Die Handlung umfasst wenige Monate im Frühjahr/Sommer 1914. Ort des Geschehens ist ein kleines Garnisonsstädtchen an der österr.-ungarischen Grenze. Anton Hofmiller, 25jähriger Leutnant, begeht bei einem gesellschaftlichen Ereignis aus Unwissenheit den Fauxpas, die gelähmte Tochter des Gastgebers zum Tanz aufzufordern. Am nächsten Tag entschuldigt er sich in aller Form schriftlich mit einem Rosenstrauß. Edith von Kekesfalva , das junge Mädchen, 17 oder 18 Jahre alt, bedankt sich herzlich und lädt ihn ein, in den nächsten Tagen ihr Gast zu sein. Hofmiller nimmt die Einladung an und besucht Edith von da ab täglich. Sie tut ihm Leid in ihrer Unbeweglichkeit und Abgeschlossenheit der Familie, doch das ist es nicht allein. Er fühlt sich auch wohl dabei, mit seinen Besuchen ein gutes Werk an ihr zu tun und genießt schnell eine Art Familienanschluß. Es ist ein durchaus angenehmer Zeitvertreib für ihn, anregender und unterhaltsamer als das immer gleiche Tarockspiel mit den Kameraden und als die Unterhaltung mit ihnen, die sich immer um das Regiment oder die Dorfbewohner dreht. Unter den Kameraden ist er einer unter vielen, bei Kekesfalvas ist er der umschwärmte Mittelpunkt, dem man gern zuhört. Er genießt dort die konkurrenzlose ungeteilte Aufmerksamkeit Ediths und ihrer Cousine und lässt sich mit gutem Essen verwöhnen. Hofmiller gefällt das alles durchaus, da es so anders ist als sein gewohntes Leben. Aus relativ einfachen Verhältnissen stammend, kam er bereits mit 13 Jahren in die Kadettenschule zur militärischen Ausbildung. Edith gewöhnt sich schnell an diese täglichen Besuche und fordert sie ein. Hofmiller bemerkt nicht, dass die junge Frau sich in ihn verliebt hat, weil ihm gar nicht in den Sinn kommt, das auch ein behinderter Mensch Liebe und Sexualität empfinden kann. Allerdings befindet er sich damit durchaus im gesellschaftlichen Konsens. Konsequent wird Edtih als Kind bezeichnet, was ihre körperliche, grazile Statur möglich macht. Bei einem Kind braucht man Sexualität und erotische Liebe nicht zu fürchten. Auch fällt es leichter, einem Kind zu helfen als einem behinderten Erwachsenen. Umso erschrockener ist er, als sie ihm ihre Gefühle gesteht. Er will diese Art der Zuneigung nicht, da er sie nicht erwidern kann, ist aber nicht in der Lage, ihr das ehrlich zu sagen, weil er befürchtet, die ohnehin labile Frau damit sehr zu verletzen. Hofmiller ist konfliktscheu. Er hat zwar Meinungen, kann diese aber nicht vertreten, und deshalb ändert er sie nach außen hin oft. Vorwerfen kann man ihm das kaum, wenn man seine militärische Laufbahn von Kindesbeinen an bedenkt. Diese innere Zerrissenheit Hofmillers, im Grunde zu wissen, was richtig ist, aber nicht in der Lage zu sein, danach zu handeln und deshalb immer wieder umzuschwenken, hat Zweig meisterlich dargestellt. Auf den ersten Blick denkt man zuweilen, er wiederholt sich jetzt, doch dabei handelt es sich genau um dieses geistige sich im Kreise drehen und doch zu keinem Ergebnis zu kommen, das solchen Situationen eigen ist.
Aber auch Edith ist sehr ambivalent. Auf der einen Seite durchschaut sie Hofmillers Motive und ist sich seines reinen Mitleids mit ihr bewusst, auf der anderen Seite redet sie sich ein, dass sie seine Aufmerksamkeit doch nicht so falsch verstehen kann, da muss doch mehr sein als nur Mitleid. Ihre regelmäßigen Zornesausbrüche auch gegenüber ihren Familienangehörigen zeugen davon, wie zerrissen sie innerlich ist.
Eine wichtige Figur in diesem Roman ist Dr. Condor, Ediths Arzt, der einzige seiner Zunft, der sie nicht aufgegeben hat und ihr immer wieder gut zuredet, Geduld zu haben, obwohl er keineswegs weiß, ob seine Heilmethoden jemals zur Besserung ihrer Lähmung führen werden. Er macht ihr keine Hoffnungen, aber er nimmt sie ihr auch nicht. Damit steht er im Gegensatz zu Hofmiller, der völlig unbegründete Hoffnungen in ihr weckt und nicht den Mut hat, diese zurückzunehmen, obwohl ihm klar ist, dass er ihr langfristig damit schadet. Schließlich kommt es zum Verlöbnis der beiden, doch als Hofmiller in der Öffentlichkeit nicht dazu steht und Edith davon erfährt, nimmt die Katastrophe ihren Lauf.
Die Erzählperspektive ist durchgängig die Hofmillers, wobei er zuweilen die Position eines allwissenden Erzählers einnimmt, wenn er die Biografien Kekesfalvas und Condors schildert. Hofmiller erzählt seine Geschichte 25 Jahre später. Es ist seine Lebensbeichte, er empfindet noch immer Schuld.
Die Sprache ist in gewohnter Zweigscher Manier vortrefflich. Zuweilen verwendet er Begriffe, die heute ein wenig veraltet anmuten und nicht mehr gebräuchlich sind, was aber nicht stört, sondern im Gegenteil sehr authentisch ist. Jede der Figuren ist vollendet charakterisiert und hat psychologischen Tiefgang. Mitleid ist mehr als das zentrale Thema, denn als Leser leidet man mit jeder einzelnen Figur: Edith, Hofmiller, dem Vater, Dr. Condor. Interessant ist auch die Metapher des Dschinns, die Zweig ' unter anderen einfügt. Aus Mitleid oder auch Hilfsbereitschaft schultert man die Last eines anderen, die man nie mehr los wird.
Es lohnt sich, dieses Buch zu lesen!