"Sie standen vor dem großen Tor, um sie herum ein leerer, offener Landstrich, ein hässlicher Landstrich mit flachen, schlammgetränkten Feldern."
Vom ersten Satz an erzeugt die Autorin eine düstere und verstörende Atmosphäre, die sich auf den insgesamt 126 Seiten immer mehr steigert. Einige der Figuren verbergen ein Geheimnis, haben eigene Pläne, die unwissentlich von den anderen durchkreuzt werden. Es sind kleine Handlungen, beiläufige Tätigkeiten, die weitreichende Folgen nach sich ziehen. Da verschwindet ein Handy, werden Essenspakete hinter Vorhängen versteckt, wird ein Medikament gegen Herzrasen in einer Apotheke abgeholt, usw..
Die Geschichte wird in kurzen, komprimierten Szenen erzählt, deren Dichte und Ausschnitthaftigkeit die verstörende Atmosphäre noch verstärken. Vieles bleibt in der Schwebe, wird kunstvoll ausgespart und steht doch klar und deutlich im Raum. Die eigenwillige Sprache, manchmal spröde, manchmal etwas hölzern, verhindert das Abgleiten ins Pathetische/Kitschige, hat aber auch an manchen Stellen meinen Lesegenuss ein wenig geschmälert. Ob das eventuell an der Übersetzung liegt, kann ich nicht sagen, da mir das englische Original zum Vergleich fehlt.
Das war mein erster Roman von Julia Leigh, aber er hat mir gut gefallen, so dass ich mir auch ihren Debütroman "Der Jäger" zulegen werde. "Unruhe" liest sich schnell "weg", entwickelt dabei für mich aber einen "Nachhall". In den letzten Tagen habe ich immer wieder über mehrere Szenen nachgedacht. Die Geschichte selbst ist spannend, die Figuren überraschen und sind vielschichtig.