Ähnlich wie Bob Dylan hat auch Neil Young mit seinem Unplugged-Album gezeigt, warum er immer noch zur Referenzklasse der Singer/Songwriter gehört, und unzählige Musiker beeinflußt hat. Der Musik-Veteran aus Kanada darf wohl getrost zu den Urgesteinen der Branche gezählt werden: von seinen akustischen Anfängen zu Woodstock-Zeiten in der Schrammler-Riege Crosby, Stills, Nash & Young bis hin zu seinen Feedback-Orgien mit den Grunge-Rockern von Pearl Jam in den 90ern war Neil Young immer eine fixe Größe im Musikgeschäft.
Auf diesem Album macht Neil Young das, was er am besten kann. Der Mann zählt nicht umsonst zu den ganz Großen auf der Akustikgitarre und seine Unplugged-Show benötigt keine Experimente oder ausgefallene Arrangements. Mit der Gitarre auf dem Schoß, der Mundharmonika umgeschnallt und gelegentlich (bei "Helpless" oder "Stringman") auch am Piano sitzend spielt und singt er sich durch ein entspanntes Set mit einigen seiner bekanntesten Nummern. Das für den frühen Neil Young typische, countryeske Feeling verbreitet Lagerfeuerstimmung und läßt (speziell bei "Harvest Moon") Sehnsucht nach lauen Sommernächten aufkommen.
Die absoluten Highlights kommen meiner Meinung nach zum Schluß, auch wenn wir dann mit der Drogenballade "Needle and the damage done" oder einer orchestralen Version von "Like a Hurricane" bereits einige seiner größten Klassiker hinter uns haben. Aber die letzten 4 Songs ("The Unknown Legend", "Look out for my love", "Long may you run" und "From Hank to Hendrix") zählen schlicht und ergreifend zum besten, was MTV Unplugged jemals übertragen hat.