Drei Jahre nach seinem Meisterwerk "The Plainsman" ("Held der Prärie", 1936) drehte Cecil B. DeMille erneut einen monumentalen Western, und wiederum kann sich das Ergebnis sehen lassen. Zwar ist bei "Union Pacific" (1939) der Akzent deutlich vom Charakterdrama zum Spektakel hin verschoben, und der naive Patriotismus des Regisseurs rückt mehr als eine Szene in den Bereich der unfreiwilligen Komik, aber andererseits ist es gerade diese naive Begeisterung für Amerika und seine Eisenbahn, verbunden mit einem gewissen grandiosen Schwung, die diesen Film zu einem reinen Vergnügen macht. DeMille wechselt geschickt zwischen ruhigen Szenen, packender Action und wuchtigen Tableaux, so dass in keinem Moment Langeweile aufkommt, und 129 Minuten wie im Flug vergehen. Der Film hat einen perfekten Rhythmus - und er hat Barbara Stanwyck. In ihrer Figur verkörpert sich der ganze Mut und Pioniergeist der Eisenbahner, die unbeirrt ihre Strecke durch die Wildnis bauen; sie ist eins mit der Eisenbahn. Das ist für den Film viel wichtiger als ihre Rolle als Frau zwischen zwei Männern. Der eigentliche Plot des Films ist nämlich von äußerster Schlichtheit, und in ganz ähnlicher Weise seit der Stummfilmzeit schon in Hunderten von Western abgemacht worden; der halbwegs gewitzte Zuschauer weiß sehr schnell, wie sich die Geschichte entwickeln wird. Aber das macht diesmal gar nichts. Der geradlinig-wackere Joel McCrea als aufrechter Held, Robert Preston als sein Freund und Rivale sowie Brian Donlevy als schurkischer Saloonbetreiber sind allesamt erste Wahl für ihre Partien, ebenso wie die zahlreichen Nebendarsteller - aber den Vortritt hat die Dame; nur wenige Western werden so klar von einer Frau dominiert. Barbara Stanwyck gibt diesem Film eine Seele und sorgt mit ihrer Präsenz dafür, dass die leiseren Szenen (wie ihre Fahrt mit McCrea auf der Draisine) genauso viel Gewicht bekommen wie die spektakulären Massenszenen. In letzteren wiederum ist DeMille ganz in seinem Element - da sind nicht nur viele Menschen auf der Leinwand, sondern sie werden auch so geführt, dass die Szenen sich zur großen Aussage verdichten (perfekt assistiert durch die Musik). So dramatisch wurden wohl noch nie Schienen verlegt. Alles in allem also waren die Bedingungen für das Gelingen des Films glänzend (und ähnlich wie bei "The Plainsman"): DeMille macht das, was er kann wie kein anderer (nämlich ganz großes Monumentalkino), und hat eine Hauptdarstellerin, die verhindert, dass das Ganze zum seelenlosen Spektakel wird. Die politische Haltung kann man nach siebzig Jahren belächeln, aber "Union Pacific" bietet nicht nur Spannung und Spektakel, sondern gehört zu den vergleichsweise wenigen Filmen, in denen man sich mit Vergnügen häuslich einrichtet, und von deren Helden man sich am Ende nur ungern und mit einer gewissen Wehmut verabschiedet. Denn obwohl, wie gesagt, die gut zwei Stunden wie im Flug vergehen, hat man doch am Ende das Gefühl, Mollie, Jeff und Dick schon immer zu kennen und vieles mit ihnen durchgestanden, den Bau der Eisenbahn über Jahre begleitet zu haben. Ein schöner, und auf seine Art ein großer Film.
Die (Schwarzweiß-) Bildqualität ist beachtlich; dem Ton hört man sein Alter natürlich an, ohne dass dies das Vergnügen ernsthaft beeinträchtigt. Diese DVD sollte der Westernfreund sich gönnen.