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Unseld.
 
 
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Unseld. [Gebundene Ausgabe]

Peter Michalzik
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Blessing; Auflage: 1.Auflage (2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3896671545
  • ISBN-13: 978-3896671547
  • Größe und/oder Gewicht: 22,4 x 14,7 x 4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.327.922 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Peter Michalzik
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Grösse ohne Glanz
Peter Michalziks Biographie profaniert Siegfried Unseld
Mit seiner Biographie über Siegfried Unseld hat Peter Michalzik ein Dokument der Respektlosigkeit vorgelegt. Auch Renegatentum schwingt darin mit. Der 1963 geborene Journalist war einmal ein Suhrkamp-Jünger, für den die intellektuelle Welt massgeblich aus Büchern von Suhrkamp-Autoren bestand. «Warten auf Godot» zog den Teenager Michalzik in Bann; noch heute vermutet er in Samuel Beckett die «grösste Figur, die sich im Suhrkamp-Kosmos bewegt hat». Im Kulturbetrieb besteht die Neigung, den Herrn des Hauses Suhrkamp mit dem Programm des Verlags zu identifizieren: Siegfried Unseld erscheint als Schöpfer und Lenker einer Institution, die mit ihren Veröffentlichungen das geistige Klima der Bundesrepublik geprägt hat, und er wird dabei zu einer gestaltgebenden Macht der Zeitgeschichte. Das dünkt Michalzik zu viel der Ehre, hier endet seine Jüngerschaft. George Steiner hat, als er vor dreissig Jahren das Schlagwort von der «Suhrkamp culture» schuf, den kanonischen Rang von Suhrkamps Editionen auf zwei den Verlag bestimmende Kräfte zurückgeführt: «cultural-political vision and technical acumen». In Michalziks Porträt bleibt von dieser Zuschreibung für Unseld nur der fachliche Scharfsinn übrig. Dass der Verleger auch kulturell-politischer Visionen fähig wäre, ist nirgends greifbar. So betreibt das Buch die Banalisierung seines Helden. Schon dass Unseld sich bei der Nachfolge Peter Suhrkamps gegen intellektuell überlegene Lektoren wie Friedrich Podszus und Walter Boehlich durchsetzte, erhält einen Anstrich, als sei der Aufstieg irgendwie unverdient. Siegfried Unseld darf in Michalziks Beschreibung durch Elan und Emphase glänzen, und es wird gewürdigt, wie er sich für Autoren begeistert, sich für Neuerungen in der Herstellung, Buchausstattung und Werbung aufgeschlossen zeigt oder wie er konservativen Zunftgenossen Paroli bietet, etwa wenn er für die Präsenz von DDR-Verlagen an der Frankfurter Buchmesse kämpft. Ein fraglos tüchtiger Mann. Aber auch einer, der nach Ansicht des Biographen keine geistige Tradition verkörpert, der Tradition nicht aus sich heraus lebt, sondern sich erarbeiten muss. «Er versuchte dabei mehr zu werden, als er ist oder war. Das ist die zentrale Bewegung, das Motiv dieses Lebens, der Grund für seine Grösse», schreibt Michalzik. «Unseld. Eine Biographie» ist die Frucht einer langjährigen Beschäftigung mit dem Porträtierten, reich an Details, flott geschrieben. Unselds schürzenjägerische Unternehmungen kommen vor, indessen weiss Peter Michalzik auch literaturhistorische Neuigkeiten beizutragen. Eine echte Trouvaille sei als Beispiel erwähnt: 1914 publizierte Hermann Hesse, der wichtigste Suhrkamp-Autor, in der NZZ die Schrift «O Freunde, nicht diese Töne». Seither galt Hesses Pazifismus als ausgemacht. Michalzik aber hat, und dies wohl als Erster, ein «Zum Sieg» betiteltes Brevier von 1915 ausgegraben, das einen ganz anderen Hesse zeigt: Geschrieben für Soldaten im Felde, rühmt es den Krieg als Schule von Ausdauer und Unerschrockenheit. Michalzik versäumt es nicht, von hier einen Bogen direkt zu Siegfried Unseld zu schlagen: Situationen durchzustehen, auch solche mit den Autoren, die manchmal Unmögliches von ihm verlangten, sei «seine wichtigste Qualität als Verleger» geworden. Gut möglich, dass Unseld hier sogar zustimmen würde, so wenig ihm auch sonst Michalziks Biographie gefallen kann. Man wird es dem Autor nicht verübeln können, wenn er mit aufklärerischem Anspruch Unselds Selbststilisierungen zu Leibe rückt. Doch setzt sich Michalzik mit immer wieder eingestreuten Flapsigkeiten dem Verdacht aus, ihn bewege mehr als das Bemühen um sachliche Distanz. Formulierungen wie die, dass Unseld sich «ausweine» (mal bei Johnson, mal bei Mitscherlich) oder dass «Saufereien ihm ermöglichten, wenigstens kurzfristig in einem Gefühl inniger Verbundenheit mit den Autoren zu baden», sind sprachlich unangemessen und verraten Aggressivität. Wie der Stil ist auch die Erzählhaltung problematisch. Michalziks grosse Leidenschaft ist das Psychologisieren, und er frönt ihr als auktorialer Erzähler, der genau zu wissen vorgibt, wie es um Unselds Seelenleben bestellt ist: was den Verleger beeindruckt, was ihn enttäuscht und bewegt und wann der Zeitpunkt kam, dass «es Befriedigung für ihn nur im Wachsen, in der Grösse, im Haben gab». Gekrönt werden diese romanhaften Züge des Buches durch Prologe, in denen Siegfried Unseld sein Innerstes nach aussen zu kehren scheint. Diese vermeintlichen Selbstgespräche treten als Zitate auf, sind in Wahrheit jedoch bloss Fiktionen. Als «Scheinzitate» hat sie der Suhrkamp-Verlag in einer 18 Seiten umfassenden, vorab unter Journalisten gestreuten «Errata-Liste» beanstandet. Die Rüge ist berechtigt, die Liste hat allerdings auch dubiose Aspekte. Nachdem wir kürzlich erleben durften, wie ein Buch Martin Walsers bereits vor der Drucklegung in der Zeitung besprochen und attackiert wurde, ist es diesmal Walsers Verlag, der publizistische Präventivschläge führt, noch bevor der inkriminierte Gegenstand die Buchläden erreicht. Hatte Suhrkamp diese Praxis nicht eben noch als skandalös beklagt? Eine Prüfung der Liste und der Beanstandungen zeigt: Peter Michalzik lassen sich zahlreiche Schlampereien, zumal falsche Schreibungen und fehlerhafte Zitate, nachweisen. Auch einige Fakten stimmen nicht. Vieles an der Liste jedoch ist Erbsenzählerei, anderes eine Frage der Auslegung oder in der Argumentation schief. Eine erste Erwiderung des Blessing-Verlages, wo Michalziks Buch erscheint, deckt Ungereimtheiten in den «Errata» auf. Kenner der Verhältnisse in Frankfurts Lindenstrasse meinen überdies, dass Suhrkamps Strategen die Gelegenheit des Widerspruchs nützten, um die Rolle von Unselds verstossenem Sohn Joachim falsch darzustellen und ihn noch weiter auszugrenzen. Die Empfindlichkeit, mit welcher jetzt auf Details der Biographie reagiert wird, hat nicht nur damit zu tun, dass die Sachwalter Siegfried Unselds dessen verlegerische Leistung unter Wert porträtiert sehen. Es geht auch um Firmenpolitik, namentlich um die Problematik der Nachfolge und künftige Machtverhältnisse. Als Arbeit über eine lebende Person und gegenwärtige Konstellationen ist Michalziks Buch schlicht «zu dicht dran», um gelassen quittiert zu werden. Joachim Güntner

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.09.2002
Vollkommen misslungen findet Frank Schirrmacher Peter Michalziks Biografie des Suhrkamp-Verlegers Siegfried Unseld. Noch vor der Veröffentlichung des Buches ließ der Suhrkamp Verlag Medien und Verlagen eine umfangreiche Liste mit größeren und kleineren Fehlern zukommen, berichtet Schirrmacher, "die im Kern einen desaströsen Eindruck von dem Werk vermitteln". Tatsächlich finden sich unter der "flotten Handschrift" so viele "Lücken und Abgründe", dass sich Schirrmacher die Frage stellt, was den intellektuell ausgewiesenen Journalisten Peter Michalzik so in die Irre geführt haben mag. Statt beispielsweise über die wichtige und spannende Zusammenarbeit von Unseld mit Marcel Reich-Ranicki zu berichten, kritisiert Schirrmacher, lässt sich Michalzik über die recht uninteressante Zusammenarbeit zwischen Unseld und seinem Lektor Raimund Fellinger aus. So sieht keine Biografie für Leser aus, urteilt Schirrmacher. Und nicht einmal ein Buch für die Suhrkamp-Mitarbeiter, finden sich doch bei Michalziks Beurteilung der rechtlichen Konstruktion des Verlags Fehler, die der Rezensent nur noch "grotesk" nennen mag. Auch diese Negativ-Bewertung wird noch überboten: Die Irrtümer bei der Charakterisierung von Personen und ihren Rollen bei Suhrkamp, beispielsweise Michalziks Einschätzung von Unselds Anwalt Heinrich Lübbert oder der Schriftstellerin Ulla Berkéwicz, Unselds Ehefrau, hält Schirrmacher schlicht für "töricht". Insgesamt wird dieses Buch dem Leben des Suhrkamp-Verlegers in keiner Weise gerecht, resümiert Schirrmacher, "Unselds Leben ist groß und stark; es sprengt jeden Satz dieser Biografie".

© Perlentaucher Medien GmbH

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Th. Leibfried TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Die Biographie von Peter Michalzik über Siegfried Unseld, den berühmten deutschen Verleger, den ehemaligen Kopf des Suhrkamp-Verlags bietet dem Leser interessante Einblicke in und Details über die deutsche und deutschsprachige Literatur, deren Geschichte in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts und den Mechanismen des Literaturbetriebs.

Michalzik schildert Unseld als agilen, energetischen Menschen, der durch harte Arbeit und Eigensinnig- und -mächtigkeit in der ersten Hälfte seiner Schaffenszeit an die Spitze des deutschen Literaturbetriebs kletterte. Und er beschreibt einen Menschen, der in den letzten beiden Jahrzehnten sich einerseits selbst als Literat einbrachte und seine Bedeutung dadurch unterstrich, der andererseits jedoch privat Rückschläge provozierte, die auf sein Festhalten an der Macht und auf seinen Imperialismus zurück zu führen sind.

Michalzik hält sich bewusst, manchmal auf etwas krampfhaft auf Distanz zu dem von ihm porträtierten Unseld, der beim Entstehen des Buches noch lebte, erst kurz vor der Veröffentlichung verstarb. Dazu greift Michalzik das ein oder andere Mal auch sprachlich daneben. Ich denke, Michalzik war fasziniert von der Figur und von allem um Unseld herum, und wollte die notwendige kritische Distanz unter allen Umständen aufrechterhalten.

Für interessierte Leser der deutschen und deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts und insbesondere der Nachkriegsliteratur bietet das Buch eine Fülle von aufschlussreichen Informationen. Unselds enge Beziehungen zu Autoren wie Hesse, eine Art Vaterersatz, Frisch, Walser, Johnson, Bernhard, Enzensberger, Weiss, um nur einige zu nennen, aber auch zu zeitgenössischen Philosophen wie Habermas oder Adorno zeigen die Bedeutsamkeit des Verhältnisses zwischen Autor und Verleger. Unseld und sein Umfeld war die zentrale intellektuelle Zelle in Deutschland - ohne dass Unseld in den Augen Michalziks jemals in den Rang eines anerkannten Intellektuellen gekommen wäre - in den 60er und 70er Jahren, als Autoren in der Tagespolitik noch eine Rolle spielten.

Man fragt sich - und bedauert gleichzeitig, dass es so ist -, warum heutzutage die Literatur in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung aus der öffentlichen Wahrnehmung, aus der Gesellschaft und deren politischer Landschaft weitestgehend verschwunden ist. Und die Frage drängt sich auf, welche Autoren heute eine entscheidende Rolle überhaupt einnehmen könnten. So wie das Böll, Enzensberger, Bernhard und viele andere lange getan hatten. Literatur taucht heute im öffentlichen Bewusstsein auf, wenn Prominente (auch Politiker) ihr Leben in Gänze oder in Ausschnitten Revue passieren lassen. Ansonsten leider nicht. Ich halte das für sehr bedauerlich.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Das Buch hat einen etwas irreführenden Untertitel, denn es ist bei Lichte betrachtet viel mehr als eine Biografie des Suhrkamp-Verlegers Siegfried Unseld (1924-2002). Letztere wäre schnell zusammenzufassen: Sohn eines kleinen Beamten, Gymnasium, Hitlerjugendführer, Soldat der Wehrmacht, Verlagslehrling, Student, Verleger. Doch das greift zu kurz. Das Buch bietet viel mehr, hat man erst einmal die ersten 70 Seiten übersprungen. Es ist nämlich zugleich (oder in erster Linie?) eine Geschichte des Suhrkamp-Verlages - eines eigenwilligen Unternehmens, das in den 1960er/1970er Jahren abhob, die bundesdeutsche Kultur zu definieren. Eine Flut von Titeln entquoll diesem Verlagshaus, und, wer die Zeit bewusst erlebt hat, wird sich erinnern, dass es zwei Sorten Leute gab: Jene mit Ikea-Regalen, in denen sich diese Titel türmten, und eben jene anderen, als kulturlos beschrieenen Banausen, die diese Bücher bestenfalls einmal mit hochgezogenen Augenbrauen beblätterten, vielleicht auch die abgehobene Sprache, das Soziologenchinesisch als Versuch, das Banale komplex zu machen, begrinsten. Das Buch klingt aus mit dem, was vor wenigen Jahren als Walser-Skandal einige Feuilletons bewegte und letztlich für das Ende der Zusammenarbeit zwischen dem Verlag und seinem erfolgreichsten Autor sorgte. Aber das war dann schon nicht mehr die Sache von Siegfried Unseld, die Erben hatten das Regiment übernommen.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Günter Nawe "Herodot" TOP 100 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass Siegfried Unseld eine herausragende Verlegerpersönlichkeit war, wird dies dem Briefwechsel mit seinen Autoren entnehmen können. So aus der Korrespondenz mit Wolfgang Koeppen, mit Uwe Johnson und der kürzlich erscheinen Briefedition Thomas Bernhard-Siegfried Unseld.

Davon angeregt wurde noch einmal die 2002 erschienene Biographie von Peter Michalzik "Unseld." zur Hand genommen. Sie bestätigt nicht nur die Eindrücke aus den Korrespondenzen, sie stellt den 1924 geborenen Siegfried Unseld in seinen vielen Facetten dar, die diese Persönlichkeit ausmachten. Zu diesen Facetten gehören auch sein Machtinstinkt und dessen Umsetzung.

Aus kleinen Anfängen hat der Patriarch - und ein solcher war er - bereits 14 Jahre nach dem Kriege den renommierten Verlag übernommen. Eine Erfolgsgeschichte, die im Verlagswesen der Bundesrepublik Deutschland unübertroffen bis heute ist.

Dabei war es nicht nur das Unternehmerische, das Kaufmännische, dem er sich verpflichtet fühlte, sondern auch und im Besonderen die Liebe zur Literatur, der er fast alles unterordnete. Teilweise rigoros und rücksichtslos, dann wieder mit feinem Gespür für die geistigen Strömungen und literarischen Bewegungen seiner Zeit hat er das Verlagsschiff gesteuert.

Aus dieser Konstellation heraus entstanden die großen Suhrkamp-Reihen, die das geistige Klima der Bundesrepublik nachhaltig geprägt habe - Bibliothek Suhrkamp, edition suhrkamp, suhrkamp wissenschaft. Die wichtigsten Autoren fanden im Suhrkamp, im Insel Verlag ihre Verlagsheimat: Walser und Handke, Johnson und Bernhard und Habermas. Vielen von Ihnen war Unseld freundschaftlich verbunden.

Michalzik hat gut und gründlich recherchiert - und lesbar geschrieben. Und so ist sein Buch eine Hommage an Siegfried Unseld und vor allem eine Literatur- und Verlagsgeschichte, geprägt von dieser einzigartigen Persönlichkeit.

Anmerkung am Rande: Umso bedauerlicher ist das aktuelle Geschehen um diesen traditionelle und bedeutenden Verlag. Was Unselds Frau Ulla Berkewicz daraus gemacht hat, ist ein Trauerspiel.
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