Jazz thing (04/02)
Gut so. Joachim Kühn lässt sich nicht beirren, allen wohlwollenden Ratschlägen und ätzenden Verrissen zum Trotz. Der wundersame Pianist nimmt auf "Universal Time" den Faden dort auf, wo er ihn nach seinem völlig unkonventionellen Soloalbum "The Diminished Augmented System" zurückließ - um dann doch in eine völlig andere Richtung zu gehen. Bert Noglik nannte Kühn, den Jüngeren, einmal einen musikalischen Weltbürger. Nun hat dieser Kosmopolit an den Tasten halt eine skurrile, sprunghafte Zeitreise mit exorbitanten Passagieren absolviert. Michel Portal, Chris Potter, Scott Colley und Horacia "El Negro" Hernandez sind in europäischen Zügen, schlaflos-pulsierenden Nächten, bei einem boppigen "Round Trip", in der "Concorde" oder ausschweifend freien "Begegnungen" mit dabei. Eine fulminante Zweckgemeinschaft, die ihre reichen Erfahrungen, knallbunten Visionen, ihr ganzes musikalisches Leben filtert, wobei Kühn in zwei Titeln als "brilliant dilettante" am Altsaxofon (!) gar seinem seelenverwandten Partner und Vorbild Ornette Coleman nacheifert.
© Jazz thing - Reinhard Köchl