Es war schon eine kleine Sensation, als Anfang 2001 zwei junge Norweger, die "Kings of Convenience", mit ruhigen Gitarrensongs und der lautstarken Verkündung "Quiet is the new loud" das "New Acoustic Movement" aus der Taufe hoben. Jetzt tut sich wieder was bei den Nordlichtern, Erlend Oye, (unfreiwilliger ?) zweiter Mann des Duos, unlängst als Gastsänger für Röyksopp in den Schlagzeilen, sorgt mit einem Soloprojekt für Aufsehen: Die neu - entdeckte Liebe zur elektronischen Musik gab den Anstoß, die traute Heimat zu verlassen, um in der Ferne nach den passenden Sounds für neue Songs zu suchen.
Die Herren Schneider TM, Morgan Geist, Prefuse 73 und Co. schraubten ihrem Besucher in meisterhafter Manier ein synthetisch - poppiges Klanggerüst, das dieser dann mit seinem hinreißend - schönen, obgleich nordisch - kühlen Gesang ausschmückt. Die neue Ausdrucksform schafft Raum für Experimente: Erlend singt Französisch und Italienisch, rappt, arbeitet dem Beat entgegen, schmiegt sich wieder an die Melodie, schmilzt dahin.
Letztlich setzt er auf fremdem Terrain auf Altbewährtes: Atmosphärisch - dichte Stücke, an manchen Stellen etwas holprig, aber im Gesamten sehr homogen, von einer angenehmen Ruhe und Gelassenheit durchzogen, die zwar gerne mal melancholisch anmutet, doch nie pathetisch - schwülstig wird und mit einer gehörigen Brise Humor abgeschmeckt ist.
Da verzeiht man auch die arg auf die eigene Person zugeschnittene Aufmachung des Albums (siehe einmal mehr das Cover): Erlend hat sich eine eigene, ganz und gar ihm unterstellte Welt erschaffen ("This new world of mine"), deren Mittelpunkt nun mal er, und nur er selbst ist - Wer auch sonst ?! Das Album wird zum Selbstfindungstrip: Erlend fallen zuhause die norwegischen Gardinen auf den Kopf, Bergen ist nicht der Nabel der Welt, deshalb zieht er los, "rastlos" wie er ist, um sich und die verschiedensten Dinge ausprobieren und den eigenen Weg zu ergründen und zu erforschen.
Und stürzt sich, nicht heiß aber lauwarmhungrig in dieses kleine Nicht-Akustische-Abenteuer. Das kommt ziemlich real rüber und wirkt, wie die übergroße Brille, überhaupt nicht aufgesetzt. Ganz im Gegenteil: Die Extraportion Eigenwille und Extravaganz versprüht eine ungeheuer positive Energie, die ansteckt und anspornt, es ihm gleich zu tun.
Danke dafür. SiS