Es ist gar nicht so leicht einen Einstieg in dieses Werk von Fernardo Pessoa zu finden. Was genau ist dieses Buch eigentlich? Ein Roman oder eine Sammlung von Prosafragmenten und Tagebucheindrücken? Der Erzähler ist Bernardo Soares, ein Hilfsbuchhalter aus Lissabon. Ansonsten erfährt man über das äußere Leben des Protagonisten kaum etwas, er spricht von Freunden, sie bleiben jedoch namenlos. In seinem Unruhebuch versenkt er sich in die tiefsten Winkel und Schichten seines Inneren und lotet sein inneres Leben aus, getreu seinem Motto, sein wahres Leben finde in seinen Träumen statt. Sprachlich sind seine Gedanken so ausgefeilt, dass jeder Satz für sich als eigener Aphorismus stehen könnte. Das Buch ist geradezu ein Zitateschatz. An vielen, vielen Stellen hatte ich das Gefühl (und dieses Gefühl ist vielleicht der Hauptlohn des Lesens), dass Pessoa dort etwas Ausdruck verliehen hat, was in meinem Inneren nur als vager vorsprachlicher Schatten sich findet. Ich muss jedoch sagen, dass ich froh war am Ende die dunkle, einsame Welt des Bernardo Soares wieder zu verlassen. Wenig Wert legt er auf das Soziale, Trost und Leben findet er eigentlich nur in sich selbst. Die Menschen, vor allem die Erfolgreichen, betrachtet er mit Mißtrauen. In kleinen Happen genossen ist Das Unruhebuch jedoch ein Augenöffner.
Das Hörbuch verdeutlicht sowohl die Vor- als auch die Nachteile des Mediums. Der mündliche Vortrag - von Udo Samel hervorrragend gelesen - schafft eine Intimität, die dem Werk sehr gerecht wird. Man hat fast das Gefühl Bernardo spreche mit einem. Ich hatte allerdings oft das Bedürfnis zurückzublättern, Sätze merhmals zu lesen, was beim Hörbuch ja viel komplizierter ist als beim Buch. Daher habe ich mir auch zugleich das Buch gekauft und werde sicherlich häufig darin herumlesen. Zum herumlesen laden die losen Szenen und Eindrücke des Romans geradezu ein. Das Hörbuch war jedoch ein gelungener Einstieg in das Werk von Fernando Pessoa!