Wie so viele, besann sich auch Rod Stewart Anfang der Neunziger auf seine Wurzeln - und die Tatsache, dass handgemachte Musik vielleicht doch mehr Tiefe und Aussagekraft entwickelt als der allseits nervige Radio-Pop, mit dem auch er selber seit vielen Jahren unterwegs war. Angesichts dieser Veröffentlichung durfte man erfreut ausrufen: "Wer hätte gedacht, dass er es doch noch kann...?!"
Rods berüchtigter Humor kommt durch, wenn er etwa Hot Legs als "a nice, slow ballad" ankündigt. Und da er mit Kevin Savigar und Jim Cregan zwei Mitstreiter aus den Siebzigern dabei hat, witzelt er bei der Ansage zu einem Lied, die meisten Bandmitglieder seien zum Zeitpunkt der Aufnahme noch gar nicht auf der Welt und seine Frau erst ein Jahr alt gewesen! (Wie die Zeit vergeht... die Scheidung von Rachel Hunter ist mittlerweile auch schon wieder ein paar Jahre her.)
Der berühmteste Gaststar auf dieser CD ist natürlich Rods alter Sauf- und Bandkollege Ron Wood, mit dem er als Ersatz für Steve Marriott '69 den Small Faces beitrat (wodurch sie zu den Faces wurden) und der schöne Akzente mit offen gestimmter (Slide-) Gitarre setzt. Bis auf wenige Ausnahmen bringt Rod bezeichnenderweise Songs aus der ersten Siebziger-Hälfte (zum Glück nicht Sailing!!); und wer wäre besser geeignet als Ron Wood, einige von ihnen, die er ja zum Teil auch mitkomponierte und auf denen er mitspielte, zu begleiten (Maggie May, Mandolin Wind, Every Picture tells a Story, Stay with me...)? Ron Wood übrigens reagierte auf Rod Stewarts Album mit seiner "Plugged in...and standing"-CD!
Rod Stewart kann seinen Songs durch gelungene Arrangements neue Facetten abgewinnen und ihnen eben diese spezielle "unplugged"-Atmosphäre verleihen. In der Mitte läuft die CD Gefahr, etwas zu sehr ins Balladige und Gefühlige abzudriften (das Orchester hält sich zum Glück relativ im Hintergrund), aber Rod kriegt wieder die Kurve und rockt weiter. Mit Van Morrisons Have I told you lately gelang ihm der grosse Hit, und mit Highgate Shuffle und dem Sam Cooke-Song Having a Party sind zwei Songs zu hören, die meines Wissens zuvor auf noch keinem Rod Stewart-Album zu hören waren.
P.S. Auf den Maxi-CDs Have I told you lately und Reason to believe finden sich mit Gasoline Alley und It's all over now noch zwei weitere Songs von diesem Konzert, die qualitativ und auch von der Spielzeit her problemlos auf die reguläre CD gepasst hätten.