Der Roman "Ungefähre Landschaft" von Peter Stamm handelt von der Zöllnerin Kathrine, die in einem Kaff im nördlichsten Norwegen wohnt. In ihrem Leben spielen vier Männer eine Rolle: Helge, der erste Ehemann, Vater des Sohnes. Thomas, der aktuelle Ehemann. Morten, ein Jugendfreund und der dritte Ehemann. Christian, eine Art Freund. Kathrine lebt so vor sich hin, ein unspektakuläres und unfassbares Leben. Von Thomas erhält sie keine emotionale Nähe und wird von diesem nur belogen. Von Thomas ist zu lesen: "Sein Leben war ein Strich durch die ungefähre Landschaft ihres Lebens." Als ihr bewusst wird, dass ihre kleine heile Welt gar nicht existiert und nicht mehr als eine kleine Lebenslüge ist, bricht sie aus dieser festgefahrenen kleinen Welt aus. Auf der Suche nach dem persönlichen Glück und dem Sinn des Lebens macht sie sich auf den Weg Richtung Süden. Sie will Christian in Paris besuchen, der nichts von ihr will. Auf dieser Reise, getrieben von der Sehnsucht nach Glück, macht Kathrine viele neue Bekanntschaften und Erfahrungen und findet schliesslich zu sich selbst und zur wahren Liebe. Das treffende Motto des Romans stammt von Paul Celan: "Du sei wie du, immer."
Peter Stamm schreibt in einer schlichten, aufs Wesentliche reduzierten Sprache, womit er eine Wirkung von Ruhe, Leichtigkeit und Schwerelosigkeit erzielt. Durch die Knappheit der Darstellung - vieles wird nur angedeutet - wird es den Lesern ermöglicht, sich selbst Gedanken zu machen, sich selbst in die Geschichte und Figuren hineinzudenken. Auch die Figuren sind sehr knapp gezeichnet, was stark an die Filme des finnischen Regisseurs Aki Kaurismäki erinnert. Dabei erkennt man in den Figuren bekannte prototypische Charaktereigenschaften. "Ungefähre Landschaft" ist ein tolles Buch, das den Leser in eine nachdenkliche, etwas melancholische Stimmung versetzt. Kathrine ist die ideale Projektionsfläche für die Leser, um über ihr eigenes Leben, ihr persönliches Glück und der Sehnsucht danach sowie über den Sinn des Lebens nachzudenken.