Die Rückkehr des "verlorenen Sohns" Wes Borland und der Wirbel um angebliche Drogenprobleme John Ottos
ließen schon vorab vermuten, dass das neue Album kein Kuschelrock werden würde. Und so kehrt mit Wes nun auch die
auf Results May Vary schmerzlich vermisste Härte zurück.
The Unquestionable Truth Part 1 kommt roh und Metal-lastig daher und hat durchaus die Eigenschaft, den Zuhörer beim
ersten mal musikalisch zu erschlagen. Ein Vergleich mit Metallica's St. Anger drängt sich auf und ist im Grunde nicht
abwegig. Beide Alben sind musikalische und emotionale Befreiungsschläge ohne Rücksicht auf Verluste.
Man merkt, dass es dafür bei Limp Bizkit an der Zeit war, konnte die Band doch mit ihrem Übergangsgitarristen
Mike Smith nie ihr volles Potential entfalten.
Die CD hat zugegebenermaßen mit knapp 30 Minuten eine relativ kurze Spielzeit. Dies liegt jedoch daran, dass demnächst
Part 2 folgen wird, der den ersten Teil komplettieren wird (Ähnlichkeiten zu Kill Bill sind rein zufällig ;-)
Hier möchte ich allerdings auch anmerken, dass ein-Sterne Bewertungen wegen der kurzen Spielzeit und des trotzdem
hohen Preises nicht gerechtfertigt sind, da die Band auf ihrer HP klargestellt hat, dass sie den Preis einer EP
angesetzt hat (wohl im Bereich 7-9¤), jedoch die Plattenläden das letzte Wort beim Preis haben.
Die CD beginnt mit "The Propaganda", einem hämmernden Maschinengewehr-Riff und Fred Durst, der unter Absintheinfluss
mit disharmonischem Gesang loslegt. Schon hier hört man deutlich Wes's Einfluss, denn die Riffs auf TUT gehören zum
härtesten, aber auch besten, was Limp Bizkit seit langem zustande gebracht hat.
Direkt danach folgt der sicherlich beste Song des Albums "The Truth". Nach einem düsteren Intro folgt ein genialer
Basslauf und ein eingängiger Refrain.
"The Priest", "The Story" und "The Channel" sind ebenfalls brachial, wissen aber trotzdem nach mehrmaligem Hören
zu gefallen. Der Gesang von Fred bewegt sich in genannten Songs zwischen Sprechgesang, Wehklagen und purer Aggression,
was einerseits sicherlich gewollt ist, andererseits aber auch zum Sound und dem Album insgesamt passt. "The Key"
ist eher als Hip-Hop Interlude zu sehen, da es nur 1:24 dauert.
"The Surrender" ist ein ruhiger Song, der die CD ausklingen lässt, bei dem zwar auch keine recht Harmonie aufkommt,
jedoch hätte ein Lied a la "Behind Blue Eyes" hier auch nicht hingepasst. Freds Stimme klingt auch bei diesem Song
manchmal etwas 'schräg', doch muss man positiv anmerken, dass man "The Surrender" wie auch dem Rest des Albums nicht
"zu Tode" produziert hat, sondern dem Zuhörer ungefilterte Kost bietet.
The Unquestionable Truth ist der musikalische Ausbruch, auf den viele Fans der frühen Limp Bizkit-Werke gewartet haben
werden, der allerdings - das steht fest - auch nicht bei allen Zuhörern Gefallen finden wird.
Um es mit den Worten Heraklits zu sagen:
"Wenn du die Wahrheit suchst, sei offen für das Unerwartete, denn es ist schwer zu finden und verwirrend,
wenn du es findest"