Globalisierung hat Ursachen und Folgen, sie hat auch eindeutige Denkmodell und Tendenzen. Ausgesprochen prägnant und einleuchtend zeigt der Autor in gut verständlicher Sprache auf, wie sich das symptomatisch einzuordnende „McKinsey"-Denken in unserer Gesellschaft ausbreitet und in alle Faserungen unseres Gemeinlebens eindringt.
„Effizienz" ist das meistbenutzte Wort dieser Handlungssichtweise. Niemand scheint andere Erfahrungs- oder Entwicklungsmodelle, andere Lebenseinstellungen und -haltungen, andere Phantasien oder Visionen zu überlegen geschweige denn zu akzeptieren oder als möglich zu denken. Selbst sozial engagierte Menschen, Einrichtungen oder Organisationen haben sich der einseitig wirkenden Doktrin der Ökonomie untergeordnet und ihre Ansprüche an Mitmenschlichkeit, Gemeinwohl oder Solidarität zugunsten von rücksichtsloser Individualität und Erfolgsstreben - letztlich persönlicher Macht - aufgegeben. Der Mensch ist nur mehr das wert, was er konsumiert. Wer das nicht tut oder als ausschließlichen Lebensinhalt für sich wahrnimmt, gehört nicht dazu und fällt raus - aus allem.
Es ist nach Ansicht des Autors ein massiver Paradigmenwechsel von der weltverantwortlichen Solidargemeinschaft zum egoistischen Konsum alles Erreichbaren eingetreten. Sehnsüchte und Träume entstammen keineswegs mehr der eigenen Vorstellung einer besseren Welt, die allen gerecht wird, sondern selbst sie werden gesteuert von mächtigen Konzernen und Unternehmen, die unter dem Deckmantel gefühlsbehafteter Bilder und Lockmittel ihre Interessen durchsetzen und Grundbedürfnis völlig neu definieren.
Am schlimmsten finde ich, dass selbst soziale Organisationen, allen voran die - natürlich von McKinsey oder vergleichbaren Firmen beratene - Kirche sich in einer Weise als komplexes Wirtschaftsunternehmen sehen, dass es schwer fällt, die Frohe Botschaft von der unbedingten Annahme des Menschen und der damit einhergehende Nächstenliebe als sinnstiftende Lebensvision zu vermitteln.
Die Folgen des sich wie eine Krake ausbreitenden bedingungslosen Ökonomismus liegen nach Ansicht des Autors klar auf der Hand:
Verödung der Lebensumfelder, Überforderung der Menschen in ihrem Urteils- und Kritikvermögen, Verhärtung und Radikalisierung im Umgang miteinander, Verflachung lebendiger Kultur, Exzessives Auseinanderdriften gesellschaftlicher Unterschiede, Stärkung von Herrschafts- und Unterdrückungspositionen durch die Wirtschaft und damit der Verlust politischer Beteiligung.
Das Buch des ehemaligen ZEIT- und jetzt SPIEGEL-Redakteurs analysiert und beschreibt, rüttelt auf und bewegt, fordert und motiviert, einen neuen, einen anderen Weg einzuschlagen.
© 2003 Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.