Unknorke
Lars Niedereichholz
TB, 2008, Piper, 237 Seiten, 12,- ¤
ISBN 978-3-492-27159-2
Marc, von der Mentalität her ewiger Student, wird aus seinem verträumten Leben unversehens in die Realität gezerrt: Seine Freundin ist schwanger. Schluß mit lustig, ein Job muß her, um die kleine Familie zu versorgen und ihr eine adäquate Unterkunft bieten zu können. Er landet bei einer Öko-Bank als - politisch korrekte/r - AssistentIn der Geschäftsleitung. Und damit beginnt sein eigentliches Drama: Beruflich umzingelt von Ökos der Hardcore-Fraktion, fühlt er sich deplaziert und beobachtet das Geschehen in der Öko-Bank mehr, als daß er, wie es sein Job eigentlich vorsieht, produktiv an ihm teilnimmt. Seine Frau, einst die Schönste der Stadt, mutiert durch die Schwangerschaft optisch zu einem Fleischberg und mental zu einer Öko-Gretel der übelsten Sorte. Marc beschließt, sein Schicksal mit Fassung und Würde zu tragen, als zum Glück ein Unglück geschieht '
Daß der Autor Lars Niedereichholz als die wasserstoffblondierte Hälfte des Comedy-Duos "Mundstuhl" seit Jahren etabliert ist, spielt für den vorliegenden Roman keine Rolle und sei an dieser Stelle nur deshalb erwähnt, damit potentielle Leser, die hoffen oder befürchten, gesammelte und schriftlich wiedergekäute Mundstuhl-Spökskes im vorliegenden Roman vorzufinden, gleich auf den rechten Pfad geleitet werden: So ist es nicht. Der Autor hat mit dem Comedian wenig gemein, er ist besser.
Natürlich schreien eine Öko-Bank und die in ihr Beschäftigten förmlich danach, alle Klischees aufzulisten, die seit Bestehen der Öko-Bewegung grassieren. Der Autor trägt dem Rechnung, allerdings nicht, indem er - etwa wie der grottenschlechte Witzeerzähler Fips Asmussen - ein Best of Ökoscherze ziellos aneinanderreiht, sondern indem er den Leser die Geschehnisse rund um Bank und Familie miterleben läßt. Formulierungs- und pointensicher leitet er als Ich-Erzähler durchs Geschehen, deshalb macht das Lesen Spaß, auch wenn der Roman vorübergehend in das Genre Reisebericht abdriftet. Aber auch hier bleibt man als Leser gern bei der Stange, weil der launige Erzählstil beibehalten wird. Die Charaktere sind so plastisch geschildert, daß man als Leser froh ist, sie nicht zu kennen, bzw. voller Entsetzen feststellt, daß man es doch tut.
Das Geschehen selbst birgt keine thrillerimmanenten Spannungsmomente oder unerwartete Wendungen, aber das muß und soll es wohl auch gar nicht. Der Roman soll unterhalten, und das tut er.
Unterm Strich ein echtes Lesevergnügen, das durchaus noch ein paar Seiten länger hätte sein dürfen.