Kapitän Nemo seine Finger im Spiel hat. Da der Luftschiff-Betreiber angeblich ein explosionssicheres Ballongas entwickelt hat, werden die Kinder von allerlei finsteren Vertretern der Weltmächte verfolgt. Diese werden von den Kinder gekonnt ausgetrickst. Die eigentlichen Szenen auf der Insel kommen ein bisschen kurz, da der Verfolgung der Kinder viel Raum gegeben wurde. Ergänzend kommt hinzu, dass auch aus anderen Verne-Büchern Anleihen genommen wurden. Trotzdem ist das Ganze recht vergnüglich anzusehen, besonders unter dem Gesichtspunkt: Wo habe ich das schon gelesen?. Eins muss man den Filmemachern um Zeman bescheinigen: Die Atmosphäre des ausgehenden 19. Jahrhunderts wurde gut getroffen