Dieses Buch beinhaltet 7 Arbeiten Reich-Ranickis über Bertolt Brecht. So z.B. die Rede zum 50. Jubiläum das Aufbau - Verlages oder seine Erinnerung an die Begegnung mit Brecht in Warschau.
Hier war ein Kritiker am Werk, man merkt es deutlich, ist doch alles aus einer gewissen Distanz geschrieben, was natürlich das Bild des hier dargestellten Brecht recht glaubhaft erscheinen lässt. Allerdings lässt Marcel Reich-Ranicki durchaus auch seine Bewunderung Brecht gegenüber das ein oder andere Mal durchschimmern.
Man erfährt etwas von dem Künstler, der einsam war und Angst vor dieser Einsamkeit hatte. Dies brachte er desöfteren damit zum Ausdruck, dass er, beispielsweise über Frauen oft hart und manchmal sogar beleidigend sprach bzw. schrieb. Desweiteren kommt zum Vorschein, dass er nur sich und seine Kunst gesehen hat und dem Ruhm zeitgenössischer Literaten mit Neid und Missgunst gegenüber trat.
Dass die hier gesammelten Texte teilweise fast 30 Jahre auseinanderliegen führt dazu, dass die ein oder andere Textpassage mehrfach in diesem Buch zu finden ist. Ob das vor- oder nachteilig ist, sei dahin gestellt. Vielleicht bleibt sie dadurch ja besser im Gedächtnis :-)
Ich schätze, dass dieses Büchlein durchaus für Leser geeignet ist, die gern mehr über Brecht wissen wollen, aber nicht gleich einen dicken Wälzer für viel Geld käuflich erwerben möchten. Um einen kleinen, etwas tieferen Blick auf Bertolt Brecht zu werfen reicht "Ungeheuer oben" allemal.
Alle, die schon die ein oder andere Biographie gelesen haben, werden hier wohl kaum etwas Neues entdecken.