Da mir sowohl der außergewöhnliche Titel, das Cover, als auch die Beschreibung des Buches gefallen haben, habe ich mir es gekauft und bereue es nicht. Jedoch finde ich, dass man aus der Idee und dem sehr guten Ansatz viel mehr hätte machen können. Da der Inhalt zuvor in den anderen Rezensionen schon ausführlich beschrieben wurde, will ich hier nicht darauf eingehen, sondern nur darauf, wie ich das Buch empfunden habe.
Der Anfang hat mich einfach umgehauen, sprachlich unglaublich überzeugend und einfühlsam. Hierzu muss ich sagen, dass ich eigentlich weder den Ich-Erzähler noch das Erzählen im Präsens mag, aber diese Kombination passt in diesem Fall sehr gut.
So kann man die Hauptperson Jenna viel besser verstehen, fühlt sich ihr näher, verbundener und erlebt das Geschehene viel intensiver, als man es von anderen Büchern gewöhnt ist. Die Geschichte berührt einen, Jenna und ihr Schicksal nehmen den Leser auf eine Reise mit, bei der man viel über das Innere von Menschen und deren Abgründe lernen kann. Also bis hierhin, keinerlei Kritik meinerseits.
Das Buch ist in drei Teile eingeteilt und nachdem sie zu ihrer Tante gezogen ist (Anfang des zweiten Teils), wurde ich zunehmend enttäuschter. Irgendwie hatte ich das Gefühl, die Autorin versuchte zu krampfhaft, Crow als coolen Jungen (naja, eigentlich eher Mann) darzustellen und Jennas weitere Geschichte hat mehr Klischeehaftes als Authentisches.
Crow wird als "sexy Biker" beschrieben mit Tattos und allem drum und dran. Das hat mich gestört, weil ich finde, dass dieser Charakter somit gleich in eine Schublade gesteckt wird. Dadurch wird einem die Freiheit geraubt, sich selber von Crow ein Bild zu machen. Ich weiß nicht, ob das hervorheben soll wie cool und unereichbar er ist, aber so hatte ich das Gefühl, dass sein wirklich interessanter Charakter eher untergeordnet wird (natürlich kann es auch sein, dass Oates sich bewusst dafür entschieden hat, um zu zeigen, dass trotz seines klischeehaften Äußeren etwas ganz Besonderes in ihm steckt, aber trotzdem hat das alles auf mich so wenig authentisch, so wenig sympathisch gewirkt).
Auch der weitere Verlauf, Jennas Abrutsch, ihre Experimente mit Drogen und Alkohol und ihre naive Freundschaft zu einenem "coolen", älteren Mädchen waren so vorhersehbar, irgendwie wirkte das alles konstruiert, aufgesetzt wie in einer Fehrnsehteenagerserie.
Ich dachte die ganze Zeit, wieso kann Jenna nichts Besonderes sein, wieso muss sie all die Klischeefehler machen, die man von einem verletzten, naiven Teenager erwartet. Klar, dass nicht alles sofort wieder in Ordnung ist und es ihr nicht gleich wieder gut geht, aber ich hätte eine etwas kreativere Weise der Problembewältigung erwartet. Aber naja, das ist wahrscheinlich Ansichtssache.
Zusammenfassend muss ich sagen, dass ich trotz allem das Rohgerüst dieser Geschichte gut finde, nur nach diesem tollen, intensiven Anfang das Gefühl hatte, die Geschichte rutsche ins Seichte, ins Klischeehafte ab. Man muss diesem Buch zugute halten, dass es wirklich in keinster Weise kitschig ist, was ich sehr erfrischend fand. Ein ernstes Thema wird auf besondere Weise dargestellt und die Geschichte lässt den Leser nicht kalt. Auch ist das Ende nicht wirklich vorhersehbar und hat mir im Gegensatz zum Mittelteil wieder besser gefallen.
(Wer gerne Musik beim Lesen hört, dem kann ich z.B. Lampshade -vor allem die Lieder "Come Closer" und "In The Woods", also insgesamt das Album "Let's Away"- empfehlen, was meiner Meinung nach echt gut zu dem Buch passt, obwohl das natürlich auch wieder Geschmackssache ist und stark vom jeweiligen Musikgeschmack abhängt)