Der englische Philosoph Bertrand Russell, der auch als Logiker, Mathematiker und zudem als einer der Väter der «analytischen» Philosophie rubriziert wird, gehört zu jenen hervorragenden Geistern des 20. Jahrhunderts, die in der Philosophie keine ausschliesslich weltferne Angelegenheit von und für Spezialisten sahen. Als wahrhaftiger «Philosoph für die Welt» hat er sich auch mit gesellschaftlichen und politischen Fragen auseinandergesetzt; mit dem drohenden Atomkrieg ebenso wie überhaupt mit dem Verhältnis der Philosophie zur Politik. Es sind kleinere Aufsätze, allesamt in einer makellosen und für den Laien verständlichen Sprache gehalten, mit denen Russell immer wieder vor dem Dogmatismus der Linken wie der Rechten, den Unfehlbarkeitsdogmen der Religionen wie überhaupt vor der «Genealogie des Unsinns» warnte. Popularphilosophie im besten Sinne war das; und unpopulär waren diese Aufsätze in keiner Art und Weise, auch wenn Russell sie 1950 auf Englisch in einem Band mit dem ironischen Titel «Unpopular Essays» hat erscheinen lassen. Unverändert aktuell sind die Aufsätze noch heute, und von ihrer Brisanz haben sie gar nichts verloren. Noch immer geht es um «Ideen, die der Menschheit genützt haben», und um «Ideen, die der Menschheit geschadet haben». Hat die philosophische Ethik die Menschheit weitergebracht? Was tut die Philosophie hier und heute, konkret und im Alltag der Menschen dafür, dass die Welt ein Ort bleibt, an dem es sich zu leben lohnt, mit Heiterkeit und ohne Fundamentalismus und Dogmatismus? Eines von Russells essayistischen Meisterstücken ist sein Nachruf auf sich selbst von 1937. Russell erhielt auch den Nobelpreis.