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' Unser Hotel ist judenfrei': Bäder-Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert
 
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' Unser Hotel ist judenfrei': Bäder-Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert [Taschenbuch]

Frank Bajohr
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Mit dem Aufschwung des Tourismus im ausgehenden 19. Jahrhunderts deklarierten sich Seebäder, Kurorte und Sommerfrischen gern als "judenfrei", um antisemitisch gesonnene Feriengäste aus der Mitte der deutschen Gesellschaft anzusprechen. Juden mußten mit Schmähungen, Beleidigungen und tätlichen Übergriffen rechnen. Zur Warnung brachten jüdische Zeitungen lange Listen "antisemitischer Badeorte und Hotels". Nach 1933 kulminierte der Bäder-Antisemitismus, der im übrigen ein internationales Phänomen war, in der systematischen Vertreibung von Juden aus sämtlichen Kur- und Badeorten.

Über den Autor

Frank Bajohr, geboren 1961, studierte Geschichte, Sozial- und Erziehungswissenschaften in Essen; Staatsexamen; seit 1989 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg; Dr. phil. 1997; seit 1997 Lehrbeauftragter am Historischen Seminar der Universität Hamburg; 2000/2001 Fellow am International Institute for Holocaust Research in Yad Vashem/Israel. Verfasser zahlreicher Bücher und Aufsätze.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Antisemitismus in den Ferien 23. September 2003
Format:Taschenbuch
Im Jahre 1905 reiste ein Düsseldorfer Kunsthändler auf die Nordseeinsel Borkum, um eine Ausstellung zu organisieren. Bald wurde er gestört, er wurde aufgefordert, als Jude sofort die Insel zu verlassen. Unter anderem forderte ihn eine Schar Kinder mit Gewehren, das „Borkumlied" singend, auf, sofort wegzureisen. Die vom Kunsthändler aufgeforderte Polizei hatte keine Macht, dem Tumult ein Ende zu setzen.
Ausgehend von diesem Ereignis und weiteren Ausschnitten aus der "Vossischen Zeitung" rollt der Historiker Frank Bajohr dieses lange Zeit vergessene oder auch totgeschwiegenen Kapitel der Antisemitismus auf.
Zwei Sachen haben mich sehr erstaunt:
- Bereits vor dem 1. Weltkrieg grassierte diese Art von Antisemitismus speziell in deutschen Seebädern.
Spannend ist die Gegenüberstellung von den traditionellen Bädern wie Norderney oder Sylt mit den „neuen" Bädern wie Borkum.
- Auch nicht bewusst war mir der in den USA herrschende Antisemitismus, der am Beispiel von Saratoga Springs dargestellt wird: No Mosquitos, no Malaria, no Jews.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
"Für Juden verboten" 9. Oktober 2003
Format:Taschenbuch
...Historiker Bajohr beschränkt sich in einem Werk nicht auf den gesellschaftlichen Antisemitismus in Deutschland. Eindrücklich belegt er, dass das Phänomen etwa auch in den USA weit verbreitet war - nur eben ohne direkte Auswirkungen auf die Politik. Nach einer landesweiten Untersuchung der seit 1913 tätigen Menschenrechtsorganisation "Anti-Defamation League", gaben so rund 23 Prozent aller amerikanischen Hotels noch Ende der 50er Jahre unumwunden zu, dass sie keine jüdischen Gäste wollen...Wenn Bajohr von "Bäder-Antisemitismus" spricht, zeigt er gleichzeitig, dass auch dies den nahrhaften Boden für den politischen Antisemitismus mitbildete...
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Viel ist über den Antisemitismus geschrieben worden, doch eher wenig ist über die alltäglichen Dimensionen von Judenfeindschaft in den Beziehungen von Juden und NichtJuden in Deutschland bekannt. Der Autor geht dieser Frage am Beispiel des so genannten Bäder-Antisemitismus nach: Nicht erst in der NS-Zeit, sondern bereits im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts deklarierte sich eine wachsende Zahl von Erholungsorten sowie Hotels und Pensionen öffentlich als »judenfrei«, um antisemitisch gesinnte Gäste anzusprechen. Im Gegensatz zu den etablierten, traditionsreichen Bädern mit internationalem Publikum (Baden-Baden, Norderney, Heringsdorf, Westerland) gerierten sich vor allem jüngere Bäder (Borkum, Zinnowitz) antisemitisch, weil sie als »Late-comer« eher ein kleinbürgerlich-mittelständisches Publikum ansprechen wollten. Damit breiteten sich lange vor dem Machtantritt der Nationalsozialisten öffentliche Zonen der »Apartheid« aus, die für das Selbstverständnis der deutschen Juden und ihre gesellschaftliche Stellung weit reichende Folgen hatten. Der Autor beschreibt diese Nachtseite der touristischen Entwicklung im Wandel der Jahrzehnte und im internationalen Vergleich. Nach 1933 gipfelte der Bäder-Antisemitismus in Deutschland in der vollständigen Ausgrenzung von Juden aus Seebädern und Kurorten. Er war jedoch auch ein beklemmendes internationales Phänomen, das u. a. in den USA weit verbreitet war, wo noch in den 1950er Jahren rund 30% der Ferienhotels keine jüdischen Gäste akzeptierten.
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