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Ungeduld des Herzens. Sondereinband – 1. Januar 1976


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Produktinformation

  • Sondereinband: 464 Seiten
  • Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 34 (1. Januar 1976)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596216796
  • ISBN-13: 978-3596216796
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 11,7 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (28 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 71.741 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Rezension

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Ungeduld des Herzens
OA 1939 Form Roman Epoche Moderne
Ungeduld des Herzens ist Stefan Zweigs einziger Roman. Sein Titel weist auf das zentrale Thema der Erzählung hin, das falsche Mitleid, das dem anderen nicht hilft, sondern schadet. Der Roman spielt unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs im österreichisch-ungarischen Grenzgebiet.
Inhalt: Der in einem langweiligen ungarischen Garnisonsstädtchen stationierte Leutnant Anton Hofmiller erhält eine Einladung in das Schloss des ungarischen Magnaten Lajos von Kekesfalva. Dessen gelähmte Tochter Edith verliebt sich in den jungen Offizier, Hofmiller aber empfindet nur Mitleid für das »kranke Kind«. Darum und aus Feigheit verschweigt er Edith seine wahren Gefühle, macht der Unheilbaren Hoffnung auf eine baldige Genesung, verlobt sich sogar mit ihr, steht aber in der Öffentlichkeit aus Angst vor Spott und Verachtung nicht zu seiner Verbindung mit der Gelähmten. Als diese seinen Verrat durchschaut, nimmt sie sich das Leben. Hofmiller flüchtet in den kurz darauf ausbrechenden Weltkrieg »wie ein Verbrecher ins Dunkel« und kehrt als »Held« zurück.
Aufbau: Ungeduld des Herzens trägt zwar die Gattungsbezeichnung Roman, ist aber eigentlich eher eine umfangreiche Novelle. Die Erzählung beschränkt sich im Wesentlichen auf wenige, aber prägende Monate im Leben des Protagonisten, dessen psychische Befindlichkeiten bis in die kleinsten Regungen von ihm selbst geschildert werden.
Aufgezeichnet wird seine Geschichte aber von einem Schriftsteller, dem er sie 1938 – ein Vierteljahrhundert nach der Romanhandlung – während mehrerer Tage erzählt und der in seiner Einleitung berichtet, wie er den alten Hofmiller kennen gelernt hatte. Der Leser soll hierdurch den Schriftsteller, der betont, im Bericht Hofmillers »nur weniges verändert« und nichts Wesentliches hinzuerfunden zu haben, mit Zweig selbst gleichsetzen.
Wirkung: Wie seine Novellen und Romanbiografien lebt auch Zweigs einziger Roman vor allem von der minutiösen Beschreibung des Denkens und der Gefühle seines Protagonisten. Diesem Stil und dem Eintauchen in die vergangene Welt des habsburgischen Kaiserreichs, dem Zweig im brasilianischen Exil nachtrauerte und dessen Untergang er letztlich nicht verwinden konnte, verdankt die Erzählung bis heute ihre große Leserschaft. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Stefan Zweig wurde am 28. November 1881 in Wien geboren, lebte von 1919 bis 1934 in Salzburg, emigrierte von dort nach England und 1941 nach Brasilien. Sein episches Werk machte ihn ebenso berühmt wie seine historischen Miniaturen und die biographischen Arbeiten. Am 23. Februar 1942 schied er in Petrópolis, Brasilien, freiwillig aus dem Leben. Seine von einer vergangenen Zeit erzählenden Erinnerungen »Die Welt von Gestern« erschienen posthum.

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Kundenrezensionen

4.6 von 5 Sternen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen

33 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Colin Wood VINE-PRODUKTTESTER am 9. Mai 2007
Format: Sondereinband
Die Handlung umfasst wenige Monate im Frühjahr/Sommer 1914. Ort des Geschehens ist ein kleines Garnisonsstädtchen an der österr.-ungarischen Grenze. Anton Hofmiller, 25jähriger Leutnant, begeht bei einem gesellschaftlichen Ereignis aus Unwissenheit den Fauxpas, die gelähmte Tochter des Gastgebers zum Tanz aufzufordern. Am nächsten Tag entschuldigt er sich in aller Form schriftlich mit einem Rosenstrauß. Edith von Kekesfalva , das junge Mädchen, 17 oder 18 Jahre alt, bedankt sich herzlich und lädt ihn ein, in den nächsten Tagen ihr Gast zu sein. Hofmiller nimmt die Einladung an und besucht Edith von da ab täglich. Sie tut ihm Leid in ihrer Unbeweglichkeit und Abgeschlossenheit der Familie, doch das ist es nicht allein. Er fühlt sich auch wohl dabei, mit seinen Besuchen ein gutes Werk an ihr zu tun und genießt schnell eine Art Familienanschluß. Es ist ein durchaus angenehmer Zeitvertreib für ihn, anregender und unterhaltsamer als das immer gleiche Tarockspiel mit den Kameraden und als die Unterhaltung mit ihnen, die sich immer um das Regiment oder die Dorfbewohner dreht. Unter den Kameraden ist er einer unter vielen, bei Kekesfalvas ist er der umschwärmte Mittelpunkt, dem man gern zuhört. Er genießt dort die konkurrenzlose ungeteilte Aufmerksamkeit Ediths und ihrer Cousine und lässt sich mit gutem Essen verwöhnen. Hofmiller gefällt das alles durchaus, da es so anders ist als sein gewohntes Leben. Aus relativ einfachen Verhältnissen stammend, kam er bereits mit 13 Jahren in die Kadettenschule zur militärischen Ausbildung. Edith gewöhnt sich schnell an diese täglichen Besuche und fordert sie ein.Lesen Sie weiter... ›
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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von W. Schinwald am 1. September 2007
Format: Sondereinband
Eigentlich wollte ich das Buch nur in die Hand nehmen und oberflächlich betrachten. Der Titel sagte mir irgendwie: "Das ist wahrscheinlich nichts für dich!" Trotzdem begann ich ein paar Seiten zu lesen. Das Buch fesselte mich so, dass ich es relativ rasch zu Ende las und mir nach und nach ein Werk Zweigs nach dem anderen besorgte.
... Der in einem langweiligen ungarischen Garnisonsstädtchen stationierte Leutnant Anton Hofmiller erhält eine Einladung in das Schloss des ungarischen Magnaten Lajos von Kekesfalva ... Auf dem Fest wird gefeiert und getanzt. Der Leutnant amüsiert sich blendend und tanzt mit einem Mädchen nach dem anderen. Plötzlich fährt ihm durch den Sinn, dass er die Tochter des Gastgebers (Edith) noch nicht zum Tanz aufgefordert hat. Er sucht sie. Sie sitzt gerade an einem Tisch mit anderen. Er wundert sich zwar, warum er sie den ganzen Abend nicht tanzen gesehen hat, aber er denkt nicht lange darüber nach und fordert sie zum Tanz auf. Diesen Moment beschreibt Zweig wie kein anderer. Die Zeit scheint stillzustehen, alle befinden sich in einem Schockzustand. Das Mädchen ist nämlich gelähmt. Der Leser kann sich auf den folgenden Seiten mit allen Details in jede der anwesenden Personen hineinversetzen. Er empfindet Scham, Unbehagen, ein in den Erdboden versinken wollen. Wie Zeig das aufs Papier knallt ist einfach unbeschreiblich. Jedes Wort, ja die Position jedes Wortes, packt den Leser und würgt ihn wie ein Verhör.
Und dann erinnere ich mich noch daran, wie Zweig eine Ausfahrt mit einem Pferdegespann schildert, eine ganz unspektakuläre Begebenheit, aber mit so einer Dramatik, dass einem alle freudigen Erinnerungen an die Kindheit als gesammelte Werke in den Sinn kommen.
Also Kaufempfehlung! Was sonst?
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31 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Julian Wangler am 16. August 2005
Format: Sondereinband Verifizierter Kauf
Stefan Zweig sucht seinesgleichen!
In seinem einzigen größeren Roman beweist er seine einzigartige Sensibilität sowie ein Talent, Sprache zu beherrschen und zu leben, wie es meines Erachtens in dieser hohen Qualität nur eine Handvoll andere große Literaten können. Das Buch zeigt - nicht zuletzt mit einem Hauch von Psychoanalyse, aber vor allem mit sehr viel Pathos - die Tücken und Abgründe der menschlichen Seele, vor allem die Auswirkungen der zwei verschiedenen Arten des Mitleids - wichtige Stützpfeiler des Wesens Mensch.
Der österreichische Leutnant erreicht mit seinem unaufrichtigen Mitleid - jenes, sich möglichst rasch frei zu machen von der Last fremden Leidens - letztlich genau das Gegenteil von dem, was er beabsichtigte. Damit illustriert Zweig sehr genau, dass in der Quintessenz das Mitfühlen, das Mit-leiden eine große Macht, vielleicht schon eine Waffe ist, wenn es nicht richtig eingesetzt wird.
Alles in allem würde ich jenes Buch - alleine schon wegen der grandiosen sprachlichen und leitmotivischen Umsetzung - zu den zehn besten aus der riesigen Menge von Büchern zählen, die ich jemals gelesen habe.
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Ein Kunde am 29. Dezember 2003
Format: Sondereinband
Das k.u.k. Ambiente und die typischen Wortkaskaden Zweigs - die in diesem Falle hervorragend zur Erzählerrolle passen - mögen vielleicht ein wenig "historisch" erscheinen. Das Thema ist aber wohl aktuell wie eh und je. Ein körperlich behindertes junges Mädchen missversteht die nur aus Mitleid erfolgten Besuche des Protagonisten als persönliches Interesse, dieser ist entsetzt, als sie sich ihm offenbart, und gesteht sich selbst bzw. dem Leser ein, dass er diese Edith nie als vollwertiges menschliches Wesen angesehen hat, das es überhaupt WAGEN darf, zu lieben. Wer einmal auf die Reaktionen der meisten seiner Mitmenschen Rollstuhlfahrern oder anderen Behinderten gegenüber geachtet hat, weiß, dass sich die Zeiten noch nicht grundlegend geändert haben... Die Erzählung zeigt deutlich, dass eine unter falschen Voraussetzungen aufgenommene Beziehung - denn dieser Leutnant Hofmiller versucht dann sozusagen aus "therapeutischen Gründen" auf Ediths Gefühle einzugehen - zum Scheitern verurteilt ist.
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