Zuerst war ich skeptisch, ob ich die CD wirklich kaufen sollte. Ich kannte einzig und alleine das Lied "Swamped", dass zudem nicht einmal auf dieser CD ist, aber allein schon das schöne, wenn auch schlichte Artwork-CD war sehr ansprechend. Ich hab der CD also eine Chance gegeben und es hat sich durchaus gelohnt. Eine Gesamtspielzeit von 54 Minuten ist ordentlich, wenn man bedenkt, dass heute viele CD's im Durchschnitt (mit oftmals 10-Minütigen Leerläufen zwischen letztem Track und Bonustrack) nur 45 Minuten laufen. Die Italiener haben mit der Scheibe einen gelungenen musikalischen Spaghat zwischen Metal, Gothic, Rock sowie Pop hingelegt.
1.) Heir Of A Dying Day - Schwer, schleppend und düster beginnt die CD mit diesem Track. Die Melodie ist sehr einprägsam, hat einen gewissen Ohrwurmfaktor, nebenbei wird allerdings sehr schnell klar gemacht, dass es sich bei der Band nicht um irgendeine gewöhnliche 08/15-Band handelt, denn der Sound hat was völlig eigenes, was man sicherlich noch nicht bei anderen Bands gehört hat.
2.) To Live Is To Hide - Bei diesem Lied beginnt Andrea Ferro, der Sänger der Band die Strophe, während Christina Scabbia, vorerst im Hintergrund "singselt" und im Refrain wieder die Lead-Vocals übernimmt. Diese Abwechslung tut auch gut, denn ansonsten würde das Lied nach einigen Durchläufen schnell eintönig werden.
3.)Purify - Einer der vergleichsweise eher ruhigeren Tracks der Scheibe. Nicht so düster wie die meisten anderen Tracks, eher romantisch und verträumt, aber weit vom Prädikat "Kitsch" entfernt.
4.) Senzafine - Durch den italienischen Text sticht der Song sehr stark heraus. Ist relativ "rockig", hat aber seine ruhigen Passagen, teilweise gibt es hier Sprechgesang seitens Andrea, während im Refrain langgezogene Töne anstehen. Auch wenn ich kein Wort vom Gesungenen verstehe, da ich der italienischen Sprache leider nicht mächtig bin, höre ich diesen Track ziemlich gerne.
5.) When A Dead Man Walks - Düster und melancholisch eröffnet sich dieser Song, steigert sich dann im Pre-Chorus zu einem vergleichsweise schnellerem Tempo, wobei's dann im Refrain wieder gewohnt gestreckt und schleppend wird. Ein schönes Wechselspiel zwischen ruhig und rockig, definitiv mein Lieblingslied der Scheibe.
6.) 1.19 - Beginnt gleich mit beklemmenden Riffs, weist sich sofort als ein schnelleres und düsteres Lied des Albums heraus. Auch ein sehr gelungenes Lied, bringt durch ein durchaus hörenswertes Gitarren-Solo noch etwas mehr Abwechslung hinein.
7.) Cold Heritage - Ein eher eingängiges, unkompliziertes, aber durchaus schönes Lied mit eingängiger Melodie und dicken, dominierenden Keyboardwänden, wobei sich die Gitarren mal eher im Hintergrund halten.
8.) Distant Sun - Dieser Track ist meiner Ansicht nach einer der eher weniger gelungenen, wenn nicht sogar der schlechteste. Er hat einen melancholischen, verträumten Touch, kommt aber sehr eintönig und öde rüber, hat keine wirklichen Höhepunkte
9.) A Current Obsession - Der Song fängt ähnlich wie der Vorgänger an, bringt aber noch etwas mehr Abwechslung und ist nicht ganz so eintönig. Allerdings merkt man, dass die Qualität der Cd langsam sinkt. Die Lust am Hören vergeht allerdings nicht, denn wirklich schlecht ist keiner der Tracks, genausowenig dieser.
10.) Wave Of Anguish - Fängt erfreulicherweise mit volleren Gitarren an. Man merkt, dass die Riffs der verschiedenen Liedern alle ziemlich ähnlich sind, macht aber nichts. Hat sich doch noch einer der besseren Liedern ins hintere Abteil gemogelt, für mich steht Wave Of Anguish auch nur knapp hinter Track 5, vor allem durch seine Abwechslung. Während die Strophen hier noch düster klingen und das Gefühl von Verzweiflung vermitteln, ist der Refrain auf einmal wieder verhältnismäßig hell und harmonisch.
11.) Lost Lullaby - Nicht unbedingt ein schlechter Song, aber doch relativ ähnlich wie einige Vorgänger. Der Refrain ist dann zwar doch recht eingängig und hat seinen eigenen Stil, allerdings ist das Lied an sich nicht so einprägsam wie Track 10, welcher sich meiner Meinung nach besser als Abschluss der Cd gemacht hätte.
Fazit: Trotz stellenweiser Eintönigkeit eine sehr gute Cd. Man merkt, dass Lacuna Coil zum Zeitpunkt noch nicht auf Kommerz aus waren, sondern einfach nur *ihre* Musik machen wollten, was sie auch sehr gut hinbekommen. Und wegen zwei, drei nicht so gelungenen Tracks auf die anderen wirklich tollen Songs verzichten? Nein, absolute Kaufempfehlung. Fünf Sterne.