Ärztin Jenny Page fährt zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Lisa in ihr Haus in ihrer neuen Heimatstadt, in der sie bereits seit ein paar Jahren wohnt. Bereits auf dem Weg dorthin bemerken sie, dass es doch recht still ist auf den Straßen des Ortes, keine Menschenseele ist zu sehen. Sie denken sich nicht viel dabei, was sich jedoch abrupt ändert, als sie bei ihrer Ankunft die Haushälterin leblos auf dem Boden in der Küche vorfinden. Der Körper vollständig von gleichmäßigen Prellungen überseht, aufgequollen, dunkelverfärbt ' Als sie kurze Zeit später auch noch den einzigen Polizisten im Ort, Paul Henderson, in ebensolchem Zustand antreffen, das Gesicht zu einer grässlichen Fratze verzerrt, wissen sie, dass etwas Dunkles in dem verschlafenen Nest sein Unwesen treibt. Mit Hilfe des herbeigerufenen Sheriffs Bryce Hammond, dem genialen Wissenschaftler Timothy Flyte und einiger weiterer Leidgenossen nehmen sie den Kampf gegen das unbekannte Böse auf ...
Ich muss zugeben, dass "Unheil über der Stadt" mein erstes Buch von Koontz war, welches ich gelesen habe. Und ich war, na ja, wie soll ich sagen, weder positiv noch negativ überrascht. Das Buch hat genau das erfüllt, was ich erwartet habe: solide Spannung, literarisch nichts Hochwertiges, aber gekonnt geschrieben. Und genauso war es auch.
Das in kurzen Kapiteln geschriebene Buch unterhält gut, man fiebert mit den Protagonisten mit in ihrem verzweifelten Kampf gegen das Unheimliche. Soviel sei gesagt, ohne etwas von der Spannung zu rauben: Zombies sind dies nicht. Keine Ahnung, wie der Verlag auf die Idee kommt, das Werk im Untertitel einen 'Zombie-Roman' zu nennen. Der Verantwortliche dürfte das Buch zuvor kaum gelesen haben.
Negativ muss leider vermerkt werden, dass die Charaktere sehr häufig recht klischeebeladen dargestellt werden, z.B. als typischer hemdsärmeliger amerikanischer Sheriff, was den Lesegenuss ein wenig trübt. Im makabren Sinne gelungen ist jedoch, dass auch sympathische Personen, die einem mit der Zeit ans Herz gewachsen sind, nicht unbedingt überleben. Dieser Punkt hält die Spannung zusätzlich auf einem hohen Niveau.
Interessant ist zudem die verarbeitete Thematik der Massenverschwindungen, auf die der Autor auch in einem kurzen Nachwort eingeht. Er bezieht sich dabei auf einige reale Fälle, so z.B. auf die quasi über Nacht verwaiste Kolonie von Roanoke, das plötzliche Verschwinden sämtlicher Einwohner der Eskimo-Siedlung Anjikuni und das ungeklärte Verbleiben tausender spanischer Soldaten im Jahre 1771. Der berühmteste Vorfall dieser Art dürfte wohl das Auffinden des vollkommen verlassen im Atlantik treibenden Geisterschiffes Mary Celeste im Jahre 1872 sein.
Wer Lust verspürt, ein paar Stunden in eine durchaus gruselige Geschichte einzutauchen und mal einen Zombie-Roman ohne Zombies lesen will, dem sei dieses Werk des bekannten amerikanischen Horrorautoren an sein dunkles Herz gelegt.