Einem halbwegs intelligenten und aufgeklärten Menschen braucht man nur zu sagen: Schau mal unter "Bisphenol A" in die Wikipedia". Jeder Informierte weiß, wie wenige unabhängige Fachleute auf dem Meinungsmarkt sind, und wie hoch daher kritische Meinungen einzustufen sind, die durch die vielverschlungenen Höhlen der "wissenschaftlichen" Verschleierung durchgedrungen sind.
Aber der "gutgläubige Normalbürger" schaut nicht in die Wikipedia, sondern auf eine Info-Site eines Chemieriesen - bzw. einer mysteriösen "Stiftung", die sich gerne der "unabhängigen Aufklärung" der armen Verbraucher annimmt. Normalbürger sträuben sich nämlich gegen Erkenntnisse, die sie in Konflikte treiben, und hoffen bis zuletzt auf das Wunder der Ehrlichkeit - selbst noch, wenn sie nach Jahren von Operationen, Chemo und Bestrahlung im Sterbezimmer liegen.
Der 1960 geborenen französischen Journalistin Marie-Monique Robin ist es mit der im März 2011 ausgestrahlten Dokumentation "Unser täglich Gift" gelungenen, in auch für Durchschnittsmenschen nachvollziehbaren Abläufen nicht nur die Probleme der Nahrungsvergiftung für Landwirte und Konsumenten, sondern auch die Mechanismen, mit denen immer größere Giftmengen mit immer abenteuerlicheren Methoden in den Markt gelassen werden, aufzuzeigen: Die Industrie erwirtschaftet Profite, die Anwender und Verbraucher zahlen - mit ihrer Gesundheit, mit ihrem Leben.
Wer ihre Botschaften wie die, dass in landwirtschaftlichen Regionen Indiens ohne Agrarchemie 10-30 (dreißig!)-mal (mal!) weniger Krebs als in Deutschland auftritt, nicht versteht, dem ist nicht mehr zu helfen.
Wie hartnäckig Normalbürger sich lieber selbst verstümmeln, als Zweifel an der Industrie zuzulassen, zeigen die Bauern im Film selbst, die trotz furchtbarer Erkrankungen immer noch zaudern, den Giftbetrieb einzustellen. Der zu Beginn des Films aufgetretene Landwirt ist übrigens inzwischen an den Folgen seiner "grünen Revolution" verreckt - anders kann man einen solchen Tod ja wohl nicht nennen.
Aber Frau Robin bleibt nicht bei der Agrarchemie stehen - weitere Schwerpunkte der Dokumentation bilden der höchst gefährliche Süßstoff Aspartam, das beliebte Glutamat und schließlich die Verpackungsgifte, insbesondere das eingangs erwähnte Bisphenol A, welches in fast jedem Verpackungs-Kunststoff enthalten ist. Ganz besonders "wirksam" war die Herstellung von Babymilch-Flaschen aus Kunststoff, weil das Gift bei Erwärmung und in fetthaltige Lebensmittel nochmals in wesentlich größeren Dosen einzieht und auf Babys nochmals verheerender wirkt.
In allen solchen Fällen sind geldgierige Experten, die den Hals nicht voll genug bekommen können, der Kern des Problems. Denn längst sind alle internationalen Zulassungs- und Prüfbehörden weitgehend "in der Hand" der lebensfeindlichen Industrie. Denn nicht irgendwelche unabhängigen Beamten dominieren in den Instituten und Gremien, sondern charakterfreie Büttel der Industrie. So lesen sich Teilnehmerlisten hochgradiger Entscheidungsgremien wie ein Überblick über die Chemie-, Verpackungs- und Nahrungsmittelindustrie - oder der von ihnen abhängigen "Forschungs-Institute". Inzwischen kann man wohl davon ausgehen, dass Experten, die ihre Unabhängigkeit nicht eindeutig nachweisen können, nur noch Lobbyisten der Industrie sind, die gefälschte, geheime und von der Industrie selbst vorgelegte Forschungsergebnisse ohne Rücksicht auf Leben und Gesundheit durchsetzen. Die Gattinnen der Täter können natürlich zuhause die beträchtlichen Rechnungen im Frischmarkt und beim Biohändler lächelnd bezahlen.
Die Industrie ist hoch motiviert. Sie lebt davon, Gifte zu verkaufen. Die Chemiker sind hoch motiviert. Sie haben hochdotierte Stellen und beziehen Einkünfte, die weit über dem Schnitt von Akademikereinkommen liegen. Dabei müssen sie weder besonders gut noch besonders intelligent noch besonders kenntnisreich sein - sie müssen lediglich die Interessen ihrer Arbeitgeber rücksichtslos und - bis die Eigen-Hirnwäsche greift - auch gegen besseres Wissen durchsetzen; ein bisschen lügen und betrügen also. Bloß - Entschuldigung, wenn ich daran erinnere - hätten wir 10-30-mal weniger Krebstote ohne solche Ehrenmänner und -Frauen.
Umgekehrt wird auch ein Schuh draus: Ohne die Giftproduktionen hätten auch all diese Menschen keine Jobs. Denn fast jede Zulassungsbehörde, fast jedes Prüfinstitut und fast alle diese hochbezahlten, aber natürlich ansonsten höchst entbehrlichen Experten bräuchte man nicht, wenn man keine Gifte produzieren würde. So, wie auch erhebliche Teile unseres gewaltigen Medizinbetriebes einfach überflüssig würden, wenn man nicht täglich auf tausendfache, einfallsreiche Art Menschen vergiften würde.
Wer eigentlich kein Motiv hat, sind die Bürger, die brav die Einkaufswägen mit Giften für die Kinder vollstopfen - diese Menschen können und wollen einfach nicht glauben, dass bestens verdienende und bestens ausgebildete Fachleute bei der Industrie und in den Instituten für eine Handvoll Dollar mehr in Kauf nehmen, dass nur durch ihr Tun und Lassen viele ihrer Mitbürger, u.U. sogar ihre Freunde und Verwandten, schreckliche Leiden ertragen und elend sterben müssen.
Mitschuld tragen aber auch die unbestechlichen Kollegen, die schweigen, statt die Täter anzuprangern, und die Mediziner, die lieber still die Umsätze genießen, als sich für Ihre Patienten gegen die Täter in der Industrie zu wenden, vor allem aber die Politiker, die sich und ihren Parteien auf Kosten ihres "Souveräns" die Taschen füllen lassen.
Aus diesem Sumpf von "Lieber Geld statt Leben (der anderen ...)" kommen Massenseuchen und Massenvernichtungen, seit es Chemie gibt. Schon die Holzschutzmittel vergessen, das Dioxin, das BSE oder die Contergan-Babys? Es gibt, wie der Vergleich mit Indien zeigt, ohne "Hilfe" der Chemie kein Übergewicht und damit keine Herzkreislauferkrankungen, keine Allergien, keine Unfruchtbarkeit, keine Immunschwäche und vor allem keinen Krebs. Unter anderem! Neuere Tests deuten sogar darauf hin, dass auch Krankheiten wie Demenz, Parkinson und Alzheimer ebenfalls durch Kombinationen der oben bereits erwähnten Nahrungsmittel-Vergiftungen verursacht werden.
Mitschuld tragen aber selbstverständlich auch "die Menschen da draußen", die sich vormachen, dass alles in bester Ordnung sei, die gegen Mahner losblöken und an ihrer eigenen Zerstörung sogar noch nach Kräften mitwirken.
So endet auch der Film mehr oder weniger indirekt mit der Frage, warum Menschen nicht einfach das Auto verkaufen, sich mehr bewegen und vom gesparten Geld frische Gemüse und Obst kaufen und damit ihre krebsrelevanten Entzündungen "wegessen"? Für meine Familie kann ich diese Frage beantworten: Dafür haben sie zwischen all den vielen Arztterminen einfach keine Zeit mehr. In all diesen Fällen verdient nämlich dieselbe Industrie, die uns vergiftet hat, noch ein zweites Mal an der Leichtgläubigkeit der Menschen: über ihre Pharma-Töchter. Denn fast alle Betroffenen leben in dem Wahn, man könnte Vergiftungsfolgen durch weiteren Giftkonsum kompensieren.
film-jury 5* A0616 24.5.2011eg Genre: Dokumentation