Da bin ich mal gespannt, wie die ARD das Thema in sechs Teilen dokumentiert. "Das Buch zur Serie" steht auf dem Cover des Begleitbuchs. Und ich hatte eigentlich ein Begleitbilderbuch erwartet. Doch Menge, Auswahl und Druckqualität lassen eine solche Bezeichnung nicht zu. Im Zentrum steht klar der Text. Einerseits die Kommentare des Berliner Publizisten und Historikers Rudolf Grosskopff, andererseits die Lebensgeschichten von Zeitgenossen.
Im Vorwort weist Grosskopff richtigerweise darauf hin, dass die grossen Symbole wie Mauerbau, Prager Frühling, Studentendemonstrationen oder Kennedy zwar ihre Bedeutung haben, aber die Sicht auf Vorgänge verdecken, die ebenso wesentlich und prägend sind. Auf solche Ereignisse des Alltags machen Buch und wohl auch die Dokumentationsserie aufmerksam. Damit wird ein Geschichtsverständnis korrigiert, das vieles verzerrt, idealisiert oder verdrängt.
Der Stil des Autors ist zwar nicht akademisch, aber wahnsinnig aufregend und auf ein weniger gebildetes Publikum zugeschnitten ist er auch nicht. Mich fesselten die Lebensgeschichten der Zeitzeugen mehr als die historischen und soziologischen Kommentare. Obwohl ich diese Jahre so intensiv erlebte, in der DDR, in Deutschland und in der Schweiz, zog mich deren sprachliche Beschreibung erstaunlich wenig in den Bann. Mich hätte es durchaus nicht gestört, wenn Rudolf Grosskopff emotionaler ans Werk gegangen wäre und den Historiker mehr in den Hintergrund gestellt hätte.
Mein Fazit: Das Begleitbuch zur ARD-Doku-Serie "Unsere 60er Jahre" ist zwar spannend und aufschlussreich, vermochte aber die Gefühle jener Zeit nur ansatzweise in Worte zu fassen. Schade finde ich, dass vom reichlich vorhandenen Bildmaterial nicht besser Gebrauch gemacht wird.