Martin Harris steht vor seiner neuen Wohnung in Paris. Niemand erkennt ihn, nicht seine Frau, keiner der Nachbarn. Gerade wieder aus dem Koma erwacht muss Harris seine Identität beweisen - sich selber und allen anderen. Doch wie soll er dies anstellen, (fast) auf sich alleingestellt, kaum Geld in der Tasche in einer ihm noch fremden Großstadt?
Didier van Cauwelaerts Roman hört sich nicht nur spannend und interessant an, er ist es auch. Martin Harris, der als Ich-Erzähler den Roman erzählt, ist eine von A bis Z gut durchdachte Figur, deren Identifikationswert hoch ist. Mehrfach stellt man sich die Frage, was man selber in einer solchen Situation getan hätte. Ebenso glaubhaft wie die Harris' Hilflosigkeit zu Beginn des Romans dargestellt wird, führt der Autor die Entwicklung weiter fort, führt neue Figuren ein, lässt sie mal mehr, mal weniger gekonnt die literarische Bühne wieder verlassen. Einzig etwas unglaubhaft angelegt ist die Figur der Muriel, der Taxifahrerin, die Harris während beinahe dem gesamten Roman zur Seite steht. Ihre Beweggründe bleiben größtenteils schleierhaft.
Absolut fehlgestaltet ist die Covergestaltung, zwar macht sich das Filmplakat mit Liam Neeson als Titelbild immer gut, doch im Gegensatz zum Film spielt das Buch wie bereits erwähnt in Paris und nicht in Berlin. Allgemein werden diejenigen, die den Film gesehen haben und anschließend den Roman lesen eher enttäuscht sein, die Handlung des Films weicht größtenteils ab, das Buch konzentriert sich weniger auf die Action (z.B. gibt es keine Autoverfolgungsjagd), als auf Harris' Psyche.
Fazit: Ruhig erzählt, größtenteils stimmige Figuren, an den richtigen Stellen nervenaufreibend spannend jedoch insgesamt mit ca. 220 Seiten viel zu kurz ausgefallen bietet der Roman sehr gute Unterhaltung, die stellenweise zum Nachdenken anregt. Lesenswert.