Meier-Hüsing hat ein wunderbares Buch zum 40. Geburtstag der Universität Bremen vorgelegt. Der Bremer Journalist und Autor, selber Absolvent und seit vielen Jahren ausgewiesener Fachmann für wissenschaftliche und wissenschaftspolitische Themen (nicht nur) mit Bremer Bezug, hat tief in den Archiven gegraben und allerhand Schätze zu Tage gefördert und erzählt ehemaligen wie heutigen Angehörigen der Bremer Uni, aber auch den außeruniversitären Wegbegleitern eine lebendige Geschichte. Von frühesten Überlegungen unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg über die konkreten Planungen und Vorarbeiten bis zum holprigen Start als junge Reform-Uni, von heißen politischen Kämpfen an heute absurd anmutenden Fronten und von der berühmt-berüchtigten 'Drittelparität' über Konsolidierung in den Achtzigern, liefert Meier-Hüsing ein facettenreiches Panorama einer deutschen Reformuniversität. Dazu kommen zahlreiche Zeitzeugen und Akteure zu Wort. Über 200 Abbildungen, darunter Faksimiles von seltenen Dokumenten (ein Auszug aus dem ersten Vorlesungsverzeichnis!), Baupläne, realisierte und verworfene Architekturmodelle sowie zahlreiche, oft farbige und Format füllende Fotos dokumentieren die Stationen der 40-jährigen Geschichte. Von der 'roten Kaderschmiede' bis zum Aufstieg in die Spitzengruppe der deutschen Forschungsuniversitäten, vom Rollkragenpullover zum eleganten Hosenanzug (oder vom Waschbeton zum edlen Klinkerbau) spiegeln sich die Entwicklungen auch in eigenen, in der Rückschau geradezu programmatisch wirkenden Ästhetiken. Herausgekommen ist beinahe ein Sittenbild der gesellschaftlichen Dynamik der vergangenen 40 Jahre, das auch für ein Publikum über Bremen hinaus von Belang ist. Um das aufzeigen zu können, hat der Verlag offenbar seine Schatullen weit geöffnet '- und auch das ist zu loben.