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4.0 von 5 Sternen
Bis unter die Haut, 12. August 2002
Rezension bezieht sich auf: Unperson (Gebundene Ausgabe)
Mit "Unperson" hat Russell Artus ein Buch geschaffen, daß zum Nachdenken zwingt. Gekonnt spielt er mit den Gefühlen des Lesers, mit Mitleid, Haß und Angst.
Wider Erwarten stehen nicht mehrere "dubiose Therapiegruppen" im Mittelpunkt, sondern Joris Roozen und der Selbstmord zweier junger Frauen: seiner Schwester Maud und seiner Freundin Liedewij.
Nach einem Prolog, in dem dem Leser ein Joris vorgestellt wird, der aus Verzweiflung eine Selbsthilfegruppe aufsucht, um den Tod seiner Schwester, an dem er sich die Schuld gibt, zu verwinden, wechselt die Perspektive.
Evelien berichtet, wie ihre Schwester Liedewij Joris kennenlernt, sich eine Beziehung zwischen den beiden entwickelt, die sie schließlich in Tod treibt. Sie versucht verzweifelt das Rätsel um Liedewijs Selbstmord zu lösen und auch sie verfängt sich in Joris' Netz.
Im zweiten Teil erzählt Artus aus der Sicht seines Antihelden von den ungewöhnlichen, ja perversen Praktiken, mit denen Gerard, der Leiter der Therapiegruppe, sie zur "Unpersönlichkeit" treiben will. Auch auf sein Verhältnis mit Maud, die von ihm nur benutzt wurde, wird hier näher eingegangen. Joris zeigt endlich sein "wahres Gesicht"...
Der Leser ist gleichzeitig gefesselt und abgestoßen. Er ist ein Spielzeug in Artus' Händen, der ihn in die Tiefen der Trauer, der Ekstase, Hoffnung und Verzweiflung stürzt.
Ist dieser Roman ein Spiegel der Gesellschaft? Sind auch wir "Unpersonen"?
Es ist ein beunruhigender Roman, der den Leser zwingt, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Artus begnügt sich nicht, an der Oberfläche zu schürfen, sondern geht bis unter die Haut.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Das kann doch nicht wahr sein, 23. März 2002
Rezension bezieht sich auf: Unperson (Gebundene Ausgabe)
Mit dem bei Luchterhand erschienenen Roman "Unperson" hat man im deutschsprachigen Raum nach "Eine Nacht wie alle anderen" zum zweiten mal die Chance, den jungen niederländischen Autor Russell Artus (für sich) zu entdecken. Das dies lohnt, liegt an der Art und Weise, wie Artus Literatur lebt und erlebbar macht, wie es diesem hoffnungsvollen Mitdreißiger gelingt, schwierige (und nichts desto trotz interessante) Themen zwischen die Buchdeckel seiner Prosa zu transformieren. Ein großer Roman nämlich ist "Unperson" allemal, vom Umfang her und natürlich (und das ist entscheidend für die Qualität des Buches) im Ergebnis, das über weite Strecken überzeugt, mitreißt, an den Nerven zerrt und den Leser in dem aufgetanen Dschungel einer allgegenwärtigen Persönlichkeitskrise des zwanzigjährigen Helden niemals allein läßt. Dieser, Joris Roozen, hat sämtlichen Lebensmut verloren, seine Schwester ist tot und nun trennt ihn vom Selbstmord nur noch eine Therapie. Damit aber beginnt ein weiteres Drama und zieht nicht nur Joris in einen unheimlichen Strudel. Den Stellenwert von Therapiegruppen hinterfragend und die latente Gefahr von Sekten anprangernd zeichnet Russell ein wenig schmeichelhaftes Bild unserer modernen Gesellschaft. Mit allem Wenn und Aber. Entstanden ist ein facettenreicher Roman über den Tod und das Leben derjenigen, die zurückbleiben und damit nicht fertig werden, eine Geschichte um die Trauer und das Unvermögen derer zu helfen, denen es nur um`s Geld geht und nicht um die Menschen, die Hilfe dringend benötigen.
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