Anders als Werbung und Klappentext zunächst insinuieren - die Autorin kennt selbst die journalistische Maxime "sex sells", die der Verlag wohl nicht ganz ignorieren will - dreht sich die Schilderung von acht ungewöhnlichen Paaren der Kirchen- und Theologiegeschichte nicht um "intime Einblicke" oder um "das Leiden am Zölibat". Elke Pahud de Mortanges, selbst verheiratet und habilitierte Theologin an der Universität Freiburg im Breisgau, bietet vielmehr nüchterne und präzise an den Quellen orientierte Portraits, die keinerlei Voyeurismus befriedigen, sondern spannend und einfühlsam der Lebensgeschichte der betroffenen Frauen und Männer des Glaubens nachgehen. "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei" - so heißt es schon in der Schöpfungsgeschichte der Genesis und so wird es immer in der Heils- und Kirchengeschichte zwar sowohl große Einzelne, aber auch "Doppelsendungen" der einander zugeordneten Geschlechter geben. Diese können sich hilfreich ergänzen und anregen oder gegenseitig blockieren bis hin zum Verlust der kirchlichen Fruchtbarkeit und Glaubwürdigkeit. Der Stifter des Christentums selbst verdankt sich physisch und psychisch einer Frau, die im Heilsgeschehen durch ihr Jawort die erlösungsbedürftige Menschheit stellvertritt und von manchen daher "Miterlöserin" genannt wird.
Diese biblischen Vorgaben (auch das Verhältnis Jesu zu Maria Magdalena oder anderen Frauen) bleiben unausgesprochen im Hintergrund, wenn Pahud de Mortanges ihren Reigen ausführlich geschilderter "(un)heiliger Paare" mit der bekannten "Historia Calamitatum" des Aristotelikers Petrus Abaelard und der in den Ordensstand hineingezwungenen Heloise beginnt. Oft romantisch verklärt wurde die Beziehung des hl. Franz von Assisi zur hl. Klara von Assisi, die einfach die Oberin der Mädchen und Frauen war, die den franziskanischen Weg der Armut für sich wählten. Sehr praktisch orientiert ist das Leben des Paares Martin Luther und Katharina von Bora, eines Augustinermönches und einer Zisterziensernonne, das sich erst 1525 aufgrund einer "dritten Wahl" bildete und Kirchengeschichte schrieb. Viel tiefer als die noch vorhandenen Aufzeichnungen hergeben war wohl die emotionale Nähe zwischen dem Genfer Bischof Franz von Sales und jungen Witwe Baronin Johanna Franziska von Chantal, die zu einer Ordensgründung führte und am Ende des Lebens zu einer immer größer werdenden Distanz beider aufgrund der kirchlichen Aufträge. In die deutsche Literaturgeschichte ein ging der Kontakt von Anna Katharina Emmerick (2004 selig gesprochen) und Clemens Brentano, dem Sekretär ihrer visionären Erfahrungen über das Leben Jesu. Eine Liebesbeziehung erstrebte Brentano aber eher mit der Konvertitin Luise Hensel, alle Verwicklungen werden minutiös geschildert. Schließlich widmet sich die Autorin noch den Biographien von drei sehr bekannten Theologen des 20. Jahrhunderts, deren Beziehungen zu den entsprechenden Frauen meist unter einem Tabu standen: Unter der Überschrift "Das strengste Urteil wider mein irdisches Leben" geht es um die skandalöse "Ménage à trois" zwischen Karl Barth, seiner Ehefrau Nelly und seiner theologischen Sekretärin Charlotte von Kirschbaum. "Zwei Hälften eines Ganzen" bildet der gemeinsame "Auftrag" des (später deswegen aus dem Jesuitenorden ausgetretenen) Hans Urs von Balthasar und der Basler Ärztin, Professorengattin und Mystikerin Adrienne von Speyr zur Gründung einer Laien-Johannesgemeinschaft. Den Abschluss bietet die vor allem von Hans Küng heftiger Kritik ausgesetzte Beziehung des Konzilstheologen Karl Rahner zur Schriftstellerin Luise Rinser, die unter dem Titel "Gratwanderung" ihre Briefe an Rahner veröffentlichte und damit sich, ihn und einen weiteren ungenannten Ordensmann in ein Zwielicht stellte.
In allen geschilderten Paaren spielt die spirituelle Orientierung an Gott eine Rolle, werden von der Autorin keine subjektiven Vermutungen in den Raum gestellt, gibt es keinen "genderismus". Sie versucht, über die "theologische Hintertreppe" der Komplexität der Protagonisten und ihrer Beziehungen gerecht zu werden und beendet jedes Kapitel mit ausführlichen Literaturangaben. Im Schlusskapitel "Paare - Passionen - Parallelen" wird versucht, ein vergleichendes Resümee zu ziehen. Obwohl Pahud de Mortanges ihr gut lesbares Buch "dem journalistisch-literarischen Genre verpflichtet weiß" (258), ist es ihr durch ihr genaues Arbeiten auch gelungen, theologische, hagiographische und kirchengeschichtliche Akzente zu setzen.