Ein wunderschönes Buch, ohne Zweifel. Wunderschöne Bilder, wunderschönes Haus, wunderschönes Anwesen - ein Buch zum Träumen.
Mehr allerdings auch nicht.
Ein Erfahrungsbericht eines französischen Lehrers, der sich für die Selbstversorgung entschieden hat.
Auf den ersten 34 Seiten wird der Vorteil eines eigenen Gemüsegarten beschrieben, über die Umwelt philosophiert und die Artenvielfalt etc.
Dann folgen weitere 44 Seiten mit der Entwicklung des Autors zum Gärtner, wie er sich die Fachkenntnisse angeeignet hat, den Standort seines Obstgartens ausgewählt hat, wie er mit dem Rasen verfuhr etc. und gegen Schädlinge vorging und dabei immer noch denkt, dass auch Maulwürfe dazu gehören. Ein scheußliches Bild auf Seite 89 zeigt einen enthaupteten Maulwurf.
Auch im Kampf gegen Schnecken hat er keine neuen Erkenntnisse parat. Auch vermisse ich die Erfahrung mit Hochbeeten.
Wohl gemerkt, es wird immer noch nicht gegärtnert!
Dann kommt das Kapitel über die Vermehrung der Pflanzen, wie die Samen entnommen werden, in Tütchen verpackt, die Vorräte gelagert werden etc. Leider wird Rodolphe bei seiner Vermehrung von Kartoffeln früher oder später feststellen, dass diese von Jahr zu Jahr immer kleiner werden.
Auf Seite 145 dann, endlich, der Gemüseanbau IN FRANKREICH! Für deutsche Leser und Gärtner nicht maßgebend. Wenn Rololphe Probleme mit der Kultivierung von Gurken hat, dann dürfte der deutsche Gärtner wissen, warum - Zu heiß und trocken.
Deshalb kann man in Frankreich Tomaten ohne Regenschutz züchten, in Deutschland würde die Blattfäule die Ernte vernichten. Und Paprikaschoten gedeihen auch nur in FR, in Deutschland ist das nur in Gewächshäusern möglich.
Rodolphe verwendet keinen Dünger, nur Kompost. Gut, er gärtnert ja auch erst seit kurzem. Aber irgendwann wird auch er feststellen, dass sein Boden ausgelaugt ist und die Starkzehrer anfangen zu schwächeln.
Es wird viel gerechnet in dem Buch, was was kostet, im Bioladen, im Supermarkt, im Eigenanbau. Ob es sich "rechnet" oder nicht, die Frage dürfte einen ambitionierten Gärtner nicht beschäftigen. Der eigentliche Gewinn ist die Freude, die Begeisterung und die Bewegung an der frischen Luft. Ich habe noch keinen Gärtner erlebt, der gesagt hätte, ich betoniere meinen Gemüsegarten jetzt zu, es rentiert sich nicht mehr.
Das Titelbild. Warum schneidet der Fotograf den halben Kopf von Rodolphe ab, man hätte doch besser die Schubkarre am unteren Bildrand gekappt. Warum zeigt man auf dem Cover ausgerechnet Kürbisse in einer Schubkarre. Das ist nicht Gärtneralltag. Und warum gräbt Rodolphe seinen Garten in Flipflops um?
Das Kapitel Gemüse ist informativ, aber eben nicht für deutsche Gärtner, der Aussaatzeitpunkt bzw. Pflanzzeitpunkt und Erntezeitpunkt ... für Deutschland gelten schon aufgrund der Eisheiligen ganz andere Parameter.
Fazit: Schönes Buch zum Träumen, wenig Informationen oder Tipps, die einen wirklich weiter bringen, tolle Aufmachung, aber wenig praxistauglich