Für "Universal Mother" gibt es nur Superlative zu verteilen: dies ist das beste Album, das Sinead je gemacht hat. Und es ist das vielseitigste. Und das intimste obendrein. Nie wieder (und nicht zuvor) offenbarte sie so tiefe Einblicke in ihr verletzbares und verletztes Innenleben wie auf ihrem 1994er Album. Völlig zu Recht wurde es zum Klassiker. Die Platten gesuchter und gehypter Superstars verschwinden schon nach einem Jahr aus den Katalogen. Nicht so "Universal Mother". Ganz klar ein Qualitätsbeweis.
Das Intime und Persönliche macht sich nicht nur an den Texten fest ("I'm not no red football / To be kicked around in the garden / No no / I'm a red christmastree-ball / And I'm fragile '"), sondern auch in den Arrangements der Songs. Fängt sie bei "Fire on Babylon" mit einem modernen Popsong an (der im übrigen mit ihrer Mutter abrechnet und einiges von dem erklären könnte, warum Sinead so ist, wie sie eben ist), so geht sie dann zum Kammermusikalischen über ("John I love you" und "My Darling Child" sind ineinanderfließende Liebeserklärungen an Lebenspartner und Sohn, wobei ihre Mutterliebe doch ganz schön mit ihr durchgegangen ist) und wird im Mittelteil immer spartanischer: beim Nirvana-Cover "All Apologies" gibt es nur noch eine Gitarre, "A perfect Indian" kommt neben ihrer sphärischen Stimme nur mit Klavierbegleitung aus, "In This Heart" beschränkt sich auf eine mehrstimmige irische A capella-Interpretation, und bei "Tiny Grief Song" schließlich bleibt nur noch eine übrig: Sinead. Schicht für Schicht wird eine Zwiebel abgetragen. Beeindruckend und gänsehauterregend.
Und dann überrascht sie zum Schluss doch noch mal mit einem hiphop-lastigen politischen Song ("Famine"), mit dem sie musikalisch wieder auf der Höhe der damaligen Zeit ankommt. Intim auch der Schlußsong - hier wendet sie sich direkt an ihre Fans: "Thank you for hearing me". Das klingt fast nach Abschied.
Neben all dem Persönlichen beeindruckt die musikalische Vielfalt und Detailverliebtheit, z. B. die Trompete bei "Fire on Babylon" oder die Spieluhr in "John I love you". Mein Fazit kann auch nach zwölf Jahren nur lauten: Grandios! Göttlich! Eine selten gelingende Melange aus großartiger Musik, großartigen Texten, großartigen Arrangements, großartiger Interpretation und großartiger Produktion - hier ist sie gelungen!
Diese CD ist der Schlüssel zum Verständnis einer der talentiertesten Künstlerinnen der letzten zwanzig Jahre. Ich verneige mich.