Natürlich habe ich mir die DVDs angeschaut, weil ich als Teenager die erste Staffel bei ihrer Erstausstrahlung selbst im Fernsehen gesehen habe. Damals sind mir einige Dinge nicht aufgefallen, die mir dieses Mal sehr bewusst geworden sind. Im Großen und Ganzen ist die Serie recht unrealistisch. In Spechts Klasse tummeln sich die Probleme der Welt: Drogen, sexueller Missbrauch, Schwangerschaft, Gewalt, Teufelsanbeterei, Ausländerfeindlichkeit, Krankheiten, Selbstmord etc. Specht kümmert sich um alle Probleme persönlich und löst ziemlich viele. In brenzligen Situationen wird versucht, Spannung mit der Holzhammermethode aufzubauen. Immer wieder die gleiche Musik ertönt. Normalerweise sollte Filmmusik eher vom Unterbewusstsein aufgenommen werden. Wenn sie sich zu sehr ins Bewusstsein drängt, wirkt sie eher störend und unprofessionell. Soweit die negativen Seiten der Serie.
Positiv zu sehen ist die Schauspielkunst von Robert Atzorn, Corinna Harfouch, Gisela Trowe, Heinz Hoenig etc. Selbst einigen Schülern sieht man nicht an, dass sie hier ihre ersten Rollen spielen (allen voran Ygal Gleim als Charlie Schütze). Die Figuren sind sehr liebevoll kreiert. Spaß macht besonders der Kampf im Lehrerzimmer. Der Sportlehrer (Hoenig) gegen Specht. Wer soll Direktor werden? Und andere Lehrer, die sich über Spechts unkonventionelle Beziehung zu seinen Schülern aufregen. Sehr schön auch der Hausmeister (Gerhard Olschewski), die Leiterin der Pension, in der Specht wohnt, die sich in alles einmischt (Trowe) und natürlich Spechts Kampf mit den Frauen.
Bild und Ton schienen mir in Ordnung. Ein Booklet mit Beschreibungen der Folgen und Biographien liegt bei. Leider keine Extras.