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Unscharfe Bilder: Roman
 
 
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Unscharfe Bilder: Roman [Taschenbuch]

Ulla Hahn
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Mai 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423133201
  • ISBN-13: 978-3423133203
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 260.084 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Ulla Hahn
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

1939 begann der Zweite Weltkrieg und endete laut Geschichtsbuch sechs Jahre später. Bei der Lektüre von Ulla Hahns neuem Roman (und verschiedenen anderen Publikationen) kommen einem Zweifel an dieser simplen Gleichung.

Für Hans Musbach ist sie lange aufgegangen. Dank eines harmonischen Familienlebens, Erfüllung im Lehrerberuf und moralischer Rückendeckung durch seine geliebten Klassiker glaubte er "diese Jahre abgekapselt wie die Splitter in meinem Bein". Doch dann rückt ausgerechnet Tochter Katja, selbst Lehrerin, dem Achtzigjährigen mit Fotos aus der Wehrmachtsausstellung zu Leibe und lässt seine "Dämme gegen das Erinnern" brechen. Zuerst zögerlich, dann immer bereitwilliger, ja fast besessen erzählt Musbach vom Krieg, von seinem Krieg, manchmal "wie von einer romantischen Landpartie", wie Katja ihm vorwirft.

Sie wittert überall Verklärung und Verdrängung, gleichzeitig verkraftet sie kaum die drastischen Erinnerungsbilder, die aus dem Munde des Vaters kommen "wie Eiter aus einer schmutzigen Wunde". Sie wird die Geister, die sie rief, nicht mehr los, schwankt zwischen anklagendem Pathos ("Blumen blühen auch unter einem Galgen.") und blankem Unverständnis. "Er sollte erzählen, was sie hören wollte", doch was will sie eigentlich? Dem Leser jedenfalls gehen Musbachs Berichte über große und kleine Grausamkeiten und die "Angst vor körperlicher Zertrümmerung" näher als jedes noch so aufwändige Hollywood-Epos über Vietnam oder den D-Day.

Genau wie Katja (und Uwe Timm Am Beispiel meines Bruders) haben wir Mühe, "das ganze Bild zu sehen", das Leid der Soldaten nicht gegen die Verbrechen der Wehrmacht aufzurechnen, beides gleichermaßen gelten zu lassen, ohne dass alles gleich gültig wird. Dass der faktengesättigte Roman darüber nicht zum Lehrstück verkommt, verdankt er den glaubwürdigen Hauptfiguren, einer gnadenlos poetischen Sprache und Hahns Weigerung, sich auf eine Sichtweise festzulegen. Dieses Bemühen führt im letzten Teil allerdings zu einigen seltsamen Handlungssprüngen.

Hans Musbach -- "immer dagegen und doch immer dabei" -- wäre uns auch so in guter, nein: in zwiespältiger Erinnerung geblieben. Wie Christoph Amend versucht Hahn die Großväter zum Sprechen zu bringen, stellvertretend für die junge Generation und modellhaft für die Achtundsechziger. Zur Nachahmung empfohlen? Vielleicht. Erst einmal zum Nachlesen. --Patrick Fischer -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Neue Zürcher Zeitung

Immer dagegen und immer dabei

Ulla Hahns Roman «Unscharfe Bilder»

Hans Musbach, wohnhaft in einer piekfeinen Seniorenresidenz an der Hamburger Alster, versucht cool zu bleiben. Dem pensionierten Oberstudienrat fehlt der Umgang mit den jungen Leuten, den er im Schuldienst gewohnt war, und so muss er noch immer lernen, mit diesem Verlust gelassen umzugehen. Allenfalls die Gespräche mit dem Dienstpersonal bieten eine willkommene Abwechslung, aber sie bleiben flüchtig und gehen über den Austausch von ein paar Höflichkeiten selten hinaus. Umso mehr freut sich Musbach, wenn ihn seine Tochter Katja, ebenfalls Lehrerin, in seinem wertvoll möblierten Appartement besucht und er mit ihr eine Unterhaltung führen kann, die seinem Bildungshorizont entspricht. Man weiss zunächst nicht, was Ulla Hahn mit diesem Musbach vorhat, und das ist gut so. Spätestens seit ihrem autobiografischen Opus magnum «Das verborgene Wort» gilt sie als eine Autorin, die die Nuancen liebt und ihren Leser trotz aller Detailverliebtheit nicht langweilt. Auch hier kann man das gemächliche Tempo, mit dem sie in das gepflegt hanseatische Ambiente führt, durchaus geniessen; ganz besonders dann, wenn die feine Ironie, mit der sie sich der Gewohnheiten ihrer Senioren annimmt, an Bernhard Sinkels unvergesslichen Film «Lina Braake» erinnert. Doch dann merkt man ziemlich bald, dass das Altendomizil nur als Staffage dienen soll und es ernste Didaktik sein wird, die diesen Roman steuert. Nachdem Katja die Wehrmachtsausstellung «Verbrechen im Osten» besucht hat, legt sie ihrem Vater mit stummem Vorwurf den Katalog zu der umstrittenen Ausstellung vor. Musbach, der sich gerade mit dem römischen Diktator Sulla beschäftigt, ignoriert die Wehrmachtsausstellung und schaut sich in der Hamburger Kunsthalle lieber die weltabgewandten Bilder des dänischen Malers Vilhelm Hammershoi an. Doch umso mehr wird er von seiner Tochter ins Gebet genommen, die wissen möchte, ob er von den Verbrechen der deutschen Wehrmacht im Osten gewusst hat oder gar an ihnen beteiligt war. Zunächst widerwillig, dann zunehmend von seinen Erinnerungen mitgerissen, beginnt Musbach vom Russland-Feldzug, an dem er als einfacher Infanterist teilnahm, zu erzählen. Er ruft nun seine Bilder vom Krieg in seinem Gedächtnis auf, Bilder, die nicht die Deportationen von Juden und Massenvernichtungen belegen, sondern das erlittene Grauen an der Front zeigen: Bilder von den unsäglichen Strapazen, von Kälte, Elend und Hungersnot und vor allem von den Kameraden, die – irre geworden an den Kriegsgreueln – ohne Deckung in den feindlichen Kugelhagel liefen. Katja bleibt zwar von den emotional aufgeladenen Schilderungen des Vaters nicht unbeeindruckt, beharrt aber doch auf ihrer Frage nach seiner Schuld. Zugleich merkt sie, dass angesichts der Gegenüberstellung beider Wahrheiten ihr Bild vom Krieg unscharf zu werden beginnt und die erhoffte Klarheit nie mehr herstellbar wird. «Doch ist das Unscharfe nicht gerade das, was wir brauchen?», fragt Ulla Hahn mit einem vorangestellten Zitat von Ludwig Wittgenstein. Auch in die Erinnerungen des Vaters mischen sich nach und nach Zweifel an der Richtigkeit der eigenen Kolportage. Ihm wird bewusst, dass er die Nazizeit bisher als eine Abfolge von Bildern betrachtet hat, auf denen er nicht vorkommt. Hat er sein Wissen über die Verbrechen der Wehrmacht verdrängt, war er nicht doch ein Mitläufer, der – wie die Tochter mutmasst – «immer dagegen und immer dabei» war? Ulla Hahns Roman, der am Ende eine überraschende Wende nimmt, ist in erster Linie ein löblich ambitioniertes Buch, auch wenn es allzu offensichtlich den derzeit virulenten Trend bedient, in der Nation der Täter ein Volk von Kriegsopfern zu sehen. Ulla Hahn macht sich die Mühe, zwei höchst komplizierten Bewusstwerdungsprozessen gerecht zu werden, die zunächst parallel zueinander verlaufen und sich erst zögernd einander annähern. Anerkennenswert auch, dass sie beiden Positionen Verständnis entgegenbringt, ohne den spät ausgetragenen Generationenkonflikt dadurch zu verwässern. Und schliesslich gelingt es ihr, vermeintlich Vielgehörtes und Vielgelesenes über die Grausamkeit des Russland-Feldzugs so aufzurauen, dass seine Details authentisch und erschütternd wirken. Doch warum überhaupt diese Mischung aus erzählerischem Rahmen und verarbeiteter Authentizität, wenn es letztlich doch das Dokument ist, das zählt? Als Romanautorin hat sich Ulla Hahn mit diesem Buch unter-, als Wahrheitssucherin überfordert. Die Lehrbuchhaftigkeit, mit der sie ihre Lektion durchpaukt, erfordert beim Leser viel Geduld, die narrativen Passagen, die sie als Entschädigung für moralische Fingerzeige und gedankliches Argumentieren anbietet, halten sich in Grenzen. Es überwiegen die guten Absichten, die bekanntlich noch keine guten Bücher machen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
wie war es wirklich? 28. Oktober 2003
Format:Gebundene Ausgabe
ulla hahn versteht es, eine geschichte zu erzählen und bis zur hälfte war ich wirklich sehr angetan. können die *nachgeborenen* wirklich wissen, wie es den eltern im krieg ergangen ist und vor allem auch über das verhalten richten? was wussten die eltern wirklich, was haben sie erst später erfahren? in dem dialog zwischen tochter und vater und somit auch dem leser wird diese frage immer wieder zur diskussion gestellt, ohne dass es eine eindeutige antwort gibt.
leider gewann dann irgendwann ein sehr oberlehrerhafte ton die oberhand. der dialog wurde für mich immer unglaubwürdiger und zum schluss war ich eigentlich froh, als ich das buch ausgelesen hatte. lässt einen aber nachdenklich zurück.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
25 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Der neue Roman von Ulla Hahn entstand vor dem Hintergrund der Debatte um die Kriegsverbrechen deutscher Soldaten der Wehrmacht an der Ostfront. Aufhänger der Geschichte ist denn auch der Umstand, dass eine Tochter in einer Ausstellung ein Foto einer Erschießung entdeckt, auf welchem sie ihren Vater zu erkennen glaubt. Dieser ist pensionierter Lehrer und lebt in einem Altersheim, wo er sich, geistig noch rege, vor allem mit seiner geliebten Alten Geschichte beschäftigt. Sein Alltag wird jäh unterbrochen, als seine Tochter ihn mit dem Ausstellungskatalog konfrontiert und ihm Erklärungen abfordert. Der alte Mann möchte sich dem zunächst verweigern, doch leben allmählich alle Erinnerungen an den Krieg wieder auf. Er erzählt seiner Tochter vom Krieg. Dabei erhält sie allerdings nicht die Antworten, die sie sich erhofft, sondern muss feststellen, dass auch ihr Vater Opfer und nicht nur (vermeintlicher) Täter war.
Das Buch ist flüssig geschrieben und fesselt insbesondere dann, wenn der Vater in seinen Erinnerungen versinkt. An manchen Stellen ist die Geschichte etwas pathetisch und mit Symbolhaftigkeit überladen, doch tut das der Spannung keinen Abbruch. Ulla Hahn zeigt die Grenzen eines schwarz - weiß -Denkens auf, ohne hierbei aufdringlich oder moralinsauer zu werden.
Insgesamt ist der Roman hervorragend gelungen und regt zum Nachdenken an. Eines der besten Bücher dieses Jahres.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Valentine TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Hans Musbach, ehemaliger Studienrat an einem Hamburger Gymnasium, lebt nach dem Tod seiner Frau seit ein paar Jahren in einem Seniorenheim. Seine Tochter Katja, ebenfalls Studienrätin, besucht ihn beinahe jeden Tag. Zu ihrem Vater hatte sie schon immer ein besseres Verhältnis als zur Mutter, doch es gab Themen, die sie nie ansprechen durfte.

Nachdem sie die umstrittene "Wehrmachtsausstellung" über die Taten deutscher Soldaten im 2. Weltkrieg besucht hat, drängt es Katja jedoch aus tiefster Seele, das Tabu zu brechen, erschüttert von den Bildern, die sie in der Ausstellung gesehen hat und vor allem davon, dass sie auf einem ihren Vater gesehen zu haben glaubt, der seinen Schülern stets gepredigt hat, wachsam zu sein, damit so etwas wie das Dritte Reich nie wieder geschehen kann.

Musbach beginnt zu erzählen, bei jedem Besuch Katjas ein wenig mehr, und es entsteht ein schonungsloses Bild der Grausamkeiten, die auf beiden Seiten verübt wurden, aber auch von hier und da aufblitzenden Momenten der Menschlichkeit - und von Hugo, seinem besten Freund, der den Krieg nicht überlebte.

Für beide, Vater wie Tochter, ist es gleichzeitig befreiend und belastend, so tief in die Vergangenheit einzutauchen. Katja ist hin- und hergerissen zwischen Verständnis für den damals noch sehr jungen Mann und dem Entsetzen, dass es niemand gelungen ist, Hitler und die Nazis rechtzeitig zu stoppen.

Aus unscharfen Fotografien werden die gestochen scharfen Erinnerungen und Berichte des Vaters, die Ulla Hahn ohne zu urteilen neben die typischen Reaktionen der Nachkriegsgeneration stellt. Der Leser muss sich selbst eine Meinung bilden, wie Musbachs Erfahrungen einzuordnen sind. Ein echter Nazi war dieser nie, zum Kriegsdienst wurde er eingezogen und hatte sich nicht freiwillig gemeldet.

Sprachlich ist das Buch ein Genuss, die Erinnerungen des Vaters sind allerdings zu geschliffen und gewählt ausgedrückt, um als wörtliche Rede wirklich glaubwürdig zu sein, doch das nur am Rande. (Und die mehrmalige Verwendung von "er erinnerte das" statt "er erinnerte sich daran" störte mich.)

Eine realistische Darstellung der Auseinandersetzung der Kriegs- und der Nachkriegsgeneration mit den furchtbaren Geschehnissen im 2. Weltkrieg, die bei allen Beteiligten tiefe Spuren hinterließen.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
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Veröffentlicht am 14. August 2009 von Günter Nawe "Herodot"
Trauriges Fragment
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Veröffentlicht am 15. Juni 2007 von Kate
Spannendes Thema-Schwache Bearbeitung
Ulla Hahn hat sich mit dem an und für sich interessanten Thema offensichtlich überfordert, denn sie kratzt bei der Schilderung des Vater-Tochter-Konflikts im Angesicht... Lesen Sie weiter...
Am 9. Oktober 2005 veröffentlicht
Unreflektiert und gequält
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Am 22. März 2004 veröffentlicht
Misslungen
Das Positive dieses Romans zuerst: die Idee, dass jemand den eigenen Vater auf einem „unscharfen Bild" als Beteiligten an Wehrmachtsverbrechen zu erkennen vermeint, ist... Lesen Sie weiter...
Am 13. Februar 2004 veröffentlicht
Schon besseres gelesen
Das Buch befaßt sich mit einem wichtigen Thema, der Verstrickung mit und damit auch der Schuld des Einzelnen an den Grausamkeiten des Nationalsozialismus. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 16. Oktober 2003 von "ralphmuellerbrbr"
Interessante Geschichtsaufarbeitung
Im Buch kollidieren verdrängte Geschichte von Zeitzeugen mit der Auffassung der neuen Generation. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 4. Oktober 2003 von "danielberg16"
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