Die Schatten, die eine Zeit wirft, auf Menschen, die eigentlich nur vorüber wollen, weitergehen, zu irgendeinem wünschbaren Ziel, aber die, bevor sie je dorthin gekommen sind, sich schon geknechtet sehen, ausgemergelt, ausgelöscht; hinsichtlich des Namens, ihrer Herkunft oder des Lebens, oder selbst noch aus ihrer eigenen Biografie; die im Nachhinein nicht mehr begreifen, wie ihnen geschah und warum mit dem Leben, das man ihnen gab oder übrig ließ. Aichinger berichtet über eine Zeit, die mit ihren Menschen spielt, weil sie mit den Gedanken, mit sich spielt, durch all die Machtpolitik, Deformationen, Deportationen am Weg; wie mit den Schatten, die einer wirft, und die immer Spielball einer anderen Macht und Potenz sind, nie oder selten nur Vermögen von einem selbst und vorbeigehen, dort am Kaffeehaus Demel. Die sich nicht mal selber gehören, sondern einer Idee, einem Weg, wenn es gut geht, irgendeinem imaginären, bloß eingebildeten Ziel, oder nur einem ganz anderen: Das ist das Tiersein oder Tierwerden im an sich aufgeklärten 20. Jahrhundert, im an sich humanistisch geprägten, zu dem andre einen machen, die Ziele oder die Umstände oder nur die Not, die eigene oder die anderer. Aichinger beschreibt in unumständlichen Worten, in unverstellten kurzen Geschichten und Bildern die Schatten einer Zeit, die sich einst auf ihre Familie warf, auf ihre Biografie zwischen Wien, London und den verbliebenen Freiräumen der Literatur im Kopf und sich mischt mit all dem, das sie geworden ist. Ein biografischer Reisebericht ins Geschichtsbuch der eigenen Seele, ins eigene Wirken und derer, dies nicht mehr gibt. Die ausgelöscht wurden, und seis nur vom Andenken. Ein lyrisches, absolut lesenswertes Buch, auf pessimistischen Eisschollen eines É.M.Cioran ziellos dahingehend! Ins Irre oder in die Lebensweisheit, die nur Tarnung des Nichts ist, denn gute Literatur ist mit dem Tod identisch. (Aichinger).